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München - Im portugiesischen Amateur-Fußball verbreitet ein gewaltbereites Team Angst und Schrecken. Die Gegner verzichten freiwillig und zahlen lieber Strafe.

Auf dem Papier lesen sich die Erfolge wie eine beeindruckende Siegesserie: 17 Spiele, 16 Siege, keine einzige Niederlage. Canelas 2010 ist das Team der Stunde in der vierten portugiesischen Liga.

Diesen Eindruck suggerieren jedenfalls die nackten Zahlen. 

"Super Dragons" verbreiten Angst und Schrecken

Und jetzt folgt die Realität: Zwölf der 16 Siege kamen zustande, weil der Gegner erst gar nicht angetreten ist. Aus Angst vor der bekanntesten Treter-Truppe Portugals.  Das ist die wahre Geschichte des Fußball-Teams von Canelas 2010. 

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Das Team besteht aus Mitgliedern, die es nicht ganz so genau nehmen mit Regeln und guten Manieren auf dem Fußballplatz. Vier Akteure gehören den "Super Dragons" an, der berüchtigten Ultra-Gruppierung des FC Porto. Kapitän Fernando Madureira ist deren Anführer. 

Wenn die Mannen um Madureira auf den Rasen schreiten, verbreiten sie Angst und Schrecken. Das Spiel von Canelas schaut so aus:

Tritte, Schläge und Schikanen - und das alles häufig ohne Karten. 

Denn nicht nur Gegner sind eingeschüchtert, sondern auch Schiedsrichter. Sie sehen weg oder drücken beide Augen zu, um nicht zur Zielscheibe von Canelas' Spielern und ihren Anhängern zu werden. 

"Drohkulisse auf dem Feld und der Tribüne"

Ein Beobachter der Szene sagte der spanischen Zeitung El Pais, die Spiele mit Canelas' Beteiligung fänden "vor einer Drohkulisse auf dem Feld und der Tribüne" statt. "Sie gewinnen all ihre Spiele, indem sie 20-jährige Spieler bedrohen und attackieren." 

Ein anderer Augenzeuge, der regelmäßig Canelas-Spiele verfolgt, sagte der Zeitung: "Sie machen das alles vor Augen von Schiedsrichtern und Polizei-Beamten, die nichts unternehmen, um das zu unterbinden."

Schiedsrichter werden eingeschüchtert

Manuel Gomes, der Präsident von Canelas' Konkurrent Grijo, beschreibt die Situation in der Liga wie folgt. "Wir müssen Bedrohungen ertragen, die Schiedsrichter werden eingeschüchtert und schreiben nicht das in den Spielbericht, was auf dem Feld vor sich geht", sagte er El Pais. "Die Ausschüsse erhalten keine Beschwerden, also unternimmt niemand etwas."

Die Auswüchse auf dem Feld haben inzwischen ein solches Maß angenommen, dass die meisten Gegner lieber eine Strafe von 750 Euro in Kauf nehmen, anstatt gegen Canelas anzutreten. Das Skandal-Team hat so die letzten elf Partien kampflos gewonnen. 

Rein sportlich führt das zu einer irrwitzigen Situation in der Liga. Canelas 2010 ist unangefochtener Tabellenführer, klopft an das Tor zur dritten Liga, der niedrigsten Stufe im portugiesischen Profifußball. 

Es wird nicht mehr lange dauern, und die Drohexzesse haben die ganz große Bühne des Fußballs erreicht. 

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