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Samir Nasri steht (noch) beim RSC Anderlecht unter Vertrag
Samir Nasri steht (noch) beim RSC Anderlecht unter Vertrag © Imago
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München - Samir Nasri galt zwischenzeitlich als bester Fußballspieler Frankreichs. Seine Karriere scheint sich von einem kuriosen Doping-Skandal aber nicht mehr zu erholen.

Er war Meisterspieler mit Manchester City, Nationalstürmer für Frankreich, auf dem Höhepunkt seiner Karriere im Jahr 2010 sogar Fußballer des Jahres in seiner Heimat.

Zu seinen besten Zeiten beim FC Arsenal und danach bei ManCity war Samir Nasri ein Ausnahmespieler, ein brillanter Dribbler und Wirbler. Er wurde verglichen mit keinem Geringeren als Zinédine Zidane.

Ein Doping-Skandal mit kuriosem Verlauf brachte Nasri dann aber vor zwei Jahren eine 18 Monate lange Sperre ein - von der sich seine schon vorher trudelnde Karriere bis heute nicht erholt hat.

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Seit seiner Rückkehr auf den Platz Anfang 2019 hat der einstige Weltstar nur 15 Pflichtspiele bestritten. Nach einem missglückten Intermezzo bei West Ham United in der Premier League ist der Ex-Nationalspieler inzwischen in Belgien beim RSC Anderlecht gelandet, fernab der großen Fußballbühne. Und auch dort scheint er jetzt auf dem Abstellgleis zu stehen.

Was war passiert?

Doping-Skandal bringt Nasri in Bedrängnis

Nasri – damals von Manchester City an den FC Sevilla verliehen – halste sich Ende 2016 unfreiwillig eine Ermittlung der spanischen Anti-Doping-Behörde AEPSAD auf.

Bei einem Trip nach Los Angeles hatte sich Nasri in der dort ansässigen Privatklinik "Drip Doctors" einer Injektions-Therapie unterzogen – die von dieser stolz mit einem Twitter-Foto dokumentiert und beworben wurde.

Der Besuch erregte zusätzliche Aufmerksamkeit, weil danach weitere Tweets von Nasri abgesetzt wurden, die nahelegten, dass er in der Klinik auch sexuelle Dienstleistungen in Anspruch genommen hätte.

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Opfer eines Online-Hacks?

Allem Anschein nach handelte es sich um einen Online-Hack einer Nasri nicht wohlgesonnenen Person. Der Wirbel trug womöglich dazu bei, dass die Dopingjäger sich die Angelegenheit näher anschauten – und die Sache nicht gut für Nasri ausging.

Damaligen Berichten zufolge hatten die "Drip Doctors" auf ihrer eigenen Website vermerkt, dass ihre Therapie eine 1-Liter-Injektion beinhaltete, "um Superbakterien und Viren zu bekämpfen".

Das Probleme: Im Code der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA sind nur Injektionen von 50 Millilitern erlaubt, alles andere wird als illegale Leistungssteigerung gewertet. Diesen Grenzwert überschritten Nasris Docs mal eben also um das Zwanzigfache.

Nasri wehrt sich: "War eine Vitaminbehandlung"

Nasri stellt sich allerdings noch heute als Opfer dar: "Es war eine Vitaminbehandlung, die legal war, ich hatte ein Rezept. Aber die Klinik hat mir mehr gespritzt, als ich erwartet hatte", erklärte er in einem frisch veröffentlichten Instagram-Interview, aus dem die Agentur Reuters zitier

Plumpe Ausrede oder reale Naivität? Klar ist nur: Das Vergehen war so offensichtlich, dass an Nasri ein Exempel statuiert wurde. Er wurde im Februar 2018 zunächst für sechs Monate gesperrt, die Verbannung später noch auf 18 Monate ausgedehnt.

"Ich war zerstört", blickt der 32-Jährige zurück. Er hätte nicht mehr spielen wollen, "der Fußball war vorbei für mich".

Nasri entschloss sich letztlich aber, die Gedanken an ein Karriereende zu verwerfen: Er wechselte Anfang 2019 nach Ablauf seiner Sperre zu West Ham United zurück in die Premier League, wo er aber kaum spielte und am Saisonende aussortiert wurde.

Der Franzose war nur noch ein Schatten des Leistungsträgers von einst, der mit ManCity zweimal englischer Meister geworden war.

Nasri seit Sommer bei Anderlecht

Im Sommer zog es Nasri dann zum RSC Anderlecht nach Belgien. Dort bestritt er jedoch nur sieben Ligaspiele, im laufenden Jahr absolvierte er wegen Verletzung und Corona noch keine einzige Partie.

Zuletzt gab es zudem Berichte, dass Nasri sich vom Klub abgesondert hätte und ihm auch nicht mehr seine Trainingsverläufe zukommen ließ. Die Zeichen stehen auf Trennung. Es wäre ein neuer Tiefpunkt.

Nasris letztes gutes Karriere-Halbjahr hatte er vor dem Skandal in Sevilla, wo er – nachdem Pep Guardiola in Manchester keine Verwendung mehr für ihn hatte – unter Jorge Sampaoli noch Stammspieler war und in der Champions League mitmischte.

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Auf diese Zeit blickt der Franzose sehnsüchtig zurück, nicht nur aus sportlichen Gründen.

Nasri, der auch zu besseren Zeiten immer für private Schlagzeilen gut war, erinnert sich auch gern daran, dass Sampaoli ihn an der langen Leine ließ: "Er hat gesagt: 'Du kannst trinken und in Nachtclubs gehen, so viel wie du willst – so lange du gut spielst, halte ich dir den Rücken frei.'"

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