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München - Zidane bläst mit Real Madrid zum Großangriff auf den internationalen Transfermarkt. Die Folgen könnten ein bis dahin nie dagewesener Domino-Effekt sein.

"Warum nicht beide?"

Als Florentino Perez bei der Vorstellung von Trainer-Rückkehrer Zinedine Zidane zu Real Madrid gefragt wurde, ober er lieber Neymar oder Kylian Mbappe verpflichten möchte, konterte Reals Präsident selbstbewusst.

Diese drei Worte verdeutlichen das wiedererstarkte Selbstvertrauen der Königlichen seit der Rückkehr von "Zizou" in die spanische Hauptstadt. Sie bedeuten aber noch viel mehr: Sie sind eine versteckte Drohung an die Konkurrenz. Die Königlichen wollen den Transfermarkt in der kommenden Saison so richtig aufmischen.

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Zidane soll sich als Bedingung für sein Real-Comeback von Perez zugesichert haben, auf große Shoppingtour gehen zu dürfen. Die L’Equipe bringt dabei die Zahl von 500 Millionen Euro ins Spiel – soviel soll der Weltmeister von 1998 zur Verfügung haben, um die Königlichen wieder dorthin zu bringen, wo sie dem eigenen Selbstverständnis nach hingehören: An die unmittelbare Weltspitze.

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Hazard, Mbappe und Pogba werden gehandelt

Logisch, dass seit Zidanes Rückkehr unzählige Namen als mögliche Verstärkungen kursieren. Während Neymar nicht ganz oben auf der Prioritätenliste des Franzosen stehen soll, tut das sein Teamkollege von Paris Saint-Germain Berichten zufolge sehr wohl. Die Königlichen wiesen zwar jüngste Berichte über ein 280-Millionen-Angebot für Mbappe zurück, dennoch gilt Zidane als Riesen-Fan seines Landsmannes. "Ich würde es lieben, ihn zu coachen", erklärte er jüngst.

Auch der Name Eden Hazard kursiert seit Jahren als möglicher Real-Transfer, der Belgier gibt einem Wechsel regelmäßig neue Nahrung, indem er wahlweise vom Klub oder von Zidane schwärmt. Doch die Transfersperre von Hazards Klub Chelsea lässt einen Verkauf des Belgiers in diesem Sommer unwahrscheinlich erscheinen, auch wenn er nur noch ein Jahr Vertrag hat.

Der dritte im Bunde möglicher Blockbuster-Transfers ist Paul Pogba. Der Franzose blüht zwar bei Manchester United seit dem Wechsel von Jose Mourinho zu Ole Gunnar Solskjaer regelrecht auf, dennoch soll er einen Wechsel zu den Königlichen anstreben, bezeichnete die Spanier bereits als "Traumverein".

Real setzt auf Zidane-Effekt

An den Beispielen Pogba und Hazard wird deutlich, welche Philosophie Real bei seiner Großoffensive auf die internationalen Superstars verfolgt. Neben den finanziellen Argumenten soll vor allem der Name Zidane als Zugpferd dienen, um internationale Stars nach Madrid zu locken.

Weitere Namen auf dem königlichen Wunschzettel sollen Sadio Mane und Christian Eriksen sein - und auch Luka Jovic: Die Königlichen sollen sich nach übereinstimmenden Berichten von Marca und der TV-Sendung El Chiringuito mit dem Berater des serbischen Stürmers von Eintracht Frankfurt getroffen haben. Bei Jovic, an dem auch der FC Bayern interessiert sein soll, galt allerdings bisher der FC Barcelona als Favorit.

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Apropos Barcelona: Die Katalanen dürften so ziemlich der einzige Klub sein, der keine Angst vor der der königlichen Transferwalze haben muss. Denn in der Regel wechselt kein Spieler direkt von Barca zu Real oder umgekehrt. Alle anderen europäischen Topklubs dürften anhand des drohenden Transferbebens aus Madrid Bauchschmerzen bekommen haben.

Wenn die Königlichen ihre "Drohung" wahr machen und auf große Shopping-Tour gehen, könnte das einen bisher nie da gewesenen Domino-Effekt auslösen. Denn die Mannschaften, deren Spieler von Real verpflichtet würden, bräuchten dann ebenfalls Ersatz. Die Konsequenz: Die ohnehin schon hohen Ablösesummen schössen weiter in die Höhe und bisherige Transferrekorde würden pulverisiert.

In seinen zweieinhalb Jahren erster Amtszeit bei Real holte Zidane dreimal den Titel in der Champions League. Das Erstaunliche: Er gab insgesamt für Real-Verhältnisse magere 70 Millionen Euro für drei Neuzugänge aus. Alvaro Morata, Theo Hernandez und Dani Ceballos wechselten in Zidanes Amtszeit nach Madrid, keiner der drei schaffte es bisher in die Stammelf. Morata stürmt inzwischen für den Lokalrivalen Atletico, Hernandez, der Bruder von Bayern-Neuzugang Lucas Hernandez, ist an Real Sociedad verliehen.

Real-Kader benötigt Blutauffrischung

Zidane hatte damals ein eingespieltes Team auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Doch dieses ist inzwischen in die Jahre gekommen, eine Blutauffrischung längst überfällig. In der Innenverteidigung wurde der erste Schritt bereits getan und Eder Militao vom FC Porto für 50 Millionen Euro verpflichtet. Der 21-jährige Brasilianer könnte Real-Kapitän Sergio Ramos langfristig beerben.

Hinten links muss der inzwischen 30-jährige Marcelo Zidane beweisen, dass er noch internationales Spitzenformat hat. Im Mittelfeld ist Weltfußballer Luka Modric inzwischen 33, Toni Kroos 29. Und im Sturm gibt es mit Vinicus Junior zwar bereits einen Hoffnungsträger für die kommende Saison, doch auch Zidanes Liebling Karim Benzema ist bereits 31. Dazu ist auch ein Verbleib des 29 Jahre alten Gareth Bale alles anderes als gesichert, laut der Sun darf er im Sommer gehen – falls ein Klub 175 Millionen für den verletzungsanfälligen Waliser hinblättern sollte.

Ob Reals anvisierter Großangriff auf den Transfermarkt allerdings mit dem Financial Fair Play einhergeht, wird sich zeigen. Doch im Gegenzug zu anderen (Scheich)-Klubs wirtschafteten die Königlichen in den vergangenen Jahren seriös, fuhren regelmäßig Gewinne ein und hielten sich auf der Ausgabenseite zurück. Auch nach dem Abgang von Superstar Cristiano Ronaldo hielt Präsident Perez die Füße still und verzichtete auf einen Ersatz.

Das soll sich nun ändern. Wen die Königlichen am Ende tatsächlich in die spanische Hauptstadt lotsen, ist zwar noch ungewiss. Zwei Dinge scheinen allerdings klar: Bis zum Start der Transferperiode am 1. Juli werden zahlreiche Namen als mögliche Real-Neuzugänge gehandelt werden. Und: Der kommende Transfersommer könnte einer der spektakulärsten aller Zeiten werden.

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