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München - Patrice Evra wurde unter Sir Alex Ferguson zu einem der besten Linksverteidiger der Welt. Zuletzt sorgte der Franzose aber fast nur noch für Negativ-Schlagzeilen.

Vor wenigen Tagen hat Patrice Evra das Ende seiner Karriere verkündet

Seine Laufbahn kann sich sehen lassen: Vize-Weltmeister und -Europameister, Champions-League-Sieger, fünf Mal englischer Meister, zweimal italienischer Meister. Und vieles mehr.

Die sportlichen Verdienste sind unbestritten: Einer der ganz Großen tritt ab! Auf der anderen Seite steht allerdings auch fest: Evras Glanz alter Tage war vermehrt von Negativ-Schlagzeilen überschattet.

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Mit Hühnchen im Schuh

Im Alter von 21 Jahren kam Evra zu AS Monaco, wo ihm sein Durchbruch als Linksverteidiger gelang. Zwischen 2002 und 2006 absolvierte er 120 Ligaspiele für die Monegassen und gewann 2003 den französischen Ligapokal.

Wie sich erst jetzt herausstellte, war der Franzose mit senegalesischen Wurzeln schon in jungen Jahren ziemlich exzentrisch - um es vorsichtig zu formulieren. In einem Beitrag im Player's Tribune verriet er jetzt, dass er in seiner Zeit bei Monaco vier Monate mit Hühnchen im Schuh gespielt hatte.

Der Grund: In einem U21-Spiel war ihm ein Spieler auf den Fuß gestiegen, fortan konnte Evra kaum laufen. Da jegliche Heilungsversuche fehlschlugen, vertraute er auf den Rat eines Mitarbeiters, Hühnchen in den Schuh zu tun. Vier Monate lang ging er vor jedem Spiel zum Metzger, um sich Hühnchen zu besorgen. "Er fragte mich irgendwann immer: 'Guten Morgen, Patrice. Das Übliche?'", erinnert sich Evra

Ein gebrochenes Versprechen von ManUnited

2006 überwies Manchester United acht Millionen Euro nach Monaco, um sich die Dienste des Franzosen zu sichern. Für damalige Verhältnisse viel Geld für einen Abwehrspieler.

379 Pflichtspiele später hatte sich Evra zu einer Ikone des Klubs entwickelt.

Doch sein Abschied aus Manchester war nicht frei von Störgeräuschen.

Gegenüber Sky Sport spricht Evra von einem "gebrochenen Versprechen". So habe der Linksverteidiger 2014 United-Geschäftsführer Ed Woodward mitgeteilt, dass er Manchester aus familiären Gründen verlassen will. "Er hat meine Hand geschüttelt und gesagt, dass er verstehe", erklärt Evra weiter.

Zwei Monate später zog der Klub dennoch die Option zur Vertragsverlängerung. "Ich habe Ed angerufen und geflucht. Ich habe ihn sogar bedroht", erzählt der Franzose. Den Verein verließ er daraufhin trotzdem.

Es ging nach Turin. Es folgten zwei Scudetti und eine Teilnahme am Champions-League-Finale mit Juventus.

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Rauswurf bei Frankreich unter Laurent Blanc

Auch in der französischen Nationalmannschaft gab es Höhen und Tiefen: Evra kam insgesamt auf 81 Länderspiele für die Équipe Tricolore und war sogar Kapitän.

Doch einen Titel konnte der Weltklasse-Abwehrspieler nicht erringen. Sein größter Erfolg war die Final-Teilnahme bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, als Frankreich im WM-Finale nach Elfmeterschießen Italien 4:6 unterlag.

Negativ hängen blieb jedoch vor allem der Eklat bei der WM 2010 in Südafrika, als die Franzosen sang- und klanglos in der Vorrunde mit null Toren und einem Punkt ausschieden und sich große Teile der Mannschaft gegen Nationalcoach Raymond Domenech verschworen.

Einer der Rädelsführer war damals Evra. Es folgte der Rausschmiss und die Rückkehr 2011 unter Coach Laurent Blanc. 2016 stand Frankreich erneut in einem Endspiel, doch Evra und Co. verloren im EM-Finale gegen den neuen Europameister Portugal knapp mit 0:1 nach Verlängerung.

Einige Monate später trat Evra aus der Équipe Tricolore zurück. Die große Karriere ging allmählich zu Ende, denn 2017 brach Evra auch seine Zelte in Turin ab.

Rückkehr zu Marseille - der Anfang vom Ende

Es folgte die Rückkehr in die Heimat – zu Olympique Marseille. Aber nur neun Monate später wurde sein Vertrag schon wieder aufgelöst.

Der Grund: Der damals 36-Jährige hatte beim Aufwärmen einen OM-Fan getreten. Der Franzose traf den Anhänger am Kopf und wurde noch vor dem Anpfiff des Feldes verwiesen.

Nach drei weiteren Monaten ohne Verein gab ihm West Ham United im Februar 2018 nochmals eine Chance. Dieses Engagement verlief allerdings nur kurz und unauffällig.

Sein im Mai desselben Jahres auslaufender Vertrag wurde nicht verlängert, danach fand Evra keinen Klub mehr.

Mediales Aufsehen auf Instagram

Anstatt auf dem Platz nochmal für sportliche Schlagzeilen zu sorgen, erregte der Franzose meist nur noch mediales Aufsehen neben dem Platz - mit teils witzigen, aber auch skurrilen Instagram-Clips, von denen nicht jeder gut bei seinen Followern ankam.

Im November 2018 postete Evra etwa ein kurzes Insta-Video, in dem sich der Verteidiger sehr anzüglich einem rohen Hühnchen widmete:

Die Reaktionen im Netz waren zwiegespalten, sodass Evra sich dazu veranlasst sah, ein Erklärungsvideo online zu stellen. "Ich habe nur mit dem Hühnchen gekuschelt und es geküsst", erklärte er dabei und fügte an, dass der Clip für Thanksgiving gedacht sei.

Auch ein weiteres Video des 38-Jährigen sorgte für Aufsehen. Als ManUnited im Frühjahr 2019 Paris Saint-Germain aus der Champions League warf, meldete sich der frühere Red Devil zu Wort - mit teils wüsten Beleidigungen gegenüber PSG.

Zweite Karriere als Trainer?

Mittlerweile hat Evra offiziell seine Karriere beendet und arbeitet derzeit an seiner B-Lizenz als Trainer, die A-Lizenz will er direkt anschließen: "In anderthalb Jahren möchte ich die Qualifikation haben, um ein Team zu trainieren", sagte er im Interview mit der Gazzetta dello Sport.

Auch eine Rückkehr zu United scheint möglich. Die Wogen zwischen dem ehemaligen Spieler und Klub sind wohl wieder geglättet.

Seine Skandale als Spieler werden einen Einstieg in die Trainerkarriere aber nicht gerade erleichtern.

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