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Barcelona v Real Madrid - La Liga
Lionel Messi (l.) und Cristiano Ronaldo (r.) verstehen sich nicht so schlecht, wie alle meinen © Getty Images
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Lionel Messi und Cristiano Ronaldo spielen seit Jahren auf unglaublichem Niveau. Genau dieser Umstand macht sie zu erbitterten Rivalen um die Krone.

Lionel Messi und Cristiano Ronaldo: zwei Namen, die unvergessen bleiben. Ihr Ruf nach Brillanz und Klasse, nach Wahnsinn und Unsterblichkeit wird die Zeit überdauern und selbst dann noch klingen, wenn der Fußball längst gestorben ist.

Doch weg von allem Pathos: Dass beide ein solches Niveau erreichen konnten, ist vielleicht nicht nur ihrer eigenen Arbeit geschuldet, sondern auch der des anderen. Gegenseitig trieben sie sich zu immer neuen Höhenflügen, im ewigen Wettstreit um Glanz und Ruhm, um Grazie und Lorbeeren.

Ronaldo gilt stets als der Fleißigere, als der Nimmermüde und Besessene. Doch auch Messi arbeitet hart für den Erfolg und kennt keine Ruhe in seinem Streben.

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SPORT1 wirft einen Blick zurück auf die Geschichte einer ungeheueren Rivalität, die zuweilen Grenzen überschritt, aber auch eine tiefe Verbundenheit in sich trägt.

Es war der 23. April 2008, als Cristiano Ronaldo und Lionel Messi erstmals in einem Spiel aufeinandertrafen. Der FC Barcelona empfing Manchester United zum Halbfinal-Hinspiel der Champions League, die Partie endete 0:0 - und Ronaldo verschoss in der 3. Minute einen Elfmeter. Das machte nichts: Die Red Devils kamen dank eines 1:0-Rückspielsiegs dennoch weiter.

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Ronaldo war damals das Non­plus­ul­t­ra des europäischen Fußballs und setzte sich 2008 mehrere Kronen auf. Mit ManUnited gewann er die Königsklasse durch einen 6:5-Triumph über den FC Chelsea im Elfmeterschießen. Ebenso sackte der Portugiese die Meisterschaft ein und die Auszeichnung zu Englands Fußballer des Jahres.

Ronaldo wird Weltfußballer

Doch sein persönlich größter Triumph war die Wahl zum Weltfußballer - zum ersten Mal, es sollten vier weitere Titel folgen. Seinerzeit, in jenem 2008, sah alles nach einem Durchmarsch und einer Alleinunterhaltungsshow Ronaldos aus. Was niemand ahnte: es war die Geburtsstunde einer erbitterten Rivalität.

Denn niemand Geringeres als Messi feierte in den kommenden Jahren seine größten Erfolge und ließ nicht selten Ronaldo dabei alt aussehen. Der heute 34-Jährige schien jahrelang unter Messi zu leiden, im ewigen Versuch, sich vom Argentinier freizuschwimmen.

Die Geschichte geht so: Nach der Saison 2007/08, die die Katalanen unter Frank Rijkaard auf Platz drei beendeten sowie mit dem bereits erwähnten Ausscheiden im Champions-League-Halbfinale, musste der niederländische Coach seinen Hut nehmen und den Platz einem ambitionierten Spanier überlassen. Jener Spanier war Pep Guardiola.

Er hatte zuvor diverse Jugendmannschaften von Barca trainiert und sollte nun bei den Profis anpacken. Das gelang - und wie! Barca entwickelte sich zur besten Mannschaft Europas - mit drei Meisterschaften, zwei Pokalsiegen sowie zwei Champions-League-Siegen -, vielleicht sogar zur besten Mannschaft aller Zeiten.

Falsche Neun

Und der Star jener Mannschaft war Messi. Nicht umsonst: Guardiola inszenierte ihn, stellte ihn dar, ließ ihn tanzen und springen, dribbeln und schießen. Er entdeckte Räume für Messi, die niemand zuvor gesehen hatte. So war es besonders der Raum zwischen defensivem Mittelfeld und Abwehrreihe, den Guardiola für den Wirbelwind auserkor. Dort sollte Messi sein Unwesen treiben, denn der Trainer wusste: genau an diesem Platz ist mein Spieler nicht mehr zu verteidigen.

Die falsche Neun war geboren. Und sie bescherte Barca eine goldene Zeit. Bis heute gibt es niemanden, der Messi so einsetzen konnte wie Guardiola. Der 48-Jährige gilt als Schöpfer und Macher von jenem, der Ronaldo überflügeln konnte.

Denn zwischen 2009 und 2012 gingen sämtliche Weltfußballer-Titel an Messi. Ronaldo schaute in die Röhre - und es war ihm anzumerken. 2009, ein Jahr nach seinem Königsklassen-Triumph, musste er den silbernen Henkelpott an Messi abgeben. Barca besiegte ManUnited mit 2:0, das finale Tor erzielte ausgerechnet "La Pulga", per Kopf - ein Schlag ins Gesicht für den überehrgeizigen Ronaldo, der in der Folge viermal vor Messi knien musste.

