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Der FC Basel ist der erste Verein, der Anteile an einem indischen Verein erworben hat. Präsident Bernhard Burgener und sein Team planen Großes und wollen sogar dem Nationalsport Cricket Konkurrenz machen. SPORT1 hat die Schweizer in Indien begleitet.

Es ist 2.30 Uhr, als Bernhard Burgener sein Hotel in Neu-Delhi erreicht. Draußen ist es stockdunkel. Ein Nebel-Gemisch aus Smog und Wärme liegt in der Luft. Die laute indische Hauptstadt schläft. Burgener ist hellwach und bestellt im Speisesaal eine Cola Zero und einen doppelten Espresso. Sein Standardprogramm. "Auch, wenn ich Gefahr laufe, gleich senkrecht im Bett zu stehen", sagt der 61-Jährige.

Die aus vier Personen bestehende Delegation des FC Basel, darunter Präsident Burgener, ist aus Zürich angereist. Rund 6000 Kilometer entfernt von der Heimat werden die Schweizer in Indien Geschichte schreiben.

Sie werden der erste europäische Verein sein, der Anteile an einem indischen Fußballklub erwirbt. Es geht um eine 26-prozentige Minderheitsbeteiligung am Topklub Chennai City FC. Ein Gesamt-Investment im mittleren einstelligen Millionenbereich. Ein Mix aus Kaufpreis und Darlehen. Überschaubar für Basel. 

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Vor etwa 70 einheimischen Pressevertretern wird Burgener wenige Stunden später die Verträge unterschreiben und seine Pläne erklären. Warum investiert er in Indien? Was verspricht er sich davon?

Weil der Unternehmer nichts dem Zufall unterlassen will, geht er noch in der Nacht seiner Ankunft das Programm durch. Lässt sich Abläufe erklären. Sein linkes Bein schlägt er dabei über das rechte. Der linke Fuß wippt. Das tut er oft, wenn Burgener über Wichtiges spricht.

Copperfield, der Zauberer

Wenige Minuten später - der Espresso ist mittlerweile getrunken, das Glas Cola noch halbvoll - wechselt Burgener das Thema und berichtet von seinem Besuch einer Vorstellung des Magiers David Copperfield in Los Angeles.

© Florian Plettenberg

Seine Augen leuchten, als er beschreibt, wie ihn Copperfield vor ein paar Wochen verblüfft hat. Vor allem, als inmitten des Raumes plötzlich ein Ufo auftauchte. Bis heute kann er sich nicht erklären, wie Copperfield das geschafft hat.  

Der Amerikaner sei ein großartiger Illusionist, der aber auch die Tricks am Tisch beherrsche, findet Burgener. Ein Menschenfänger, der mit seinem Publikum auf Tuchfühlung geht. Der sein Publikum fragend und verblüfft zurücklässt, indem er scheinbar Unmögliches möglich macht.

Unmögliches möglich machen - dieses Vorhaben verfolgt auch Burgeners ambitioniertes Projekt in Indien. Er will den indischen Fußball nach vorne bringen. Er will mit der Expertise des FC Basel indische Talente entwickeln. Er will ihnen den Weg nach Europa ermöglichen, im besten Fall zu seinem Heimatverein in Basel.

Mehr noch. Burgener glaubt daran, es sogar mit Cricket, dem indischen Volkssport Nummer eins, aufnehmen zu können. Wer sich solch ein ambitioniertes Ziel setzt, muss zaubern können. Oder vielleicht einfach nur mutig sein.

Burgener spricht über das Fußball-Cricket-Duell sehr oft. Es ist sein persönlicher Zweikampf. Einer, den er sich selbst ausgesucht hat. David gegen Goliath.

Er ist davon überzeugt, "dass Fußball eines Tages der größte Sport in Indien wird" - und dass sein FC Basel ein "Türöffner" sein kann.

Cricket sei das Spiel der älteren Generation. Fußball das der neuen. "Ich glaube wirklich daran", wird Burgener in den nächsten Tagen immer wieder sagen. Auch Sätze wie: "Everything is possible. Wenn man an etwas glaubt, funktioniert es."

Aus seinem Mund klingen sie überzeugend. Als er sie zwei Tage später mit leisem, fast schüchternem Ton und mit Blick auf den Boden in seiner ersten Ansprache an die Mannschaft des Chennai City FC richtet, hören ihm deshalb auch alle gespannt zu.

