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München - Als der deutsche Keeper einst in Madrid anheuerte, steckten die Königlichen in existenziellen Schwierigkeiten. Bei SPORT1 erzählt Illgner kuriose Anekdoten.

Als die Ausbootung von Francisco Buyo feststand, stieg der 1,79 Meter-Mann vor den Journalisten auf einen Holzstuhl und rief ihnen zu: "Da habt ihr euren großen Torwart."

Für den damaligen Stammkeeper von Real Madrid hatte der Witz einen bitteren Hintergrund: Kurz vor Ablauf der Transferfrist hatten die Königlichen am 31. August 1996 den 1,91 Meter langen Bodo Illgner verpflichtet – weil Trainer Fabio Capello unbedingt "einen großen Torwart" wollte.

Der deutsche Ex-Nationaltorhüter fühlte sich wie im Himmel: Gerade eben hatte er den 1. FC Köln mit seinen Paraden noch vor dem Abstieg gerettet - jetzt stand er beim Weltverein Real unter Vertrag – dank einer Ausstiegsklausel von damals vier Millionen Mark (rund zwei Millionen Euro).

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Doch schon beim ersten Besuch bekam er erste Zweifel. "Wir haben in irgendeinem Zimmer im Bernabeu-Stadion gesessen, und ich war zuerst richtig enttäuscht. Der Raum war schmucklos und trist. Weiße Wände, alte Stühle - sollte das etwa der Glamour sein, für den Real bekannt ist?", erinnert sich Illgner.

Auch die Lage der Königlichen war eine prekäre: "Der Verein befand sich 1996 in einer schwierigen Phase. Die abgelaufene Saison hatte man nur als Sechster beendet – für Real ein gefühlter Abstieg. Das Stadion war noch nicht renoviert, und Geld wie heute unter Präsident Florentino Perez war auch noch nicht im Übermaß vorhanden."

Real in dramatischer Lage

Eher das Gegenteil war der Fall: Unter dem zwielichtigen Immobilienspekulanten Lorenzo Sanz an der Vereinsspitze wuchsen die Schulden ins Unermessliche, am Ende seiner Amtszeit im Sommer 2000 waren es fast 280 Millionen Euro.

Doch laut Illgner rettete nicht erst der Champions-League-Sieg 2000 die Königlichen vor dem Bankrott, noch wichtiger sei der Triumph zwei Jahre zuvor gewesen. "Nach meiner Erinnerung war die Lage vor dem Finale 1998 deutlich angespannter. Der Sieg damals war für Real noch existenzieller als 2000", sagte Illgner SPORT1.

Der Weltklub hatte zu dieser Zeit unter Sanz so große finanzielle Schwierigkeiten, dass Topstars wie Predrag Mijativoc, Davor Suker oder Clarence Seedorf teilweise wochenlang auf ihr Gehalt warten mussten. So ging es auch Illgner.

Illgner mit Plastiktüten vor dem Real-Tresor

"Mein erstes Gehalt für die ersten zwei Monate habe ich in der Tat in Plastiktüten direkt aus dem Tresor erhalten", sagte der Weltmeister von 1990 SPORT1.

Und das auch erst, nachdem seine Frau und Managerin Bianca auf der Real-Geschäftsstelle Alarm geschlagen hatte.

"Ich habe gesagt: Ich gehe hier nicht eher weg, bis mein Mann das ihm zustehende Geld bekommt!", erzählte sie der Bild. "Wenig später stand Bodo vor dem Vereinssafe und die Verantwortlichen stopften ihm zwei komplette Monatsgehälter, damals noch Peseten, in Plastiktüten. Erst danach habe ich erfahren, dass zu dieser Zeit noch kein Spieler sein Geld bekommen hatte, da der Verein in finanziellen Schwierigkeiten war."

Umso wichtiger für Reals Überleben war damals das Endspiel in Amsterdam gegen das vorher klar favorisierte Team von Juventus Turin. "Wir hatten keinen Respekt", sagte Mijatovic kürzlich der Süddeutschen Zeitung: "Wir hatten Angst."

Doch sein Siegtreffer gegen die Elf um Juve-Superstar Zinedine Zidane änderte alles. "Wir waren damals nicht nur schlecht, wir waren richtig schlecht", erinnerte sich Mijatovic an die Saison. "Und dann verwandelten wir uns in der Champions League in Tiere."

Was dazu führte, dass Illgner und seine Kollegen ihr Geld nicht mehr in Plastiktüten bekamen.

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