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Brian Lenihan beendete seine Karriere mit nur 23 Jahren
Brian Lenihan beendete seine Karriere mit nur 23 Jahren © Imago
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München - Brian Lenihan, früherer Teamkollege von ManUnited-Kapitän Harry Maguire, enthüllt, dass seinem frühen Karriere-Ende ein Suizidversuch vorausgegangen war.

Er war Teamkollege des heutigen Mannschaftskapitäns von Manchester United, auf dem Weg zu einer Karriere im Nationalteam - ehe er einen überraschenden Entschluss verkündete.

Mit nur 23 Jahren erklärte Brian Lenihan am 18. April 2018 seine Karriere im Fußball für beendet. Knieprobleme, die ihn drei Jahre lang beeinträchtigt hatten, wären zu einer zu großen Belastung geworden.

Ein unglücklicher Abschluss für den früheren irischen U21-Nationalspieler, der bei Hull City in der Premier League vergeblich um seinen Durchbruch gekämpft hatte. Das war die Geschichte, wie Lenihan sie damals darstellte, für diejenigen, die davon Notiz nahmen.

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Die wahre Story hat Lenihan jetzt enthüllt: Sie ist wesentlich dramatischer - und hätte fast nicht nur seiner Karriere, sondern auch seinem Leben ein Ende gesetzt.

Brian Lenihan verpasste Durchbruch in der Premier League

In einem Interview mit dem US-Sportportal The Athletic offenbart Lenihan, dass er kurz vor seinem Karriere-Aus einen Suizidversuch unternommen hatte. Er leidet an Depressionen, die sich durch seine sportlich schwere Zeit in Hull verschlimmert hätten.

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Nachdem er zuvor beim Cork City FC in der Heimat Stammakteur war, war er 2014 zu dem Premier-League-Klub gewechselt, wo er unter anderem auf den jetzigen United-Spielführer Harry Maguire, Hatem Ben Arfa und Landsmann Shane Long traf.

Durchsetzen konnte Lenihan sich nicht, bestritt in drei Jahren nur zwei Pflichtspiele, es war vor allem die langwierige Verletzungsgeschichte, die ihm jede Chance nahm, den Anschluss zu finden.

Vor der Saison 2017/18 wurde ihm mitgeteilt, dass er sich einen neuen Klub suchen könne, suchen solle. Die Klubverantwortlichen ahnten nicht, was sie damit im Kopf des frustrierten Lenihan anrichteten.

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Anmerkung der Redaktion: Wenn Sie sich selbst von Depressionen und Suizidgedanken betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in zahlreichen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

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Passant rettete dem Ex-Talent das Leben

Die "Bedrohung von innen", wie Lenihan seine Depressionen nennt, hätten ihn schon damals zu Suizidgedanken bewogen. Auf der Fahrt zu zwei unterklassigen Klubs, bei denen er vorspielen sollte, habe er daran gedacht, einen für ihn tödlichen Unfall zu bauen.

An einem Dezembertag 2017 war er an einem Punkt, an dem er seine Gedanken in die Tat umsetzen wollte: "Ich bin in die katholische Kirche von Cottingham gegangen, habe ein Gebet gesprochen, dann habe ich mich in mein Auto gesetzt und Tabletten geschluckt. Ich habe eine Flasche Wein hinterher getrunken und gewartet, dass es passiert."

Ein Passant, dem Lenihans Zustand auffiel, verhinderte, dass seine Geschichte so endete wie die von Robert Enke, Andreas Biermann und anderen: Er rief einen Krankenwagen, der Lenihan ins Hospital brachte, wo sein Leben gerettet werden konnte.

Es folgte ein zwölfwöchiger Aufenthalt in einer Reha-Klinik in Manchester - wo Lenihan auch von Besuchen seines Idols aufgeheitert wurde: Irland- und United-Legende Roy Keane, der als früherer Co-Trainer der Nationalmannschaft in die Situation eingeweiht war.

Irland-Idol Roy Keane besuchte Brian Lenihan in der Klinik
Irland-Idol Roy Keane besuchte Brian Lenihan in der Klinik © Imago

Depression und Fußball? Lenihan musste raus

Lenihan wurde aus dem Loch herausgeholt, in das er sich manövriert hatte - kam aber zum Schluss, dass er raus musste aus dem Fußball-Geschäft.

"Ich konnte nicht zurück", meint er: "Hull hat mir eine Vertragsverlängerung angeboten, aber ich habe abgelehnt. Ich konnte in dieser Umgebung nicht mehr überleben. Nicht, dass es an sich ein schlimmer Ort wäre, das nicht. Aber es ist Fressen und gefressen werden, nur die Ergebnisse zählen." Er habe sich nicht mehr in der Lage gesehen, diese Anforderungen zu erfüllen.

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Aktuell ist er auf der Suche nach einem "normalen" Job, zuletzt hatte er der Familie Priorität eingeräumt: Vor zwei Jahren hat er sich verlobt, im vergangenen Jahr wurde er Vater eines nun 21 Monate alten Jungen.

"Es kann jeden treffen"

Mit der Bedrohung von innen hat Lenihan noch immer zu kämpfen, er ist weiter in Behandlung. Spezialisten hegen den Verdacht, dass er an Schizophrenie leidet. Dreimal pro Woche besucht Lenihan eine Gruppentherapie, der immer wiederkehrende Rat zum Umgang mit seinen Suizidgedanken: "Es ist nur ein Gedanke. Du tust es nicht, du denkst nur daran."

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Der Rat, den Lenihan anderen Menschen geben kann, die in derselben Situation sind? Reden.

"Wenn ich in der Zeit zurückreisen könnte, hätte ich den Menschen um mich herum gesagt, was mit mir passiert", meint er nun - wobei es leichter gesagt als getan wäre: "Dein Kopf sagt 'Du musst dich töten', da ist es schwer, sich umzudrehen und stattdessen um Hilfe zu bitten." Lenihan warnt auch vor der Scheu, einen Arzt zu konsultieren. Sich einem Spezialisten zu offenbaren, sei ihm leichter gefallen als seinem engsten Umfeld.

Mehr gesellschaftliches Bewusstsein für das Thema psychische Gesundheit sei zwingend, im Fußball und anderswo: "Es ist egal, wie begabt du bist, wie erfolgreich, wie viel Geld du auf der Bank hast. Es kann jeden treffen. Leute wischen es weg, aber sie wissen nicht, was passieren kann, bevor es sie nicht selber trifft."

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