Anderthalb Jahre Vorbereitung hat dieses Projekt nun in Anspruch genommen. Zahlreiche Gespräche, Planungen und Stippvisiten gingen dem Deal voraus.

© Florian Plettenberg

Als die Verträge einen Tag nach Burgeners Ankunft unterzeichnet sind, spricht Sunando Dhar, Geschäftsführer der I-League, von einem "historischen Moment für den indischen Fußball". Aus den strahlenden Gesichtern der Anwesenden spricht der Stolz.

FC Basel, der Ausbildungsverein

Auf dem indischen Markt betreiben die Schweizer nun Nischenarbeit.

Der schweizerische Traditionsverein will im 1,3-Milliarden-Einwohner-Land, in der bevölkerungsreichsten Demokratie der Welt, sein Scouting ausweiten und helfen, regionale Talente auszubilden.

Zudem verstärkt Basel mit seinem Investment frühzeitig seine Präsenz vor Ort. Es geht um Markenbildung, um Internationalisierung. Fortan sollen die etwa 400 Millionen Inder unter 25 Jahren wissen, dass es nicht nur Real Madrid, den FC Barcelona oder den FC Arsenal gibt. Die "Gunners" sind übrigens sehr beliebt, weil britische Soldaten den Fußball Mitte des 19. Jahrhunderts nach Indien gebracht haben sollen.

Es gibt da eben auch den FC Basel. Zwanzigmaliger Schweizer Meister. Verantwortlich für die Ausbildung von Xherdan Shaqiri (jetzt Liverpool), Ivan Rakitic (Barcelona) und Yann Sommer (Mönchengladbach). Der Verein, in dem Mohamed Salah (Liverpool) groß wurde.

Es sind nur einige der Namen, die Burgener und sein Team oft voller Stolz erwähnen. Fast alles Spieler, die die Jugendmannschaften der Basler durchlaufen haben und bei ihnen zu Topspielern gereift sind. Den Indern sollen diese Beispiele helfen, an die Basler zu glauben.

Wichtig ist den Schweizern, dass die Inder nicht nur an den Fußball-Boom glauben, sondern selbst bereits einiges für einen anhaltenden Fußball-Boom im flächenmäßig siebtgrößten Land der Welt tun.

So unterstützte die indische Regierung die Mission "11 Millionen", initiiert vom indischen Fußballverband AIFF und der FIFA. Ein Förderungsprogramm, ausgerufen im Zuge der U17-WM, die 2017 in Indien stattfand. Ab Ende 2016 wurden über elf Millionen Schulkinder in 78 Städten und in über 24.000 Schulen mit dem Fußball in Kontakt gebracht. Über 42.000 Fußbälle wurden verteilt, 35 Fußball-Festivals gefeiert.

Ob deswegen 254 Millionen Menschen die WM 2018 vor dem Fernseher verfolgten, lässt sich nur schwer beweisen. Ein indischer Rekord war es aber allemal. Ohnehin ist der Fußball nach Cricket der am zweitmeisten konsumierte Sport in Indien.

© Florian Plettenberg

Premierminister Modi, der WM-Träumer

Aktuell liegt Indien auf Platz 103 der FIFA-Weltrangliste. Premierminister Narendra Modi hat die WM-Teilnahme 2026 als Ziel ausgegeben. Nicht nur die Aus- und Weiterbildung durch den FC Basel soll dabei helfen. Auch die Expertise aus Deutschland.

Im Mai 2017 besuchte Modi Bundeskanzlerin Angela Merkel – und unterbreitete ihr unter anderem sein Anliegen in Sachen Fußball. "Wir wollen, dass aus Deutschland Trainer nach Indien kommen", erklärte Modi. "Denn natürlich wissen wir alle, dass Deutschland im Fußball weltweit führend ist." 

Ende November 2018 verkündete die Deutsche Fußball Liga (DFL) auf ihrer Webseite "eine strategische Partnerschaft zur Entwicklung der Marke Bundesliga und zur Förderung des Fußballsports in Indien".

Der FC Basel kommt den Bundesligisten mit seinem Vorhaben nun sogar zuvor.

"Indien ist ein schlafender Riese", hatte Sepp Blatter 2006 gesagt. Damals noch als FIFA-Präsident.

