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Jakub Blaszczykowski erlebt bei Wisla Krakau seinen zweiten Frühling

Wie "Kuba" in Krakau aufblüht

Jakub Blaszczykowski erlebt bei Wisla Krakau aktuell seinen zweiten Frühling

Lesedauer: 5 Minuten

Bei Borussia Dortmund wurde Jakub Blaszczykowski einst zum Star. Nach schweren Jahren erlebt Kuba in der Heimat bei Wisla Krakau seinen zweiten Frühling.

Acht Jahre lang trug Jakub Blaszczykowski das Trikot von Borussia Dortmund und wurde in dieser Zeit zu einer prägenden Figur der Jürgen-Klopp-Ära. Für seinen unermüdlichen Einsatz auf der rechten Außenbahn wurde "Kuba" von den Fans verehrt, an der Meisterschaft 2011 und dem Double 2012 trug er maßgeblichen Anteil.

Am 4. Spieltag der Bundesliga kam es zu zwei unglaublichen Fehlschüssen vor dem leeren Tor: Sowohl Bayerns James als auch Hoffenheims Belfodil brachten den Ball nicht über die Linie. SPORT1 zeigt historische Fehlschüsse - wie den vom früheren Dortmunder Frank Mill © SPORT1-Grafik: Getty Images/Imago
Es läuft die 50. Minute in der Veltins-Arena. Der FC Bayern führt beim FC Schalke 04 mit 1:0 und macht sich schon bereit zum zweiten Torjubel. Franbck Ribery hatte James Rodriguez perfekt freigespielt... © Imago
...und der Kolumbianer muss den Ball aus drei Metern Entfernung nur noch ins leere Tor schieben. Doch offenbar hat James zu früh abgeschaltet und setzt die Kugel neben den rechten Pfosten. Am Ende ist es egal, denn die Bayern gewinnen 2:0 - unter anderem mit einem James-Tor © Imago
Wesentlich ärgerlicher ist der Fehlschuss von Ishak Belfodil beim 1:1 zwischen der TSG Hoffenheim und Borussia Dortmund. In der Schlussphase der Partie bringt Hoffenheims Nico Schulz den Ball scharf vor Tor... © Imago
...doch Belfodil schafft es aus zwei Metern nicht, ihn über die Linie zu bringen. Stattdessen landet der Ball über der Latte - und die TSG muss sich mit einem Punkt begügen © Imago
Frank Mills Missgeschick ist das Paradebeispiel für so einen Fehlschuss. Der Dortmunder Debütant spielt 1986 im Duell gegen Bayern München Torwart-Legende Jean-Marie Pfaff gekonnt aus, überlegt aber während des Dribblings zu lange. Das Ergebnis: Mill trifft das leere Tor nicht, sondern den Pfosten. Das Spiel endet 2:2, doch Mill schreibt Fußball-Geschichte © Imago
Im Rückblick ein sehr trauriger Fehlschuss: Junior Malanda vom VfL Wolfsburg vergab am ersten Spieltag der Saison 2014/15 beim FC Bayern eine Riesenchance. Das Tor stand völlig offen, doch der Mittelfeldspieler versenkte den Ball nicht © Imago
Nach dem Schlusspfiff war der Wolfsburger immer noch untröstlich. Fünf Monate später kam Malanda bei einem Autounfall im Alter von nur 20 Jahren ums Leben. Die ganze Bundesliga trauerte um den Belgier © Getty Images
Henrikh Mkhitaryan von Borussia Dortmund vergibt im Viertelfinale der Champions League 2014 gegen Real Madrid gleich drei Mega-Chancen © Getty Images
Erst setzt er den Ball neben das Tor, dann trifft er den Pfosten und schießt später Real-Keeper Iker Casillas das Leder genau in die Arme © Getty Images
Diese Szene wird Mario Gomez wohl ewig verfolgen: Im Spiel gegen Österreich bei der EM 2008 gelingt es dem Stürmer nach einem Pass von Miroslav Klose nicht, den Ball aus drei Metern ins leere Tor zu befördern. Nach Gomez' Fehltritt springt der Ball in die Luft, doch auch das anschließende Kopfballduell auf der Torlinie verliert er glatt © Getty Images
Borussia Dortmunds Fans jubeln bereits, als Jakub Blaszczykowski nach einem Pass von Robert Lewandowski völlig alleine aufs leere Tor des SC Freiburg zuläuft. Acht Meter vor dem Tor zieht der Pole ab und wälzt sich danach auf dem Boden - sein Schuss geht knapp über das Tor. Unfassbar, aber wahr! © Imago
So elegant Fernando Torres seine Aktion gegen Manchester United einleitet, so stümperhaft beendet er sie. Mit einem Übersteiger trabt der einstige Stürmerstar des FC Chelsea an ManUnited-Keeper David De Gea vorbei, semmelt dann aber den Ball aus sechs Metern an den Pfosten. Uniteds Darren Fletcher (r.) hat die Aktion bereits abgehakt - doch Torres überrascht ihn © Imago
Nicht besser ergeht es im Champions-League-Finale 2007/08 Chelsea-Kapitän John Terry: Gegen Manchester United rutscht der Engländer im Elfmeterschießen unglücklich aus und verschießt. ManUnited gewinnt, Terry ist untröstlich © Getty Images
Unglückliche Fehlschüsse zwischen Manchester United und dem FC Chelsea sind wohl ohnehin keine Seltenheit. Hier trifft es Wayne Rooney am Elfmeterpunkt - oder besser gesagt: Rooney trifft nicht © Getty Images
Doch auch hierzulande wie gestümpert: Im früheren Zweitliga-Duell zwischen Eintracht Frankfurt und der SpVgg. Greuther Fürth gelingt Edgar Prib ein seltenes Kunststück. Mit einem tollen Heber verlädt er Eintracht-Keeper Oka Nikolov - doch das leere Tor trifft er danach nicht, sondern knallt den Ball gegen den Pfosten © Imago
Dele Alli von Tottenham Hotspur blamiert sich vor zwei jahren im Spiel bei Stoke City mit einem unglaublichen Fehlschuss © Getty Images
Alleine läuft der Spurs-Angreifer auf das Tor zu, dribbelt Stoke-Keeper Shay Given aus und steht frei vor dem leeren Kasten. Doch aus leidlich spitzem Winkel setzt er den Ball nur an den rechten Außenpfosten © Getty Images
Danach würde der Spurs-Angreifer am liebsten im Boden versinken. Doch der Fehlschuss trübt nur kurz die eigentlich gute Stimmung. Tottenham siegt souverän mit 4:0, Alli erzielt zwei Treffer und die Spurs bleiben an Tabellenführer Leicester City dran. © Getty Images

