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Michael Garcia lieferte einen umfassenden Bericht über dubiose Machenschaften bei der WM-Vergabe an Russland und Katar © Getty Images
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München - Die Veröffentlichung des Garcia-Reports zu den WM-Vergaben an Russland und Katar sorgt für Wirbel. Die wichtigsten Antworten zum Skandal-Bericht.

Lange blieb das Skandal-Papier der FIFA unter Verschluss und geheimnisumwittert - dann ging auf einmal alles ganz schnell.

Zu Beginn der Woche eine Medien-Enthüllung, dann entschied sich der Fußball-Weltverband FIFA am Dienstag, den sogenannten Garcia-Report vollständig zu veröffentlichen.

Er enthält viele entlarvende Fakten und Hinweise zu dubiosen Vorgängen rund um die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar und zeichnet ein erschreckendes Bild der FIFA für die damalige Zeit. Aber welche konkreten Folgen hat das nun?

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Die wichtigsten Antworten zum Garcia-Report:

Wer ist Michael J. Garcia?

Der US-Amerikaner Michael J. Garcia ist ein Jurist, der von 2005 bis 2008 als Bundesstaatsanwalt in New York arbeitete. Ab 2012 untersuchte er als Vorsitzender der ermittelnden Kammer der Ethikkommission der FIFA Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar.

Am 5. September 2014 legte er seinen Bericht vor. Dieser wurde von der FIFA zunächst nicht veröffentlicht. Garcia trat aus Protest im Dezember 2014 als Chefermittler der FIFA zurück.

Was steht im Garcia-Bericht?

Kurz zusammengefasst: Auf den 430 Seiten stehen viele Details, die ein "Gschmäckle" haben, sprich: die den Verdacht nähren, dass bei der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 gemauschelt und bestochen wurde.

Die Inhaltsangabe des Garcia-Reports © FIFA

Zahlreiche Vorgänge legen nahe, dass beide Gastgeber nichts unversucht gelassen haben, durch zum Teil höchst fragwürdige Zahlungen wichtige Entscheider zu beeinflussen. Dies gilt besonders für Katar - an Russland biss Garcia sich alles in allem eher die Zähne aus: Er durfte nicht mal dorthin reisen.

Ein "rauchender Colt" allerdings, ein spektakulärer Beweis, der den Korruptionsverdacht konkretisiert und die (vom Garcia-Eport unabhängigen) juristischen Ermittlungen voranbringen könnte, liegt aber in beiden Fällen nicht vor.

Die meisten Experten kommen nach der Lektüre zum Schluss: Garcia hat etwas zu viel Wind gemacht und zu wenig Substanz geliefert.

Was heißt das für Russland und Katar?

Erst mal nichts, denn: siehe vorherige Frage.

Nach wie vor ermittelt allerdings auch die Schweizer Justiz in zahlreichen Fällen wegen des Verdachts der Geldwäsche. Diese Ermittlungen werden aber wohl erst nach der WM in Russland abgeschlossen sein. "Der Sumpf bleibt", urteilte der langjährige FIFA-Mediendirektor Guido Tognoni.

Warum taucht Franz Beckenbauer in dem Bericht auf?

Es geht um die Bewerbung von Australien für die WM 2022. Die Beckenbauer-Partner Fedor Radmann und Andreas Abold waren bereits bei der WM 2006 und in die WM 2010 involviert, ab 2009 sollten sie die Bewerbung Australiens unterstützen.

Beckenbauer saß zum fraglichen Zeitpunkt im Exekutivkomitee der FIFA. Eine Geschäftsbeziehung zu Radmann und Abold stritt er ab. Im Juni 2014 wurde Beckenbauer für 90 Tage für alle Fußball-Aktivitäten gesperrt, weil er auf Garcias Fragen monatelang nicht geantwortet hatte. Außerdem musste er eine Geldstrafe von 7000 Schweizer Franken zahlen.

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Umstrittene Connection: Franz Beckenbauer und Fedor Radmann © Getty Images

Welche Rolle spielte Beckenbauer bei der WM-Vergabe?

Beckenbauer stimmte am 2. Dezember 2010 als Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees über die Vergabe der WM 2018 und die Vergabe der WM 2022 ab. Bis heute verschweigt er, für wen er gestimmt hat. 14 Monate nach der Vergabe und dem Abschied aus der Exekutive schloss er einen Fünfjahresvertrag als Botschafter der "Russian Gas Society" ab.

Warum wurde der Garcia-Bericht bisher nicht veröffentlicht?

Die ehemaligen Chefethiker der FIFA, der Münchner Hans-Joachim Eckert sowie der Schweizer Cornel Borbely, hatten bei ihrer Prüfung des Garcia-Berichts nach eigenen Angaben keinerlei Anzeichen für Bestechung oder Korruption gefunden.

Eine Veröffentlichung kam für sie daher nicht infrage, auch, um die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten zu schützen. Von der FIFA werden Eckert und Borbély daher nun zu Sündenböcken gestempelt.

"Diese Entscheidung", widerspricht Eckert, "stand in völliger Übereinstimmung mit den geltenden Regeln und der Beschlusslage der FIFA."

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Schlüsselfigur im FIFA-Krimi: der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert (l.) © Getty Images

Was wurde aus Chefethiker Eckert?

Der renommierte, international geachtete Eckert wurde im Mai auf Betreiben von FIFA-Präsident Gianni Infantino als Chef der rechtsprechenden Kammer der  FIFA-Ethikkommission abgelöst. Innerhalb der FIFA war er wegen seiner konsequenten Vorgehensweise in Ethikfragen umstritten.

Warum wird der Bericht durch die FIFA jetzt veröffentlicht?

Am Anfang stand eine Veröffentlichung der Bild am Montagabend: Nach deren Angaben hat ein ihr "bis dahin unbekannter Informant" den Garcia-Report durchgestochen, die Echtheit bestätigte sich.

Der Hintergrund des plötzlichen Lecks im vorher so gut abgedichteten Informations-Wall: unklar. Zahlreiche Interessen sind im Spiel, unter anderem seit kurzem auch politische gegen das unter den arabischen Länden nun isolierte Katar.

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Gianni Infantino ist Nachfolger von Joseph Blatter als FIFA-Präsident © Getty Images

Fragezeichen stehen hinter der Rolle der FIFA: Der Verband wirkt mit der späten Veröffentlichung einerseits wie ein Getriebener, andererseits lässt er sich von Präsident Gianni Infantino trotzdem als Befreiungsschlag inszenieren, als Beleg für die neue Offenheit der immer noch enorm kritisch beleuchteten FIFA. An dieser Interpretation der Dinge versucht sich auch Katars WM-OK in seiner Reaktion auf den Garcia-Report.

Könnte letztlich klappen, da die konkreten Folgen der Veröffentlichung sich - wie beschrieben - im Rahmen halten.

Die FIFA entschuldigt die verspätete Veröffentlichung nun mit dem Hinweis, Eckert und Borbély hätten sich geweigert, dies zu tun.

Was sagt der DFB?

DFB-Präsident Reinhard Grindel ist entsetzt über die Einflussnahme des Beckenbauer-Intimus und Strippenziehers Radmann: "Es ist schon sehr bedrückend, was vor allem über die Rolle des früheren WM-OK-Mitglieds Fedor Radmann im Garcia-Report zu lesen ist." Dieser war einst WM-OK-Mitglied.

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