Burgener entdeckte diesen Satz bei seiner Recherche, erwähnt ihn auch in Gesprächen mit indischen Medienvertretern, aber garniert die Aussage mit einer entscheidenden Zutat: "Ich glaube, dass der Riese längst erwacht ist. Ich glaube wirklich, dass Indien eine dominante Rolle auf der Welt einnehmen wird."

Ceccaroni, der Ausbilder  

In Chennai werden fortan die Basler eine dominante Rolle spielen. Vor allem Massimo Ceccaroni, Leiter der Nachwuchsförderung und Verwaltungsratsmitglied des Klubs.

Mit seiner Statur erinnert der 50-jährige in Basel geborene Sohn italienischer Eltern an den früheren Weltklasse-Verteidiger Roberto Carlos. Klein, bullig, Glatze. Ceccaroni ist beim FC Basel Kult und Identifikationsfigur zugleich. Er war jahrelang, was man hierzulande anerkennend ein Kampfschwein nennt. Ein Verteidiger, der selbst nie ein Profi-Tor erzielte.

© Florian Plettenberg

Er wird fortan Trainer beim Chennai City FC ausbilden, Trainingsinhalte vermitteln und eine Jugend-Akademie aufziehen. Dort sollen die Nachwuchsteams und die Profimannschaft beheimatet sein.

Zum Aufbau eines solchen Zentrums mussten sich die Basler im Zuge der Anteilskäufe verpflichten. Errichtet wird es in Coimbatore, dem rund 500 Kilometer entfernten Spielort des Klubs. Weil der CCFC eine Identität aufbauen will, die sich deutlich vom Stadtrivalen Chennaiyin FC abhebt, entschied er sich für den Umzug.

Ende des Jahres zieht Ceccaroni für rund vier Monate nach Indien. Vor Ort bringt er sein Wissen dann auch auf den Trainingsplatz. Er will die Inder professionalisieren. Burgener hält viel von Ceccaroni, er vertraut ihm.

Ceccaroni war es auch, der den Präsidenten maßgeblich davon überzeugte, sich diesem Projekt zu widmen. Er sieht im indischen Fußball Potenzial. In drei bis fünf Jahren, erklärt Ceccaroni, könne der erste Inder für einen Profieinsatz in Europa bereit sein.

Den Kontakt zwischen Burgener, Ceccaroni und ihren Kollegen nach Chennai stellte Sindu Sivasuntharam her. Der 29-Jährige ist in der Nähe von Karlsruhe geboren und Geschäftsführer bei "Pandit Sports Consulting", einer Unternehmensberatung für die Internationalisierung von Fußball-Klubs.

Er machte Burgener mit den Plänen der beiden Eigentümer Chennais vertraut: Rohit Ramesh (32), Sohn einer indischen Herausgeber-Dynastie, und Krishnakumar Raghavan (31), ein Finanzexperte mit eigenem Unternehmen. Sivasuntharam schrieb Burgener eine E-Mail. Der antwortete prompt.

Kurze Zeit später kam es zu ersten Sondierungsgespräche. Diese wurden intensiviert. Die Basler besuchten Indien. Die Inder Basel. Beide Seiten waren voneinander angetan.

Was die Basler vor allem beeindruckte, waren und sind die ambitionierten Pläne der Inder: Chennai City FC, gegründet 1946, will kurzfristig zum indischen Topklub Nummer eins werden und die I-League dominieren. Aktuell ist der Klub bestes von elf Teams und am 19. Spieltag nur noch einen Sieg von der Meisterschaft entfernt. 

Sollte es zum von der FIFA geforderten Zusammenschluss der I-League und der Indian Super League (ISL) kommen, einer 2013 gegründeten, parallel laufenden Fußball-Liga ohne Auf- und Abstiegsregelung, so will Chennai auch diese Liga beherrschen.

© Florian Plettenberg

Ungeachtet der Tatsache, dass der Verein dann auf Teams trifft, deren Eigentümer millionenschwere Bollywood-Stars oder Politiker sind. In der ISL gaben einst frühere Weltstars wie Alessandro Del Piero oder David Trezeguet ihr Gastspiel.

Chennai-Chef Raghavan, der Messi-Sucher

Die I-League hingegen, in der Chennai spielt, ist auf Wettbewerb ausgerichtet. Der Meister nimmt an der Qualifikation zur "AFC Champions League" teil, der asiatischen Königsklasse.

