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München - Antoine Griezmann ist beim FC Barcelona noch nicht richtig angekommen - auch wegen Lionel Messi. Dennoch sollte man den Franzosen nicht gleich abschreiben.

Satte 120 Millionen Euro legte der FC Barcelona im Sommer für Antoine Griezmann von Atlético Madrid auf den Tisch.

Bereits nach zehn Spielen berichten allerdings spanische Medien übereinstimmend von Spannungen und Kommunikationsproblemen zwischen dem Weltmeister und Barcas Superstar Lionel Messi.

Dabei kommt der 28 Jahre alte Franzose auf ordentliche fünf Scorer-Punkte in neun Einsätzen für die Katalanen. Kein schlechter Start. Aber: Wenn ein Klub außergewöhnlich viel für einen neuen Spieler ausgibt, erwartet dieser Verein selbstredend auch außergewöhnliche Leistungen von seinem teuren Neuzugang.

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Griezmann muss liefern, wie er auch selbst zugab: "Natürlich fehlt noch etwas, damit ich der bestmögliche Griezmann sein kann. Ich bin gerade erst angekommen, und es ist eine andere Spiel-Philosophie (als bei Atlético, Anm. d. Red.). Du musst lernen, dich verbessern, Bewegungen ändern - und in zwei Monaten kannst du das nicht so schnell erlernen."

Aber: "Ich weiß, dass meine Teamkollegen auf mich warten und das Beste von mir erwarten. Ich bin auf dem richtigen Weg, um der Bestmögliche zu sein."

Griezmann und Messi reden nicht viel

Doch ein Satz auf der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel gegen Inter Mailand sorgte für viel Wirbel in der Medienlandschaft.

Als er auf die Chemie im Angriffsspiel der Katalanen angesprochen wurde, sagte der 28-Jährige: "Es ist immer schwer, wenn Spieler verletzt sind. Messi, Dembélé, Suárez, Ansu fehlen oder fehlten. Dann können wir nicht zusammen trainieren, uns nicht einspielen. Das ist immer problematisch."

Besonders die Kommunikation mit Messi sei kompliziert: "Er redet jetzt nicht so viel, ich auch nicht, dann ist es natürlich etwas schwierig. Er war verletzt, dann ist es natürlich auch schwierig, auf dem Platz eine Verbindung aufzubauen."

Teures Missverständnis heizt Neymar-Gerücht an

Diese Aussagen nahmen die spanischen Medien gleich zum Anlass, um von einem teuren Missverständnis zu sprechen. Sogar von Wechselgerüchten ist schon die Rede.

So spekulieren einige, dass Barca im kommenden Jahr einen neuen Anlauf bei Neymar nehmen werde, nachdem Paris Saint-Germain im Sommer 2019 den brasilianischen Superstar nicht nach Katalonien zurückkehren ließ.

Le 10 Sport berichtete jüngst, Griezmann könnte nun der Schlüssel für Neymars Rückholaktion werden. Ein Spielertausch plus eine hohe dreistellige Millionensumme sollen PSG zu einem Transfer bewegen.

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Frankreich-Coach verteidigt Griezmann

Davon geht aber Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps nicht aus: "Es ist nie einfach, den Verein zu wechseln, auch nicht für Antoine Griezmann. Atlético Madrid wurde um ihn herum aufgebaut. Er hat es sich nicht leicht gemacht, aber das brauchte er wohl."

Erschwerend kommt hinzu, dass der gelernte Linksaußen ständig auf verschiedenen Positionen aushelfen musste, da bei Barca mal Messi, mal Ousmane Dembélé, mal Luis Suárez ausfielen. Eine Akklimatisierung im neuen Umfeld fällt so nicht gerade leicht.

Sollten aber alle Stürmer-Stars wieder fit sein, dürfte Griezmann auf seiner angestammten Position auf dem linken Flügel deutlich besser zur Geltung kommen und sich mit dem Argentinier und Uruguayer auch besser einspielen können.

Deschamps: "Es braucht Zeit"

Weltmeister-Coach Deschamps gibt seinem Führungsspieler auch einen guten Rat mit auf den Weg: "Antoine ist ein sehr höflicher Mensch. Er mag in Bezug auf seine Position nicht so entschlossen sein wie bei Atlético. Aber er wird alles tun, um seinen Platz in der Mannschaft zu finden." Er müsse nur fordernder werden.

Ohnehin zweifelt der Trainer der Équipe Tricolore kein bisschen an Griezmanns Qualitäten: "Es war genauso, als er von Real Sociedad nach Madrid wechselte. Am Anfang war es da auch kompliziert. Dennoch ist es ihm gelungen, ein sehr wichtiger Teil des Klubs zu werden. (...) Es braucht Zeit. Ich mache mir keine Sorgen um Antoine."

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Messi dementiert Medienberichte

Barcas Superstar Messi wies die Spekulationen über sein angeblich schlechtes Verhältnis zum französischen Neuzugang entschieden zurück. "Wir haben keine Probleme", sagte der sechsmalige Weltfußballer nach dem 2:1 gegen Inter in der Königsklasse: "Das Verhältnis untereinander ist gut. Wir stehen zusammen."

In der spanischen Sport hatte er zudem erklärt: "Ich kenne ihn noch nicht allzu gut. Unsere Wege haben sich nur selten gekreuzt, weil ich verletzt war und die Mannschaft in der Vorbereitung viel gereist ist. Aber wir werden sicher noch die Möglichkeit haben, uns auszutauschen."

Darüber hinaus äußerte sich Messi auch zum geplatzten Neymar-Deal: "Ich hätte seine Rückkehr sehr begrüßt." Aber: "Ich habe die Verpflichtung von Neymar nie gefordert, ich habe lediglich meine Meinung dazu abgegeben. Sportlich gesehen ist Neymar einer der Besten der Welt."

Beide Barca-Stars wollen Champions League gewinnen

Eins haben Messi und Griezmann immerhin schon gemein, auch wenn sie (noch) nicht dieselbe Sprache sprechen - beide wollen unbedingt den Champions-League-Titel in der laufenden Saison gewinnen. Und dafür werden sich die Superstars auch zusammenraufen.

"Wir haben einen spektakulären Kader, der jeden Wettbewerb gewinnen kann, auch ohne Neymar", sagte Messi und fügte an: "Natürlich möchte ich erneut die Champions League gewinnen, das letzte Mal ist schließlich schon lange her (2015, Anm. d. Red.)."

Und aus diesem Grund war Griezmann schließlich auch von Atlético zu Barcelona gewechselt: "Die Champions League ist der Traum aller. Es ist einer meiner Träume. Es ist mein Ziel." Mit seinem Ex-Klub verlor Griezmann die Endspiele 2014 sowie 2016 jeweils gegen Real Madrid.

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Mit Barcelona soll sich das nicht wiederholen. "Ich bin hier, um jedem Spieler zu helfen. Ich bin hier sehr glücklich, ich genieße es sehr. Auf und abseits des Platzes. Meine Familie, mein Vater fühlen sich sehr wohl", schwärmt Griezmann von seiner neuen Heimat.

So ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis der französische Weltmeister mit Messi und Suárez richtig durchstartet. Am ersten Spieltag war Barca nur Tabellen-15., mittlerweile schon wieder Zweiter - mit nur zwei Punkten Rückstand auf Real. Wer braucht dann "MSN", wenn er schon den "MSG"-Sturm hat?

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