Doch der Schmerz wurde zunächst gedämpft durch einen fulminanten Wechsel. Es ging nach Madrid zu Real, für die einstige Weltrekordablöse von 94 Millionen Euro. Ronaldo sollte den Königlichen wieder Königliches verleihen. Und das gelang ihm mit insgesamt 450 Toren in 438 Spielen. Dennoch waren die Anfänge für ihn eine Leidenszeit.

Messi vor Ronaldo

Messi stand vor ihm und alle Welt sprach nur vom Argentinier. 2011 schied Real gegen Barca im Champions-League-Halbfinale aus und musste auch die Meisterschaft an die Katalanen abtreten. 2012 gelang zwar der nationale Titel unter José Mourinho, aber in der Königsklasse war einmal mehr Schluss im Halbfinale, diesmal gegen den FC Bayern, ein Jahr später gegen Borussia Dortmund.

Herbe Schläge für Ronaldo, dem es nicht glücken wollte, "La Décima", den zehnten internationalen Real-Titel, nach Madrid zu holen. Ebenso wenig schaffte er es, an Messi vorbeizukommen. Die Rivalität zwischen den beiden Ausnahmekönnern wurde endlos stilisiert und thematisiert, es bildeten sich zwei Lager heraus, die bis heute existieren.

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Wer ist der Bessere? Der von Gott Gesegnete oder der, der sich selbst für Gott hält? Messi und Ronaldo polarisieren wie kaum zwei andere in der Sportgeschichte. Das Stürmen und Drängen, stets der Größte zu sein, wird vor allem Ronaldo zugeschrieben. Aber auch Messi ist unermüdlich, trainiert stundenlang seinen Schuss, wenn alle anderen bereits zu Hause sind.

Messis Vorteil

Messis Vorteil: Sein Körper ist, wie er ist, während Ronaldo alles tun muss, um seine Fitness aufrechtzuerhalten. Die Rede war von Neid, Argwohn und Missgunst zwischen den beiden, besonders vonseiten Ronaldos. Dieser räumte derartige Gerüchte jedoch mehrfach aus: "Das ist so ein Presse-Ding", sagte er einmal bei Fox Argentina. "Die wollen Stories verkaufen, das ist das Geschäft. Das passiert nicht nur im Fußball, auch in der Formel 1, beim Tennis oder in anderen Sportarten."

Er sehe Messi "als Kollegen" und nicht "als Rivalen". Sein Sohn, Christiano Ronaldo Jr., ging da sogar noch einen Schritt weiter. Auf die Frage, wer sein Lieblingsfußballer sei, nannte er Messi, und das nicht nur einmal. Alles am Ende gar nicht so schlimm?

Zurück zur Geschichte: Messi schnappte Ronaldo ab 2009 die Titel weg und stachelte diesen maßlos an. Der Portugiese arbeitete fortan noch härter, wie ein Berserker, um seinen Kontrahenten zu verdrängen. Dass er den Namen Messi kaum hören konnte, war offenkundig - ganz gleich, was er heute sagt.

Was aber ebenso offenkundig ist: die beiden haben eine besondere Beziehung. So wie sie nur Genies haben. Exzentrisch, kaum zu fassen, jenseits des Gewöhnlichen. Da spielt es keine Rolle, ob sie sich wirklich verstehen oder nicht.

Ronaldo reüssiert

Für Ronaldo kam derweil Besserung: Er reüssierte 2013 als Weltfußballer. Im Triple-Jahr der Bayern thronte er wieder ganz oben, an jenem Platz, den er für sich beansprucht wie niemand sonst. Er ließ einen Schrei los und es sollte nicht der letzte sein. 2014 war er wieder dort. Messi konterte mit seinem fünften Titel, ehe Ronaldo wieder zweimal triumphierte. Es steht 5:5.

Doch nicht nur bei den Weltfußballer-Titeln kehrte der 34-Jährige zu alter Stärke zurück. Mit Real Madrid gewann er 2014, 2016, 2017 und 2018 die Champions League. Einen Königsklassen-Titel zu verteidigen war seit Einführung 1992 nicht geglückt. Ronaldo verteidigte ihn mit Real gleich zweimal. Eine Leistung, die widerspiegelt, was der heutige Star von Juventus Turin investiert hat.

Messi hingegen wartet seit 2015 auf einen Triumph auf höchster europäischer Ebene. In der vergangenen Saison scheiterte er denkwürdig im Halbfinale am FC Liverpool - aus 3:0 wurde 3:4. Doch auch Ronaldo musste die Segel streichen. Mit der Alten Dame schied er gegen Ajax Amsterdam aus.

Ein Finale ohne Messi und Ronaldo hatte es zuletzt 2013 gegeben. Damals mit Bayern gegen den BVB. Dass die beiden Stars überall ihre Finger im Spiel haben, dürfte auch dem Letzten klar sein. Ronaldo ist Rekordschütze der Champions League mit 126 Toren in 162 Spielen, Messi folgt mit 112 Toren in 135 Spielen.

Die Rivalität, jene besondere Beziehung zwischen zwei Göttern des Sports, wird auch noch die nächsten Jahre prägen.

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