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Der FC Famalicao thront an der Tabellenspitze in Portugal
Der FC Famalicao thront nicht zuletzt dank Jorge Mendes an der Tabellenspitze in Portugal © SPORT1-Montage:Veith Nurtsch/Getty Images/iStock
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München - Der FC Famalicao thront an der Tabellenspitze der portugiesischen Liga. Hinter dem Erfolg verbirgt sich ein komplexes Modell, die Stricke zieht ein berühmter Berater.

Nicht der FC Porto, nicht Benfica Lissabon und schon gar nicht Stadtrivale Sporting. An der Tabellenspitze der portugiesischen Liga thront nach sieben Spieltagen der bisher ungeschlagene FC Famalicao.

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Fama…was? Nicht einmal Fußball-Experten dürfte bei dem Klub aus der 130.000-Einwohner-Stadt 30 Kilometer nordöstlich von Porto ein Licht aufgehen. Zuletzt spielte Famalicao vor 25 Jahren in der ersten Liga, als Vizemeister gelang im Frühjahr der Sprung in die Primeira Liga.

Es folgte ein gigantischer Umbruch, 20 Neuzugängen stehen gleich 27 Abgänge gegenüber. Neben Toptorjäger Fabrício Simoes (15 Tore) musste auch Aufstiegstrainer Carlos Pinto gehen, es übernahm der bisherige Co-Trainer des FC Everton, Joao Pedro Sousa.

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Neun Leihspieler bei Famalicao

Dennoch wurden keine teuren Stars für das Abenteuer 1. Liga geholt, nicht einen Cent zahlte Famalicao an Ablösen. Kein einziger A-Nationalspieler steht im Kader von "Fama", bekanntester Spieler ist der 21-jährige Uros Racic.

Der Serbe ist bis Saisonende vom FC Valencia ausgeliehen - und einer von insgesamt neun Leihprofis, die im Sommer bei Famalicao anheuerten.

Hier kommt der Name Jorge Mendes ins Spiel: Der 53-Jährige ist Berater von Topstars wie Cristiano Ronaldo (Juventus Turin), James Rodriguez (Real Madrid), Bernardo Silva (Manchester City) oder José Mourinho und ein enger Freund von Idan Ofer.

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Mendes bestimmt die Personalpolitik

Der Israeli gehört mit einem Vermögen von mehr als fünf Milliarden US-Dollar zu den reichsten Personen seines Heimatlandes, ist Miteigentümer von Atlético Madrid - und seit vergangener Saison auch von Famalicao. Anfang September erhöhte er seine Anteile am Klub von 51 auf 85 Prozent, das Sagen hat aber faktisch Mendes. (SERVICE: Spielplan der portugiesischen Liga)

Neuer Geschäftsführer des Klubs ist beispielsweise Miguel Ribeiro, der von Ligakonkurrent Rio Ave kam, zu dem Mendes ebenfalls beste Kontakte pflegt.

Drei Neuzugänge des Tabellenführers berät Mendes persönlich, weitere drei kamen leihweise vom zweiten Ofer-Klub Atlético. Auch vom FC Valencia, dessen Besitzer Peter Lim ein guter Freund von Mendes ist, sowie von den Wolverhampton Wanderers schlossen sich je zwei Spieler "Fama" auf Leihbasis an. Bei den "Wolves" werden gleich fünf Spieler plus Trainer Nuno Espírito Santo von Mendes' Agentur Gestifute beraten, die Wege zwischen den Verantwortlichen der Klubs sind dementsprechend kurz.

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"Fama"-Märchen droht schnelles Ende

Sechs Siege und ein Remis holte der Aufsteiger in den ersten sieben Spielen, in der vergangenen Woche wurde Topklub Sporting Lissabon auswärts mit 2:1 geschlagen. Famalicao beeindruckt vor allem mit einer attraktiven Spielweise und bereits 16 geschossenen Toren. Nach dem 3:1 gegen Belenenses am Samstag, dem vierten Sieg in Folge, titelte die portugiesische Zeitung Record schlicht: "Fama-Show". (SERVICE: Tabelle der portugiesischen Liga)

Zuletzt wurde 2002 weder Sporting noch Benfica noch Porto Meister. Geschäftsführer Ribeiro kündigte vollmundig bereits ein "neues Zeitalter im portugiesischen Fußball" an.

Dieses Zeitalter dürfte allerdings eine kurze Halbwertszeit haben - und womöglich schon im kommenden Jahr ein abruptes Ende finden. Dann laufen nämlich die Verträge der Leihprofis aus, die bisherigen No-Names dürften als Shooting Stars zu ihren Heimatklubs zurückkehren und Famalicao vor ein großes Problem stellen.

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Macht es Famalicao wie Leicester?

Das System erinnert an die Konzepte von Red Bull oder der City Football Group: Beim Brausegiganten dient der FC Liefering als Farmteam für Red Bull Salzburg und dieser wiederum für RB Leipzig. Bei City wird das System mit New York City FC (USA), dem FC Girona (Spanien) und Manchester City mehr oder weniger kopiert. Der Weg von Famalicao über Wolverhampton zu den absoluten Topteams Europas könnte ähnlich verlaufen, die Karriereleiter scheint vorgeschrieben.

Zumal Eigentümer Ofer den Klub auch selbst als Experimentierfeld bezeichnet. "Wir können hier neue Technologien wie etwa künstliche Intelligenz testen. Dinge, die wir nicht unbedingt mit Atlético Madrid machen können", sagte er zuletzt Record.

Daran denken die Fans im nur gut 5.000 Zuschauer fassenden Estádio Municipal de Famalicao nicht. Dort drehen sich die Gespräche eher um einen Ligakonkurrenten von Wolverhampton: Leicester City, seinerseits englischer Sensations-Meister von 2016 - und Vorreiter für den FC Famalicao?

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