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Die FIFA hat ihren Sitz in Zürich
Die FIFA hat ihren Sitz in Zürich © Getty Images
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Die Reform der Klub-WM und Einführung einer globalen Nations League sind vorerst auf Eis gelegt. Das FIFA-Council beschließt nur die Gründung einer "Task Force".

Das nächste große Zerwürfnis im Weltfußball ist vorerst abgewendet. Vor allem wegen des Widerstands aus der UEFA entschied sich das Council des Weltverbands FIFA am Freitag in Kigali/Ruanda gegen die schnelle Reformierung der Klub-WM und die Einführung einer globalen Nations League - das mysteriöse Milliardenangebot scheint damit erst einmal auf Eis gelegt.

Eine "Task Force" soll stattdessen in den kommenden Monaten Vorschläge für die beiden Wettbewerbe erarbeiten, sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino im Anschluss an die Council-Sitzung. Das Thema habe "die Gemüter sehr erhitzt". Tatsächlich hatten die neun UEFA-Mitglieder im Council damit gedroht, die Sitzung aus Protest zu verlassen, sollte Infantino auf eine Abstimmung über die neuen Wettbewerbe drängen.

Task Force soll Licht ins Dunkel bringen 

"Mit der Task Force muss jetzt Licht ins Dunkel über alle sportlichen und wirtschaftlichen Fragen gebracht werden, die eine Reform der Klub-WM und einer Global Nations League betreffen", sagte DFB-Präsident und Council-Mitglied Reinhard Grindel dem SID: "Dank des geschlossenen Auftretens der europäischen Fußballfamilie aus Verbänden, Klubs und Ligen konnte eine Entscheidung ins Blaue hinein verhindert werden."

Bei den anstehenden Beratungen müsse nun "sehr genau geprüft werden, welche Auswirkungen eine neu strukturierte Klub-WM und eine weltweite Nations League auf die bewährten und erfolgreichen Wettbewerbe der UEFA hätten", sagte Grindel. Infantino nannte die nächste Council-Sitzung am 14. und 15. März 2019 als neuen Termin für konkrete Vorschläge.

"Es gab verschiedene Meinungen, das ist absolut normal", sagte der Schweizer, der aber betonte, dass in Kigali gar keine "konkreten Vorschläge" vorgestellt worden seien. Das allerdings lag wohl an den Vorgesprächen am Donnerstag, in denen die UEFA ihre Position untermauert hatte.

25-Milliarden-Dollar-Angebot schlägt Wellen 

Das Angebot über 25 Milliarden US-Dollar für die beiden Wettbewerbe hatte bereits im April für einen Aufschrei in der Fußballwelt gesorgt. Infantino hielt die Hintergründe schon damals geheim, sein Hauruck-Plan einer schnellen Entscheidung scheiterte vor der WM in Russland im Council.

Angeblich steckte der japanische Telekommunikations- und Medienkonzern SoftBank hinter dem Angebot, vielleicht in Zusammenarbeit mit dem Königshaus von Saudi-Arabien, das wegen des Todes des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi weltweit in der Kritik steht.

Am Freitag sagte Infantino nur, er sei "sehr, sehr, sehr glücklich", dass es ein so großes (wirtschaftliches) Interesse an Nationalmannschafts- und Klubwettbewerben gebe. Ob sich die Investoren bis März vertrösten lassen, erscheint fraglich.

Von der Quelle der gewaltigen Summe unabhängig sehen die Gegner des Angebots vor allem die weitere Aufblähung des Wettbewerbskalenders kritisch. Eine neue Klub-WM wäre ein ernsthafter Konkurrent für die europäische Champions League, eine weltweite Nations League eine Gefahr für das UEFA-Pendant, das erst im September gestartet war.

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