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München - Mit Antoine Griezmann verliert Atlético Madrid seinen Superstar. Diego Simeones Mannschaft droht auseinanderzufallen - es gibt aber auch Grund zur Hoffnung.

Das Format war dieses Mal bedeutend kleiner, aber deshalb nicht weniger spektakulär. Antoine Griezmann wird Atlético Madrid in diesem Sommer verlassen, das teilte der Superstar erst seinem Klub und dann via Twitter der Öffentlichkeit mit.

Ein simples Internetvideo war das, offenbar dem für Atleti-Fans eher traurigen Anlass angemessen.

Letztes Jahr hatte sich Griezmann noch an einem durchaus skurrilen TV-Format versucht.

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Griezmann verlängerte 2018 skurril bei Atlético Madrid

Die 30-minütige Sondersendung des spanischen Senders Movistar+ mit dem Titel "Die Entscheidung" war ein nationales Ereignis und in wirklich jeglicher Hinsicht bemerkenswert - mit dem Ergebnis, dass sich Griezmann doch noch einmal umentschied.

Eigentlich schien damals längst alles klar mit dem FC Barcelona, die Zahlen lagen auf dem Tisch, der Spieler wollte zu den Blaugrana.

Und dann das: "Ich habe entschieden, dass ich bleibe. Sie machen alles für das Team, was möglich ist, damit es vorangeht und wir mehr Chancen haben, die Champions League daheim zu gewinnen. Sie versuchen sehr viel, um Topspieler zu holen", erklärte Griezmann seinen überraschenden Entschluss.

Mit "sie" waren Atléticos Verantwortliche gemeint, die doch unbedingt das Finale der Königsklasse im eigenen Stadion als Teilnehmer und nicht nur als Ausrichter haben wollten.

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CL-Aus gegen Juve der Anfang vom Ende

Eine letzte Runde wollte diese große, aber unvollkommene Mannschaft noch drehen. Ein letztes Mal den Henkelpott in Angriff nehmen.

Mit dem Ausscheiden gegen Juventus vor einigen Wochen endeten aber nicht nur alle Träume - es war der Anfang vom Ende dieser verheißungsvollen Mannschaft. Atlético steht der größte Umbruch des letzten Jahrzehnts bevor.

Seit dem Amtsantritt von Diego Simeone als Trainer vor etwas mehr als sieben Jahren ging es nur bergauf, "El Cholo" baute eine Mannschaft von Weltformat, aus Sternchen wurden Stars und aus Stars Ikonen. Aber das Grundgerüst dieser Truppe wird in ein paar Tagen nicht mehr da sein.

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Nicht nur Godin weg - die gefürchtete Abwehr zerbröckelt

Erst letzte Woche hatte Klub-Legende Diego Godín seinen Abschied bekanntgegeben. Godíns Tränen waren echt, neben Simeone steht kaum ein anderer so für Atleti wie das sanfte Raubein.

Godíns zukünftiger Klub steht noch nicht fest, Inter Mailand soll ganz gute Karten haben. Lucas Hernández wird sich dem FC Bayern anschließen. Linksverteidiger Filipe Luís wird ebenfalls gehen, womit Atlético drei Viertel seiner gefürchteten Abwehr sicher wegbrechen.

Und Außenverteidiger Juanfran, Godíns getreuer Gefährte in der Abwehr, soll auf seine alten Tage (34 Jahre ist der Spanier) ebenfalls über einen Wechsel nachdenken. Hartnäckige Gerüchte halten sich auch um die Mittelfeldspieler Rodrigo und Saúl Ñíguez - zusammen mit Griezmann könnte also ein gutes halbes Dutzend an Führungsspielern den Verein verlassen.

Ob es die Granden des Klubs nun wie aus heiterem Himmel trifft, darf trefflich bezweifelt werden. Vor ein paar Wochen hatte Präsident Enrique Cerezo noch so mächtig getönt, dass seine Worte schon damals eher wie das berühmte Pfeifen im Walde wirkten denn einer unumstößlichen Gewissheit.

"Griezmann bleibt nicht zu 1000 Prozent bei Atleti - er bleibt zu 2000 Prozent", sagte Cerezo dem Radiosender RAC1. Aus den 2000 Prozent sind mittlerweile recht schnell null Prozent geworden und die Vermutung liegt nahe, dass sich schon damals - wenige Tage nach dem Ausscheiden gegen Juventus - die Anzeichen auf Griezmanns Abschied verdichteten.

Jede Menge Geld für die Shoppingtour

Ein bisschen dürfte es sich für Simeone jedenfalls so anfühlen wie in seinen ersten Monaten, als noch sehr viel Aufbauhilfe vonnöten war und der Argentinier nach und nach seine Schäfchen um sich sammeln musste.

Es hat eine Weile gedauert, bis er eine wettbewerbsfähige Mannschaft zusammen hatte, die dann aber wie aus dem Nichts erst La Liga und dann auch die Champions League gehörig aufmischte. Der entscheidende Unterschied: Anders als damals schwimmt Atleti jetzt förmlich im Geld.

Für Griezmann sollen je nach Kaufdatum bis zu 200 Millionen Euro fällig werden, mindestens aber 120 Millionen (ab 1. Juli 2019). Dazu kommen rund 80 Millionen aus dem Hernández-Deal mit den Bayern und ein paar vergleichsweise Kleckerbeträge für die anderen Abwehrspieler.

Rodrigo und Saúl sind dagegen mit langfristigen Arbeitspapieren ausgestattet und würden eine beträchtliche Ablösesumme generieren, im Raum stehen 60 Millionen Euro (für Rodrigo) und 80 Millionen Euro (für Saúl). Die Rojiblancos können also mit 200 bis 300 Millionen Euro auf Shoppingtour gehen.

Gerüchte um Otamendi, Dybala und Icardi

Namen potenzieller Zugänge kursieren schon lange, Alex Telles vom FC Porto oder Ajax Amsterdams Nicolas Tagliafico sind als kommende Linksverteider vorgesehen, auch von Alejandro Grimaldo, Rúben Dias (beide Benfica), José Gayá (FC Valencia), Nicolás Otamendi (Manchester City) und Héctor Herrera (FC Porto) als Verstärkungen für die Abwehr war schon zu lesen.

Für den Angriff scheinen Spieler wie Juventus' Paulo Dybala oder Mauro Icardi von Inter nicht mehr unerreichbar.

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Große Aufgabe für Diego Simeone

Atlético steht vor einem heißen Transfersommer und Diego Simeone vor der größten Herausforderung seiner Zeit in Madrid: Die Fans haben sich längst daran gewöhnt, in der Meisterschaft und in der Königsklasse oben mitzuspielen. Dieses Niveau jetzt mit einer ziemlich erneuerten Mannschaft und ohne die bisher tragenden Säulen zu halten, wird eine unglaublich große Aufgabe.

Aber: Der Umbruch war angesichts der Altersstruktur gerade in der Abwehr unausweichlich. Zugleich birgt jeder Abgang die Chance für Spieler aus der zweiten Reihe, jetzt den nächsten Entwicklungsschritt zu machen.

Und mit Diego Simeone als Lehrmeister bleibt die wichtigste Figur des Klubs ja weiterhin an Bord.

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