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München - Mit den letzten Vorbereitungsspielen geht der DHB in die heiße Phase der WM-Vorbereitung. Der Kader muss noch endgültig gekürzt werden. Heiner Brand sieht Titelchance.

Ekstatische Fans, ausverkaufte Arenen - und der Kampf um die letzten WM-Tickets: Allein die Gedanken ans "WM-Vorglühen" zauberten Uwe Gensheimer ein Lächeln ins Gesicht. "Man hat Bilder im Kopf, wie die Zuschauer die schwarz-rot-goldenen Klatschpappen in der Hand haben und gemeinsam die Hymne singen", sagte der Kapitän der deutschen Handballer eine Woche vor dem WM-Auftakt.

Am Freitag gegen Tschechien (WM-Vorbereitung: Deutschland - Tschechien, ab 16.15 Uhr im SPORT1-LIVETICKER) und am Sonntag gegen Argentinien (WM-Vorbereitung: Deutschland - Argentinien, ab 14.00 Uhr im SPORT1-LIVETICKER) proben Gensheimer und Co. den Ernstfall - und nicht nur der Weltklasse-Linksaußen hat richtig Bock auf den Länderspiel-Doppelpack. "Je näher das Turnier kommt, desto heißer werden wir", sagte Torhüter Silvio Heinevetter.

Mit Vollgas Richtung Handball-WM

Für Bundestrainer Christian Prokop kommen die beiden Spiele mit jeweils mehr als 10.000 Zuschauern gerade recht. "Diese Spiele werden zu 100 Prozent gespielt", versicherte Prokop bei einer Pressekonferenz am Donnerstag im Teamhotel Treudelberg in Hamburg: "Wir wollen weiter an unserem WM-Feeling basteln und mit den Spielen dazu beitragen, mit einem guten Gefühl Richtung Berlin zu reisen."

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Die Partie gegen den EM-Sechsten Tschechien in Hannover ist der erste Teil im großen Casting-Finale. 16 von 18 lautet die Formel in Prokops Personal-Puzzle, das er Sonntagabend nach der Generalprobe in Kiel endgültig zusammensetzen will. "Ich würde jetzt lügen, wenn ich nicht schon meine Gedankengänge hätte", verriet Prokop. Zum einen sei es "eine Leistungsentscheidung", vorrangiges Ziel sei es aber, "als Mannschaft die größte Stärke einzubringen".

Keine Überraschungen im Prokop-Kader erwartet

Große Überraschungen wie vor der EM im vergangenen Jahr, als Prokop Abwehrchef Finn Lemke kurzfristig aus dem Kader schmiss und so für einen Sturm der Entrüstung sorgte, dürfte es diesmal allerdings nicht geben. Allerdings hat Lemke seine Lehren aus der Geschichte gezogen und will sich nicht zu sicher fühlen, bevor der Bundestrainer nicht endgültig seine Entscheidung getroffen hat. ""Vorsichtig bin ich bis zum Schluss. Ich hoffe es natürlich nicht. Ich habe ein ganz gutes Gefühl. Aber man will den Abend nicht vor dem Morgen loben."

Auf der Kippe stehen die möglichen Turnier-Debütanten Franz Semper (SC DHfK Leipzig) und Tim Suton (TBV Lemgo), es könnte aber auch ein prominenteres "Opfer" wie den Berliner Paul Drux oder Europameister Tobias Reichmann erwischen.

"Jeder möchte sich zeigen und beweisen", beschrieb Gensheimer die momentane Situation: "Klar ist das in der Mannschaft auch mal ein Thema. Man philosophiert untereinander und würde gern in den Kopf des Trainers reinschauen." Es sei "eine schwierige Entscheidung", bei der er nicht mit Prokop tauschen möchte, beurteilte der Linksaußen auf SPORT1-Nachfrage die schwierige Situation Prokops.

Heinevetter und. Co blenden Kader-Entscheidung aus

Auch sonst wollten sich die Spieler nicht zu sehr mit der Situation beschäftigen. Für Silvio Heinevetter stellt die Kaderreduzierung "kein Thema" dar, wie der 34-Jährige exklusiv gegenüber SPORT1 äußerte. Auch Patrick Wiencek will sich nicht großartig mit dem Thema belasten. "Das ist ein sehr kleines Thema. Wir konzentrieren uns darauf, dass wir besser und eingespielter werden. Das steht im Vordergrund. Leider müssen dann zwei erst einmal noch zu Hause bleiben. Aber das heißt ja nicht, dass sie im Laufe des Turniers nicht nochmal eingesetzt werden."

Für Martin Strobel ist es normal, dass man sich damit auseinandersetzt, aber als Profi-Sportler kennt man diese Situation genau. Er betont exklusiv gegenüber SPORT1 lieber die Vorteile, die die bevorstehende Kaderreduzierung mit sich bringt. "Irgendwo im Hinterkopf wird es vielleicht bei dem ein oder anderen stehen. Das ist aber auch normal. Es ist menschlich, wenn man darüber nachdenkt. Letzten Endes ist das eine Situation, die öfters schon einmal vorkam, sei es in der Nationalmannschaft oder auch im Verein, wenn man ein oder zwei Spieler mehr hat. Deswegen wird es das Konkurrenztreiben immer wieder antreiben, dass wir im Training immer eine gute Qualität und Intensität haben, was uns auch wieder gut aufs Spiel vorbereitet."

Stimmungstest zur WM-Atmosphäre

Bei allem Rätseln über den WM-Kader, mit dem es am Dienstag nach Berlin gehen wird, dürften die beiden bevorstehenden Partien aber vor allem einen stimmungsvollen Vorgeschmack auf die deutschen WM-Spiele in Berlin (Vorrunde), wahrscheinlich Köln (Hauptrunde) und eventuell Hamburg (Halbfinale) geben. Selbst Heiner Brand hat inzwischen das WM-Fieber gepackt, der Weltmeister-Coach von 2007 traut der aktuellen Mannschaft den ganz großen Wurf zu (Hndball-WM Spielplan).

"Alles ist möglich. Es gibt derzeit keine Ausnahmemannschaft im Welthandball. Sie haben die Möglichkeiten, jede Mannschaft zu schlagen", sagte Brand. Die Handball-Ikone betonte allerdings, dass das Turnier (10. bis 27. Januar) "kein Selbstläufer" werde. Der 66-Jährige hofft dabei auf eine ähnliche Stimmung wie beim Wintermärchen vor zwölf Jahren. "Das ist sicherlich möglich. Es hängt natürlich vom Abschneiden und Auftreten der deutschen Mannschaft ab", sagte Brand, der 1978 als Spieler Weltmeister wurde.

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