vergrößernverkleinern
© SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/Imago/iStock
Lesedauer: 4 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - Real Madrid dominiert den europäischen Fußball - nicht nur sportlich. Präsident Florentino Perez hat einen großen Anteil an dem wirtschaftlichen Erfolg.

Es gab Zeiten, da war Fußball für Florentino Perez mehr ein Hobby als ein Projekt.

Als Junge ging er mit seinem Vater Eduardo regelmäßig zu Spielen von Real Madrid, sah und jubelte seinen Helden im Estadio Santiago Bernabeu zu.

Das war in den späten Fünfzigern, als unter anderem Alfredo Di Stefano, Ferenc Puskas und Paco Gento für die Königlichen aufliefen - und Real zu einem Mythos machten. 

Anzeige

Fünf Mal in Folge gewann das "Weiße Ballett" damals den Europapokal der Landesmeister. Ein bis heute einmaliges Kunststück, das die FIFA am 11. Dezember 2000 mit der Auszeichnung zum besten Klub des 20. Jahrhunderts würdigte.

Perez mit großen Ansagen

Neben dem zum Ehrenpräsidenten aufgestiegenen Ex-Stürmer Di Stefano nahm ein Mann in schwarzem Anzug, blauer Krawatte und großer Brille den Preis entgegen.

Es war Florentino Perez - nicht mehr nur glühender Fan, sondern mittlerweile auch Präsident des spanischen Rekordmeisters. Ein angesehener, mächtiger Geschäftsmann mit einem gewaltigen Portemonnaie und Einfluss auf die spanische Politik. Und mit großen Plänen.

"Jetzt werden wir alles dafür tun, um auch der beste Klub des 21. Jahrhunderts zu werden", frohlockte Perez. Die Fußballwelt erkannte schnell, dass es der Leiter des größten spanischen Baukonzerns ACS mit diesen Worten ziemlich ernst meinte.

Geburt der "Galacticos"

Perez holte zunächst Luis Figo, den Kapitän des Erzrivalen FC Barcelona, für die damalige Rekordablöse von 58 Millionen Euro. Der Aufschrei in Europa war ob Reals Schuldenbergs von über 270 Millionen Euro riesig. 

Doch Perez toppte den Figo-Deal nur ein Jahr später, indem er Weltfußballer Zinedine Zidane von Juventus Turin für satte 78 Millionen Euro verpflichtete.

Perez vertrat die Ansicht, dass die begabtesten Kicker der Welt für Real spielen müssten, so wie in seiner Jugend die Ausnahmespieler um Di Stefano. Die finanzielle Lage des Klubs war vorerst zweitrangig.

So folgten Ronaldo, der brasilianische Weltmeister von 2002, dann der englische "Popstar" David Beckham, später noch Michael Owen und Robinho. Die "Galacticos" waren geboren. 

Perez glänzt mit Weitblick

Auch zu Beginn seiner zweiten Amtszeit im Sommer 2009 machte Perez den "Madridistas" besondere Geschenke. In Cristiano Ronaldo, Kaka, Karim Benzema und Xabi Alonso fand eine neue Generation von "Galacticos" den Weg ins Bernabeu.

Kostenpunkt: 250 Millionen Euro. Was für die meisten Klub-Bosse schlichtweg verrückt erscheint, ist für Perez ein klares Muster. Er bezeichnet seine Mega-Transfers immer wieder als "günstig". 

Das bezieht er nicht unbedingt auf den Gegenwert des sportlichen Erfolges, denn dieser hielt sich vor allem nach dem Champions-League-Sieg 2002 lange in Grenzen.

In Bezug auf Transfers spricht Perez stets aus Sicht eines Marketing-Experten. Durch sein Stars hat Real die Märkte von Asien bis Amerika nachhaltig erobert.

Real und Perez Vorreiter im Marketing

Gemeinsam mit Manchester United waren die Madrilenen der Vorreiter für Marketing im Ausland. 

Schon zu Beginn des Jahrtausends schickte Perez sein Starensemble auf Werbereisen durch China, Amerika und Australien. Sein wichtigster Ansprechpartner im Hintergrund, Jose Angel Sanchez, pochte zudem auf die Einführung eines eigenen TV-Senders in spanischer und englischer Sprache.

Die logische Folge: Real ist nach United heute die stärkste Marke mit den höchsten Einnahmen im Weltfußball.

Lag der Umsatz der Königlichen im Jahr 2000, dem ersten der Ära Perez, noch bei 118 Millionen Euro, generierten sie im Geschäftszeitraum 2015/16 das Sechsfache.

Von solchen Zahlen sind deutsche Klubs wie der FC Bayern München oder Borussia Dortmund, die vergleichsweise spät expandierten, noch weit entfernt.

Geld aus umstrittenem Verkauf

Allerdings haben zumindest die Bayern im Vergleich zu Real nie über ihren eigenen Verhältnissen gewirtschaftet.

Doch Perez hat sein Versprechen bei den Präsidentschaftswahlen 2000, der ruinösen Finanzpolitik seiner zwielichtigen Vorgänger Ramon Mendoza (1984-1995) und Lorenzo Sanz (1995-2000) ein Ende zu setzen, zumindest auf lange Sicht eingelöst.

Dank seiner Marketing-Strategie, aber auch dank des umstrittenen Verkaufs des Trainingsgeländes für 480 Millionen Euro an die Stadtverwaltung Madrids im Jahr 2005 baute Real seinen enormen Schuldenberg schrittweise ab.

Seit dem 7. Oktober 2016 ist der Klub sogar frei von Nettoschulden. Und die Einnahmen steigen kontinuierlich - auch weil ein junger Real-Fan einst Alfredo Di Stefano zugejubelt hatte.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image