Als dem zu seinen Anfangszeiten als Chancentod verschriene Polen ein Jahr später 14 Tore und 15 Vorlagen in 41 Spielen gelangen, und er mit dem BVB bis ins Finale der Champions League stürmte, war er mit gerade einmal 27 Jahren endgültig auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt.

Kreuzbandriss führt zum Bruch in der Karriere

Nur acht Monate später, im Januar 2014, sollte ein falscher Schritt seine Laufbahn auf eine schwere Probe stellen. Ohne gegnerische Einwirkung riss sich Blaszczykowski beim Rückrundenauftakt gegen den FC Augsburg nach sechs Minuten das Kreuzband. "Dies ist bitter für die Mannschaft und für Kuba selbst", kommentierte der damalige BVB-Trainer Jürgen Klopp die schwere Verletzung, nicht ahnend, welche Folgen diese für dessen weitere Karriere haben sollte.

Es sollte fast genau ein Jahr dauern, ehe der 106-fache Nationalspieler auf den Platz zurückkehren würde, von seiner früher gefürchteten Spritzigkeit war kaum mehr etwas übrig. Zu allem Überfluss verließ mit Klopp sein größter Förderer den Verein am Ende der Saison. 

Als Thomas Tuchel zur neuen Spielzeit bei den Schwarz-Gelben übernahm, hatte er keine Verwendung mehr für den flexibel einsetzbaren Mittelfeldspieler. Nach einer Leihe zum AC Florenz wurde er 2016 schließlich zum VfL Wolfsburg verkauft. Nachdem er im ersten Jahr immerhin noch 28 Mal (null Tore) auf dem Feld gestanden hatte, kam er in den darauffolgenden eineinhalb Jahren noch genau zehn Mal (ein Tor) in der Bundesliga zum Einsatz.

