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Der Plan von Staatspräsident Xi Jinping, China zur Fußball-Großmacht zu machen, stockt. Jetzt sollen Einbürgerungen helfen.

Der "Marsch der Freiwilligen" geht Nico Yennaris unfallfrei über die Lippen. "Steht auf! Alle, die keine Sklaven mehr sein möchten!", singt er, als die Kamera ihn in diesem historischen Moment einfängt.

Die Nationalhymne sei das Erste gewesen, was er auf Chinesisch gelernt habe, sagt der gebürtige Brite später. Das war die Grundvoraussetzung dafür, dass Yennaris am 7. Juni Geschichte schreiben durfte - als Chinas erster eingebürgerter Fußball-Nationalspieler.

Der erste von vielen. Weil der Plan von Staatschef Xi Jinping, China zur Fußball-Großmacht zu machen, stockt, sollen Einbürgerungen helfen. Der mächtige Generalsekretär der Kommunistischen Partei will 2022 erstmals seit der Premiere 2002 wieder zur WM, bis 2030 soll China asiatische, bis spätestens 2050 Weltspitze sein. Yennaris (26) wird dann nicht mehr dabei sein, doch er soll helfen, das kurzfristige Ziel zu erreichen - und nicht nur er.

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Auch Brasilianer sollen eingebürgert werden

Wie der frühere englische Junioren-Nationalspieler, der sich inzwischen "Li Ke" nennt, erhielt John Hou Saether einen chinesischen Pass. Aus dem einstigen norwegischen U18-Auswahlkicker wurde "Hou Yongyong", Saether hat wie Yennaris eine chinesische Mutter. Der 21-Jährige sprach von einem "Angebot, das ich nicht ablehnen konnte". Doch die Einbürgerungswelle macht nicht vor Halb-Chinesen halt. Auf der Liste stehen vor allem die aus der Liga bekannten brasilianischen Ballzauberer.

"Wir brauchen gute Stürmer", sagte Nationalcoach Marcello Lippi, der 2006 den WM-Pokal nach Italien holte. Er wünscht sich echte "Schwergewichte" - die Einbürgerungsverfahren bei den Stürmern Elkeson und Ricardo Goulart laufen.

Weil beide lange genug in China spielen und nie für die Selecao aufliefen, erfüllen sie die FIFA-Kriterien für eine internationale Spielberechtigung. Mit dem Duo hätte China rechtzeitig vor Beginn der WM-Qualifikation im September den vielleicht besten Angriff Asiens.

Doch nicht nur die Nationalelf profitiert von der neuen Fußball-Politik. Die Klubs der Super League können die Ausländerobergrenze von drei Profis nun leicht umgehen. Dabei sind Neubürger in China eine absolute Ausnahme: Laut Economist lag die Zahl der Eingebürgerten bei der jüngsten Volkszählung 2010 bei 1448 - bei über 1,3 Milliarden Einwohnern.

Yennaris: Ein Traum geht in Erfüllung

Damit die Neubürger richtige Chinesen werden, bekommen sie Unterricht. Auch die Kicker. Der chinesische Verband CFA erließ im März Mindestanforderungen: Die Profis müssen die Flagge erkennen und die Hymne beherrschen. Auch Geschichte und Theorien der KP müssen Anwärter in Grundzügen kennen. Die Vereine sollen den Profis dabei helfen, "patriotische Gefühle zu entwickeln".

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Bei Li Ke alias Nico Yennaris hat das offenbar geklappt. "Es war mir eine Ehre und ein erfüllter Traum für mich, das Nationaltrikot überzustreifen und für mein Land zu spielen", schrieb er nach seinem 55-Minuten-Debüt im Sozialen Netzwerk Weibo. Der Lohn: Vier Tage später wurde der Mittelfeldmann gegen Tadschikistan (1:0) immerhin eingewechselt.

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