vergrößernverkleinern
Getty Images
Getty Images © Getty Images
Lesedauer: 5 Minuten
teilenE-MailKommentare

Ronaldo hat mit Real Valladolid große Ziele und ein interessantes Transfer-Modell für die Zukunft. Ein Wettskandal bremst das Projekt allerdings.

Als Ronaldo im September 2018 in Valladolid ankam fragten sich einige, ob er auf dem Weg nach Madrid in den falschen Zug gestiegen war. Schließlich war er in der spanischen Provinz gelandet, nicht in der glanzvollen Hauptstadt.

Er war aber am richtigen Ort, denn kurz zuvor hatte die brasilianische Stürmer-Legende 51 Prozent der Anteile des örtlichen Fußballklubs gekauft. Für rund 30 Millionen Euro. Ein echtes Schnäppchen für Ronaldo und ein echter Glücksfall für Real Valladolid, denn einen vergleichbaren Hype hatte der Klub zuvor nicht erlebt.

Meistgelesene Artikel

Auch für die Stadt ist Ronaldo eine echte Sensation und zugleich ein Glanzpunkt. Fotos von Spaziergängen am Stadtrand mit Freundin Celina Locks zieren die regionalen Zeitungen und lösen in den sozialen Netzwerken Begeisterungsstürme aus. Der Brasilianer steht für einen lockeren Lebensstil, hatte immer Spaß am Fußball und an wilden Partys. Ein Mann, der meist schnell Beliebtheit erlangt, wo auch immer er hingeht. So auch in Valladolid.

Anzeige

Ronaldo nimmt sein Projekt ernst

Real Valladolid statt Real Madrid, dem Klub, bei dem Ronaldo fünf Jahre seiner legendären Karriere verbracht hatte. Der 42-Jährige sprach bei seiner Vorstellung von einer "Revolution" und drückte gleichzeitig seine Liebe zu Valladolid aus.

Zum Verein wie der Stadt, denn sein Projekt sei schließlich ernst gemeint: "Ich bin in diese Stadt und in diesen Klub verliebt. Es ist eine unglaubliche Stadt, mit einem Wahnsinnspotenzial."

Potenzial ja. Ruhmreiche Vergangenheit eher nicht. In über 90 Jahren Vereinsgeschichte hat Real Valladolid nur einen einzigen Titel gewonnen. Den Ligapokal im Jahr 1984, einen Wettbewerb, den es heute gar nicht mehr gibt.  

Große Pläne für die Zukunft von Real Valladolid

Ronaldo übernahm den Klub, nachdem er in La Liga aufgestiegen war. Mit dem neuen Klubchef gelang den "Albivioletas" (den Violetten) in dieser Saison der Klassenerhalt. Zwischendurch schien sogar die Qualifikation für die Europa League möglich.

Das erste Jahr verlief sportlich also nach Plan. Für die nächsten Jahre werden Ronaldos Pläne aber immer größer. Sein Augenmerk liegt darauf, mit seiner Strahlkraft vielversprechende Talente anzulocken.

"Es muss ein nationales und internationales Projekt sein, wir wollen kein regionales Team sein", machte der Brasilianer auf einer Pressekonferenz klar. Das unterstreicht den Verdacht, dass es sich bei den Talenten vor allem um Spieler aus seiner Heimat handeln soll.  

Diese Deals will er in seinem eigenen Real-Valladolid-Büro einfädeln, das sich allerdings nicht in der Stadt mit 300.000 Einwohnern befindet, sondern in Madrid, Ronaldos Wahlheimat. Das Büro liegt nur wenige hundert Meter von seinem Wohnort im glamourösen Stadtteil Salamanca entfernt.

"Ich arbeite viel mehr und verdiene unendlich viel weniger als damals zu Spielerzeiten", scherzte Ronaldo nach einem Heimspiel. Nur die Emotionen, die sind noch die gleichen: "Die Freude bei jedem guten Ergebnis ist unbeschreiblich."

Ronaldo will Beziehungen zu Real Madrid nutzen

Es ist ein offenes Geheimnis, dass der dreimalige Weltfußballer von seinen Kontakten zu Ex-Klub Real Madrid profitieren will, um dauerhaft Erfolg zu haben. Ronaldo spekuliert auf Ausleihspieler von den Königlichen.

Zuletzt verkündete er sein großes Interesse daran, Vinicius Junior von den Königlichen auszuleihen, den er im Sommer 2018 in seiner Rolle als Vereinsbotschafter Reals noch selbst im Estadio Santiago Bernabeu vorstellte. Der 18-Jährige ist ein Ausnahmetalent und außerdem Brasilianer.

Jetzt aktuelle Fanartikel der internationalen Top-Klubs bestellen - hier geht's zum Shop! | ANZEIGE

Das Modell, dass Ronaldo brasilianische Talente an Real vermittelt, um diese dann mit Valladolid auszuleihen, wirkt vielversprechend. Auch wenn es mit Vinicius wohl schwierig wird, könnte das System bei anderen Talenten eine Win-Win-Situation darstellen und den Klub in nächster Zeit zu einem Anwärter auf die internationalen Startplätze machen.

Wettskandal gefährdet das Projekt

In der Sommerpause sollen die Kontakte von Ronaldo erste Früchte tragen und das ein oder andere Talent soll den Weg nach Valladolid finden. Doch gerade jetzt steht das Projekt der Fußball-Ikone auf der Kippe.

Grund ist ein Wettskandal, der Spanien seit dem letzten Spieltag in La Liga erschüttert. Die Zeitung El Mundo berichtete, dass das Spiel zwischen Real Valladolid und dem FC Valencia manipuliert wurde.

Der Ronaldo-Klub verlor mit 0:2, beide Tore fielen nach haarsträubenden Fehlern in der Defensive. Valencia sicherte sich durch den Sieg die Qualifikation zur Champions League.

Sieben Spieler von Valladolid sollen gekauft gewesen sein. Das geht aus Telefonmittschnitten hervor, die El Mundo vorliegen. Ein Netzwerk um den Ex-Profi Raúl Bravo soll für die Manipulation verantwortlich sein. Ein ehemaliger Spieler der "Albivioletas".

Noch ist nicht abzusehen, wie hart der Skandal den Klub treffen wird. Allerdings könnten die Ausmaße groß sein. Es ist davon auszugehen, dass der spanische Fußballverband mit aller Härte gegen Wettmanipulation dieser Art vorgeht.

Für das Projekt von Ronaldo bedeutet der Skandal einen herben Rückschlag.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image