Blaszczykowski spielt bei Wisla für 116 Euro

Im Januar dieses Jahres gaben die Wölfe dann die Vertragsauflösung mit Kuba bekannt. Schnell machte das Gerücht die Runde, der inzwischen 33-Jährige würde sich seinem Ex-Verein Wisla Krakau anschließen. Allerdings waren die Aussichten beim dreizehnfachen polnischen Meister alles andere als rosig.

Geldsorgen, drohender Lizenzentzug und Zwangsabstieg in die vierte Liga - Blaszczykowski ließ sich davon nicht abschrecken und unterzeichnete beim kriselnden Traditionsklub einen Vertrag bis zum Ende der Saison. Doch die eigentliche Meldung war etwas ganz anderes: Der Fußball-Millionär verzichtete auf ein fettes Gehalt und unterschrieb stattdessen für umgerechnet 116 Euro, die in Form von Tickets an Kinder in Waisenhäuser gehen sollen.

Zusammen mit zwei weiteren Investoren lieh er dem Verein obendrein rund eine Million Euro. "Er ist eine sehr bescheidene Person und gibt jetzt das, was für ihn im Leben nie eine Rolle spielte: Materialismus und Geld", sagte der ebenfalls beteiligte Geschäftsmann Jaroslaw Krolewski damals im Interview mit dem TV-Sender TVP Sport.

"Ich entschied mich, Wisla zu helfen, weil ich das Gefühl hatte, dass ich es tun musste. Was mit Wisla passiert, betrifft viele Menschen. Es ist ein Verein mit großer Tradition", kommentierte der Rückkehrer seine Entscheidung gewohnt selbstlos.

Fans skandieren: "Kuba, du bist eine Legende"

Als der Kapitän sein Team dann mit einem verwandelten Elfmeter in seinem zweiten Pflichtspiel für Wisla zum 1:0-Sieg gegen Slask Wroclaw schoss, sangen die Fans auf den Rängen "Kuba, du bist eine Legende". "Es war keine leichte Entscheidung, aber ich fühlte mich großartig, als ich das Tor schoss. Dieser Elfmeter war unter diesen Umständen einer der unglaublichsten Momente meiner Karriere", sagte der Matchwinner anschließend. 

In den folgenden fünf Spielen ließ er noch drei weitere Tore sowie zwei Vorlagen folgen und wurde schließlich zum "Spieler des Monats" in der Ekstraklasa gewählt.

Nach drei Siegen in Serie musste Kuba allerdings zweimal aussetzen - sein Klub verlor prompt beide Partien. Am Wochenende kehrte er dann zurück und erzielte bei der 1:3-Niederlage gegen Zaglebie Lubin sein fünftes Saisontor. So viele Liga-Tore hatte er in den vergangenen fünf Spielzeiten zusammen geschossen.

Rückkehr nach Krakau löst altes Versprechen ein

Auch wenn er Krakau schlussendlich nicht vor dem Gang in die Abstiegsrunde bewahren konnte, für Blaszczykowski war die Rückkehr an alte Wirkungsstätte der richtige Schritt. In Krakau erlebt er im Moment so etwas wie seinen zweiten Frühling, nach Jahren voller Rückschlägen strahlt er auch auf dem Platz wieder die Spielfreude früherer Tage aus.

Allerdings musste Kuba seine Saison nach dem letzten Spiel der Hauptrunde vorzeitig beenden. "Leider kann ich Wisla auf dem Feld bis zum Ende der Saison nicht mehr helfen. Ich wünsche dem Team viel Glück. Ich werde die Daumen drücken!", schrieb er drei Tage nach dem letzten Spiel auf Instagram. 

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Dabei machte er mit seiner Rückkehr zu Wisla auch ein altes Versprechen wahr. "Ich habe bei meinem Wechsel zum BVB schon gesagt, dass ich dort meine Karriere beenden will", hatte er im vergangenen Jahr in einem Interview mit Schwatzgelb.de auf die Frage, ob er zum Ende seiner Karriere noch einmal nach Krakau zurückkehren wolle, erklärt.