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Dominik Szoboszlai avancierte für Ungarn zum Helden
Dominik Szoboszlai avancierte für Ungarn zum Helden © Getty Images
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Dominik Szoboszlai schießt die ungarische Nationalmannschaft zur Europameisterschaft. In seiner Heimat hoffen viele darauf, dass er das Erbe von Ferenc Puskás antritt.

Als die zweite Minute der Nachspielzeit angebrochen war, nahm Dominik Szoboszlai den Ball kurz vor der Mittellinie mit und machte sich auf den Weg in Richtung des isländischen Tores.

Schnelle Schritte, ein kleiner Haken und schon stand der ungarische Nationalspieler gut 20 Meter vor dem Tor. Der Spieler mit der Nummer zehn fackelte nicht lange und zog mit seinem starken rechten Fuß ab - der Ball prallte zunächst an den Innenpfosten und von dort ins Netz.

2:1 für Ungarn. Das Ticket für die EM im nächsten Jahr war gelöst - und zwar für eine höchst attraktive Gruppe mit Deutschland, Frankreich und Portugal. 

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"Ich habe mich in letzter Sekunde entschieden und das Bein durchgezogen, ich habe geschossen und es hat funktioniert", sagte Szoboszlai wenige Minuten nach dem Treffer beim Interview. "Nach dem Tor fiel mir ein, wie viel ich durchgemacht habe, seit ich angefangen habe, Fußball zu spielen, ich wusste gar nicht, was ich tun sollte." 

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Szoboszlai und sein rechter Fuß sorgen für Euphorie

Begonnen hat die Geschichte des neuen Helden der Ungarn in der Hauptstadt Budapest. Beim FC Videoton aus Fehervar - rund 60 Kilometer außerhalb der Millionenstadt Budapest - machte Szoboszlai seine ersten Schritte mit einem Fußball. 

Mit 16 Jahren wechselte der Ungar dann nach Österreich in die Akademie von RB Salzburg. Scouts hatten ihn bei einem Junioren-Länderspiel entdeckt und trotz des großen Schritts, den das Verlassen der Heimat im Teenageralter darstellt, hielt er bei den Roten Bullen, was die Verantwortlichen sich von ihm versprochen hatten. Beziehungsweise übertraf er wohl eher alle Erwartungen. Vor allem eins machte alle seiner Jugendtrainer euphorisch: sein rechter Fuß. 

Denn mit diesem ist er in der Lage regelrechte Zauber-Dinge zu fabrizieren. Seine spektakuläre Schusstechnik mit eben diesem Fuß macht ihn zu einem der verheißungsvollsten Talente der Welt. Seine Schüsse fliegen mit enormen Tempo auf die Torhüter zu - und zu deren Unmut machen sie oft einen hohen Bogen durch die Luft und flattern auf dem Weg auch noch ein wenig.

Eine ganze Reihe von spektakulären Toren hat der Mittelfeldspieler auf diese Weise schon erzielt. So auch am ersten Spieltag der Gruppenphase dieser Champions-League-Saison beim 2:2 gegen Lokomotive Moskau. 

"Technisch bin ich, glaube ich, nicht so schlecht", sagte der 20-Jährige jüngst dem Kicker. Ein Satz, der zum einen eine absolute Untertreibung darstellt. Außerdem ähnelt er den Sätzen, die ein guter Freund von ihm oft bei seinen Interviews - bei denen er mit wenigen Worten auskommt - zum Besten gibt: Erling Haaland. 

Der nächste Schritt: Madrid oder Leipzig?

Haaland harmonierte mit Szoboszlai in Salzburg prächtig und als der Norweger im Januar den Weg nach Dortmund einschlug, da war eigentlich schon klar, dass sein Kumpel auch bald in die große Welt des Fußballs stürmen würde. 

Da Salzburg in der Gruppenphase der Champions League mit zwei Punkten aus drei Spielen vor dem Aus steht, könnte das - wie bei Haaland - schon im Winter der Fall sein. (Service: TABELLEN der Champions League

Den nächsten Schritt könnte Szoboszlai bei Salzburgs Schwesterklub in Leipzig machen. Doch auch Real Madrid soll interessiert sein.

In der spanischen Hauptstadt könnte der Ungar die Nachfolge von Isco antreten, der eine Freigabe für einen Wechsel erhalten könnte. Die As berichtet, dass Szoboszlai bei Reals Scouting-Chef Juni Calafat ganz oben auf der Liste stehen soll. 

Bei RB Leipzig haben sie allerdings wenig Lust, dass ihnen nach Haaland noch ein weiteres Top-Talent von RB Salzburg durch die Lappen geht. 

Das Erbe von Puskás? 

Für Szoboszlai dürfte Real Madrid allerdings besonders reizvoll sein, denn dort könnte er in die Fußstapfen von Ungarns Nationalhelden Ferenc Puskás treten. 

Der ehemalige Weltklasse-Stürmer ging von 1958 bis 1966 für die Königlichen auf Torejagd. Zu seiner aktiven Zeit gehörten die Ungarn zu einer Fußball-Weltmacht. Nur das Wunder von Bern hielt die Nation im Jahr 1954 von dem Gewinn einer Weltmeisterschaft ab, Deutschland entriss Puskás und Co. den Titel in letzter Sekunde. 

Ferenc Puskas in einem Länderspiel gegen Deutschland
Ferenc Puskas in einem Länderspiel gegen Deutschland © Imago

In Ungarn glauben nach der dramatischen Qualifikation für die Europameisterschaft viele, dass wieder bessere Zeiten für ihre Nationalmannschaft kommen könnten, die sich seit 1976 nur einmal für eine Europameisterschaft qualifizieren konnten (2016) und seit 1986 nicht mehr an einer Weltmeisterschaft teilnahmen. 

Zwar ist das Team nicht gerade von Stars gespickt - wie es in Zeiten des legendären Puskás der Fall war - allerdings hat das Team mit Péter Gulácsi einen Weltklasse-Torwart, mit Willi Orban einen Innenverteidiger von internationalem Format und mit Szoboszlai einen Shootingstar, auf dem schon jetzt alle Hoffnungen und Träume der fußballbegeisterten Ungarn ruhen. 

Puskás verstarb im Jahr 2006 in Budapest. Szoboszlai war damals sechs Jahre alt und hatte gerade beim FC Videoton zum ersten Mal gegen einen Ball getreten. 

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