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München - Martin Odegaard verließ Real Madrid per Leihe als gescheitertes Wunderkind. Nun kehrt er mit Spaniens Überraschungsteam zurück. Als gefeierter Offensiv-Star.

Es ist "die Woche des Martin Odegaard".

Was die spanische Zeitung Marca ausrief, wird in dem fußballverrückten Land auf der iberischen Halbinsel tatsächlich gelebt.

Jeden Tag wird in den Medien ein Update von Odegaards Verletzung gegeben. Von Odegaards Ferse. Sozusagen der Ferse der Nation.

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Der König der Leihspieler

Am Mittwoch dann die gute Nachricht: Die vielen Stunden im Wasserbecken haben sich gelohnt, der Spieler von Real Sociedad wird am Samstag bei Real Madrid mit großer Sicherheit spielen können. (Real Madrid - Real Sociedad am Samstag ab 21.00 Uhr im LIVETICKER)

Bei seinem Klub, denn Odegaard ist von den Königlichen ausgeliehen. Er ist allerdings kein gewöhnlicher Leihspieler, in dieser Saison ist er der "König der Leihspieler", wie ihn die spanische Presse zuletzt nannte. Es war auch von einem Magier zu lesen, der momentan ein ganzes Land verzaubert.

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Die spanischen Journalisten übertreffen sich mit Bezeichnungen für Odegaard und greifen oftmals zu Superlativen. Eine Bezeichnung, die noch vor wenigen Monaten allgegenwertig war, ist nicht mehr zu lesen: Das gescheiterte Wunderkind.

Vom Wunderkind zum PR-Gag

Mit 15 Jahren und 151 Tagen hatte der Norweger sein Debüt in der ersten Liga seines Heimatlandes gegeben. Knapp einen Monat später ließ er seinen ersten Treffer folgen und wurde zum jüngsten Torschützen in Norwegens Eliteklasse.

Mit 15 feierte er auch noch sein Debüt in der Nationalmannschaft. Ein außergewöhnlicher Moment, in dem der Hype um Odegaard längst begonnen hatte.

Alle Top-Klubs jagten das Jahrhunderttalent (noch so eine damalige Bezeichnung). Der FC Bayern war zuversichtlich, den Zuschlag zu bekommen, letztlich gewann Real aber das Rennen.

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Am 22. Januar 2015 verkündeten die Königlichen die Verpflichtung. Vier Millionen Euro flossen zum Strømsgodset IF. In Odegaards Vertrag stand, dass er regelmäßig mit der ersten Mannschaft trainiert, spielen durfte er aber nur ein einziges Mal.

Er wurde zum jüngsten Spieler Realss in der Geschichte in La Liga. Danach folgten aber zwei Leihen zu den kleinen niederländischen Klubs SC Heerenveen und Vitesse Arnheim. Fußball-Provinz statt Estadio Bernabéu.

Der damalige Real-Trainer Carlo Ancelotti bezeichnete den Kauf Odegaards nach seiner Zeit in der spanischen Hauptstadt rückblickend als PR-Gag. Er habe den Youngster nie gewollt, Odegaard aber von Präsident Florentino Perez vorgesetzt bekommen.

Der Durchbruch bei Real Sociedad

Doch zur Zeit dieser Aussage war der Offensivspieler noch nicht in San Sebastián angekommen, seiner dritten Station als Leihspieler. In der malerischen Stadt am Golf von Biskaya blüht Odegaard nun beim örtlichen Klub Real Sociedad auf, der als Spaniens Überraschungsteam auf Rang fünf der Tabelle steht.

20 Jahre ist der offensive Mittelfeldspieler nun alt. Zwei Tore hat er in elf Spielen in der spanischen La Liga erzielt, drei weitere Treffer vorbereitet. Vor allem weiß er aber mit seinem Spielstil zu begeistern.

Es sind Szenen, wie die beim 3:0-Sieg gegen Deportivo Alavés. Odegaard tunnelte einen Gegenspieler, ließ ein unwiderstehliches Dribbling folgen und hebelte dann die komplette Hintermannschaft des Gegners mit einem einzigen Pass aus. Sieben Gegenspieler wirkten bei seiner Vorarbeit zur 1:0-Führung wie Statisten.

"Odegaard hat ein Spiel gezeigt, wie wir es nur von Messi kennen", schwärmte danach die spanische Zeitung AS. Die Marca reservierte die Titelseite für den Norweger und sprach von einem "galaktischen Pass".

Die Galaktischen, wie auch Real Madrid genannt wird, überlegen wegen Aktionen wie dieser, ihr einstiges Wunderkind bereits im Sommer 2020 zurückzuholen, nicht ein Jahr später, wie eigentlich geplant.

Rächt sich Odegaard an Real Madrid?

Der Spielmacher, der im September sogar zum Spieler des Monats in La Liga gewählt wurde, verriet jüngst, dass er sich "auf jeden Fall bei Real Madrid durchsetzen" will. Es sei ihm egal, ob er "zwei Jahre warten müsse, oder fünf".

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Zunächst spielt er nun aber gegen seinen Herzensklub und könnte sich auf gewisse Weise auch an ihm für die schwierigen Zeiten rächen. Mit einem Sieg könnte Real Sociedad sogar an dem stolzen Klub aus Madrid vorbeiziehen.

Jubeln will er nicht, wenn er einen Treffer im Estadio Bernabéu erzielen sollte. Es könnte trotzdem der Samstag des Martin Odegaard werden.  

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