Ein weiteres Ziel der Klubeigentümer: Der erste indische Verein zu sein, der einem indischen Fußballer den Weg nach Europa ebnet. Mit dem Aufbau der besten Fußball-Akademie des Landes, sie soll dem Nachwuchs-Campus des FCB ähneln, erhoffen sich die beiden Eigentümer und die Schweizer den Zugang zu einheimischen Talenten, die in ihrem Verein eine Möglichkeit sehen, sich für etablierte Fußball-Märkte wie etwa Europa oder Südamerika entwickeln zu können.

"Wir suchen nach dem indischen Lionel Messi. Das ist unser Ziel. Wir sind zuversichtlich, dass wir das schon bald schaffen", sagt Chennai-Chef Raghavan euphorisch.

Auch er weiß, dass dieser Plan überaus ambitioniert ist. Das fußballerische Niveau der aktuellen Mannschaft befindet sich auf deutschem Viertliga-Niveau. Einige Spieler hätten gewiss das Potenzial für die 3. Liga. Mehr aber nicht. Das Team ist gespickt mit fünf Spaniern und einem Slowaken. Die restlichen Spieler kommen aus Indien. Trainer Akbar Nawas (43) stammt aus Singapur. Die beiden Yoga-Trainer Balagumaran k (54) und Kannika (52) sind gebürtige Inder.

Um ein gutes Leben in Indien führen zu können, so Raghavan, brauche man rund 300 Dollar Monats-Einkommen. Seinem persönlichen Fahrer bezahlt der Familienvater 400.

Der Top-Verdiener im Kader von Chennai bekommt 5500 Dollar Monatsgehalt: Pedro Eliezer Manzi (30) aus Spanien, Stürmer und Kapitän. Das niedrigste Spieler-Gehalt liegt bei 400 Dollar. Auf die Gehälter gibt es Boni.

Für jeden Spieler übernimmt der Verein zudem die Hotelkosten und die Verpflegung, denn während der laufenden Saison wohnt das Team sieben Monate dauerhaft im Hotel. Kurios: Die Spanier dürfen ab und an sogar Pizza essen, weil ihnen das indische Essen zu scharf ist.  

Im Jugendbereich hat Chennai drei Mannschaften mit insgesamt knapp 100 Spielern. Sie verteilen sich auf je ein U18, U15 und U13-Team. Die Jugendtrainer stammen allesamt aus Indien.

CCFC ist ein modernes Team. Visionäre Pläne. Junge Anhänger. Über 60 Prozent der Follower auf den sozialen Kanälen sind zwischen 18 und 24 alt.

© Florian Plettenberg

Die Schweizer wissen das. Mit ihrer Hilfe geht es nun vor allem darum, die Ressourcen zu optimieren, in Ausbildung und Infrastruktur zu investieren. "Der Weg nimmt Zeit in Anspruch und legt uns Verantwortung auf. Wir sind aber davon überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war", sagt Burgener.

Um den Verein zu entwickeln, sollen vor allem junge Spieler aus der Region gefördert werden. Basel scheint für dieses Projekt prädestiniert zu sein, denn für seine gute Jugendausbildung ist der Klub bekannt.

Die aktuelle Mannschaft sei "gut ausgebildet in den Grundelementen Technik und Taktik. Auch in der Athletik", urteilt Ceccaroni nach mehreren Spielbeobachtungen und ersten Gesprächen mit Spielern. "In Sachen Mentalität und Spielrhythmus ist aber noch viel Luft nach oben."

Burgener, der Edelfan

Auf seiner ersten Reise nach Indien überzeugt sich Burgener davon persönlich. Zusammen mit seinen Kollegen schaut er sich auf der Delegationsreise erstmals ein Liga-Spiel von Chennai an. Fliegt dafür von Neu-Delhi, dem Ort der Vertragsunterzeichnung, nach Bhubaneswar. Dort trifft Chennai auf die Indian Arrows. Sozusagen die indische U21-Nationalmannschaft, die am Spielbetrieb der I-League teilnimmt.

Es ist ein gutes Spiel. Viel Tempo. Viele Zweikämpfe. Die vereinzelten Stockfehler und eklatanten Fehlpässe sind auch den Rasenverhältnissen geschuldet. Rund 15.000 Zuschauer finden im 1978 eröffneten "Kalinga Stadium" Platz. Gerade mal 60 sind da, denn in Bhubaneswar ist der Fußball-Boom noch nicht ausgebrochen.

