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© SPORT1-Montage: Marc Tirl / Getty Images / SPORT1
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Das Ergebnis der Abstimmung zum Ballon d'Or erhitzt die Gemüter in Fußball-Deutschland. Auf den vorderen Plätzen sind weder Deutsche noch Bundesliga-Kicker vertreten.

Der deutsche Fußball schaut bei der Wahl  zum Ballon d'Or in diesem Jahr in die Röhre. Der erste Vertreter der Bundesliga erscheint mit Pierre-Emerick Aubameyang erst auf Rang 11, Toni Kroos folgt als bester Deutscher gar nur auf Platz 17.

Ist das in Ordnung oder der amtierende Weltmeister drastisch unterrepräsentiert? Ein Pro und Contra der SPORT1-Redaktion.

Martin van de Flierdt, Redakteur: Das Ranking spiegelt 2016 wider

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Aus meiner Sicht ist das Ergebnis durchaus erklärbar. Renommierte internationale Sportjournalisten sollten ihre Top 3 des Jahres 2016 bestimmen. Bei dieser Vorgabe hatten sie vor Augen, wer für die großen Titel des Jahres entscheidend war.

Dass an Europameister und Champions League-Sieger Cristiano Ronaldo und Lionel Messi, der Barcelona zur spanischen Meisterschaft geführt hat, niemand heranreicht, halte ich für unstrittig.

Antoine Griezmann hat Atletico und Frankreich in die Finals von Champions League und EM geschossen, Luiz Suarez den Golden Boot gewonnen.

Dank Neymar ist Brasilien Olympiasieger, dank Bale war Wales im EM-Halbfinale. Dazu hat auch er den Henkelpott in die Höhe gereckt. Kroos' Erfolge sind vergleichbar, richtig. Aber Wales' EM-Leistung war außergewöhnlich - wie der Meistercoup von Leicester City.

Auch weil die Premier League international mehr beachtet wird als die Bundesliga, ist die Platzierung von Riyad Mahrez und Jamie Vardy erklärbar.

Wer nun anführt, statt Gianluigi Buffon und Rui Patricio gehöre Manuel Neuer als bester Torwart in die Liste, dem seien Buffons epischer Serie-A-Rekord mit 926 Minuten ohne Gegentor und Patricios tragende Rolle spätestens ab Portugals EM-Viertelfinale entgegengehalten.

Pepes Einsatz bis zur Erschöpfung im Finale gegen Frankreich ist der Fußballwelt zudem ebenso im Kopf wie sein Erfolg mit Madrid.

Und Aubameyang als Afrikas Fußballer des Jahres hat Rang elf durchaus ebenso verdient wie Copa-America-Sieger Arturo Vidal Platz 14.  Ja, Kroos, Neuer, Thomas Müller oder auch Mesut Özil waren 2016 ebenfalls stark. Aber diesmal eben nicht ganz so entscheidend.

Martin Volkmar, Leiter News: Bedeutungslose Pseudo-Rangliste

Lesen Sie immer das Kleingedruckte! Denn da wird es meistens erst richtig interessant.

Diesen Rat haben viele Fußballfans auch bei der Wahl des Ballon d'Or verfolgt und sich dann mindestens sehr gewundert. Mir ging es genauso.

Dass Cristiano Ronaldo den goldenen Ball bekommt, war ja nach dem Gewinn der Champions League und des EM-Titels schon länger klar. Spannend wurde es erst beim Blick auf die hinteren Ränge.

Und da findet man jede Menge mehr oder weniger talentierte Profis. Was man dagegen fast gar nicht findet: Stars aus der Bundesliga und Spieler der deutschen Nationalmannschaft.

Ihres Zeichens übrigens amtierender Weltmeister und bei der EM im Sommer immerhin erst im Halbfinale knapp gescheitert – ebenso wie der FC Bayern in der Champions League.

Trotzdem liegen One-Hit-Wonder wie Mahrez und Vardy vor aus meiner Sicht erwiesenermaßen deutlich stärkeren Spielern wie Boateng und Özil, um nur zwei von mehreren fehlenden Namen zu nennen.

Auch Oldie Buffon, in der Königsklasse und bei der EM gegen Bayern und DFB-Team ausgeschieden, und Sporting-Keeper Rui Patricio vor Manuel Neuer zu setzen, ist ein Witz.

So geht es weiter: Toni Kroos als Champions-League-Sieger mit einem einzigen Pünktchen einziger Deutscher in der Wertung, Pierre-Emerick Aubameyang ohne jeglichen Titel auf Platz elf bester Bundesliga-Profi, fünf Ränge vor Robert Lewandowski usw. usf.– von einer angeblichen Fachjury muss man ein kompetenteres Votum erwarten.

Letztlich spiegelt diese Pseudo-Rangliste aber auch nur die Bedeutungslosigkeit des Ballon d'Or wider. Nächstes Jahr wird die Wahl deshalb dann vermutlich niemand mehr ernst nehmen. Außer Ronaldo natürlich…

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