Heimspiele von Chennai City hingegen besuchen durchschnittlich 7000 Zuschauer im 2017 renovierten "Nehru Stadium". 20.000 passen rein.

Chennai City fährt an diesem Donnerstagnachmittag ein 2:0 ein. "Man of the match" ist Sandro Rodriguez. Der Spanier trifft per Freistoß zum 1:0 und jubelt an der Eckfahne. Der 28-Jährige ist der auffälligste Spieler auf dem Rasen. Nicht nur, weil er wie der frühere französische Profi Ludovic Giuly aussieht und sich wie Ex-Barcelona-Star Xavi bewegt.

Er verfügt auch über die beste Technik aller Spieler. Zwölf Polizisten stehen für ihn nach Spielende Spalier und klatschen, als er in die Kabine verschwindet. Auch Burgener applaudiert von der Tribüne aus. Cool und unauffällig in einer lockeren Lederjacke und Jeans. 

© Florian Plettenberg

Chennai hat drei wichtige Punkte im Meisterschaftskampf eingefahren. Burgener ist zufrieden. Er wirkt etwas müde, aber in der Öffentlichkeit ist er ohnehin kein Mann der großen Worte. Die Bühne überlässt er gern anderen. Er zieht die Fäden lieber im Hintergrund.

Möglicherweise wird das zum Erfolgsrezept der Schweizer, denn etliche Vereine, die mit indischen Vereinen ebenfalls Kontakt hatten (u.a. Liverpool, Manchester City, Chelsea oder Atlético Madrid), sollen nicht so aufgetreten sein.  

Weil etwa Vertreter aus England nicht mit der Mentalität der Inder zurechtkamen, soll es in Gesprächen laut geworden sein. Die Inder empfanden dies respektlos.

Die Basler hingegen sind Leisetreter. Sie hören zu. Sie schütteln Hände. Sind unaufgeregt, zollen ihren Gegenübern Respekt. Sie verhalten sich professionell. Das kommt an.

Die genannten Vereine sind nur einige der Topklubs, die den indischen Fußball-Markt längst auf dem Radar haben. Sie sind bislang jedoch eher repräsentativ unterwegs, verkaufen Sublizenzen. Ein Anteilskauf wie der des FC Basel ist bislang jedoch einzigartig in Indien. Auch, weil es den Schweizern glaubhaft um Nachhaltigkeit geht. "Sie wollten sehen, was wir brauchen. Sie wollten uns helfen. Sie sind sehr bodenständig", berichtet Trainer Nawas angetan. "Sie kamen hierher und haben gesagt: Wir sind hier, um euch zu helfen."

Den heimischen Fans des FCB ist das Vorhaben ihrer Bosse allerdings ein Dorn im Auge. Statt Millionen in Indien zu verpulvern, so der Vorwurf, solle ihr Präsident sich lieber darum kümmern, den eigenen Verein zu verstärken. In der Schweiz nämlich hinkt Basel als Tabellenzweiter derzeit hinterher. Spitzenreiter Young Boys Bern ist 19 Punkte entfernt. Die Champions-League-Qualifikation ist außer Reichweite.

Burgener und seine Kollegen können der Kritik nichts abgewinnen. Für sie ist das Projekt in Indien ein Vereins-Investment in die Zukunft, mit wenig Risiko.

Klar aber ist: Wirtschaftliche Pläne spielen dabei zweifellos eine Rolle, schließlich ist Burgener vor allem ein Geschäftsmann mit Visionen.

Auch deshalb wird etwa über E-Sports-Pläne gesprochen in dem Land, das über eine Milliarde Handynutzer hat. Auf dem Viertages-Trip betont Burgener jedoch oft, dass er mehr plant als in Indien nur Geld zu verdienen.

Schaffen es er und seine Mitstreiter, tatsächlich einen indischen Fußballspieler für Europa auszubilden, wären die Schweizer erfolgreiche Pioniere. Man stelle sich vor, wie dieser eine Inder Vorbild für Millionen seiner Generation sein könnte, die den Traum vom erfolgreichen Fußball-Profi leben. Man stelle sich vor, die Basler finden ihren indischen Messi – der im besten Fall das Trikot des FCB trägt.

Selbst Zauberer Copperfield wäre in diesem Erfolgsfall wohl ziemlich verblüfft. 

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