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München - Lei Wu hat Espanyol Barcelona kommerziellen Erfolg verschafft. In seinem Heimatland wird der Chinese verehrt, in Barcelona hoffen sie dank ihm auf den Klassenerhalt.

Am 25. Januar feierten über eine Milliarden Menschen in China Neujahr. Auf das Jahr des Schweins folgte das Jahr der Ratte. Bei Espanyol Barcelona ging am 28. Januar hingegen das Jahr des Wu zu Ende.

Anders als in China, wo das Jahr nach dem Mondkalender berechnet wird, begann das Jahr bei dem Stadtrivalen des großen FC Barcelona mit der Ankunft des Chinesen Lei Wu.

Zwei Millionen Euro erhielt Shanghai SIPG für den Außenstürmer, der 14 Jahren für den Klub gespielt hatte. Dort hatte er mit 14 Jahren sein Debüt gegeben und ist der jüngste Spieler, der je in der höchsten chinesischen Liga gespielt hat.

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Grenzenloser Hype in China

Wus Wechsel hat in seinem Heimatland einen außergewöhnlichen Hype ausgelöst.

In China verzeichnet nicht Real Madrid die höchsten Einschaltquoten und auch nicht der FC Barcelona. Es ist Espanyol Barcelona. Millionen Chinesen gucken plötzlich die Spiele eines spanischen Klubs, der im fußballbegeisterten Spanien als graue Maus gilt und außerdem in großer Abstiegsnot schwebt.

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"Er ist ein wichtiger Sportler in China. Der Hype ist auf einer Stufe mit dem, was Yao Ming mit Basketball geschaffen hatte", verriet der spanische Coach Jordi Vinyals der AS. Seit 2015 trainiert er Qingdao Huanghai und hat den Verein in die chinesische Super League geführt. "In Sportarten, in denen sie normalerweise nicht herausragen, verehren die Chinesen ihre Akteure schnell."

Chinesischer Messi zum Schnäppchenpreis

Beim Transfer spielte Espanyols chinesischer Besitzer eine nicht unbedeutende Rolle. Chen Yansheng gilt als Freund der Parteispitze in Peking und half gerne mit, als es darum ging, den chinesischen Fußball international zu vermarkten.

Das dürfte auch die geringe Ablösesumme von lediglich zwei Millionen Euro erklären, denn nach 120 Toren in 218 Spielen für Shanghai wurde Wu schon vor seinem Wechsel als chinesischer Maradona verehrt, und hätte einen deutlich höheren Wert auf dem Transfermarkt gehabt.

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Dass aber auch Espanyol mit dem Transfer alles richtig machte und in einem riesigen Ausmaß von Wu profitiert, hätte Yansheng wohl selbst nicht gedacht.

Espanyol hofft dank Wu auf den Klassenerhalt

Dank Wu hat Espanyol die beiden größten Sponsoren LD Sports und iFLytek an Land ziehen können. Dank den Geldgebern konnte der Klub sein Budget für die Saison 2019/20 im Vergleich zum Vorjahr um 37 Prozent steigern.

In den sozialen Netzwerken sind mittlerweile mehr als 40 Prozent der Follower Espanyols Chinesen und auch der Trikotverkauf boomt bei den Blau-Weißen neuerdings. Allein das Trikot von Wu wurde bereits über 40.000 Mal verkauft. Das sind mehr als die Summe aller Trikots, die von anderen Espanyol-Spielern über den Ladentisch gingen.

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Durch die zusätzlichen Einnahmen konnte der Klub im Winter Raúl de Tomás (kam für 20 Millionen Euro von Benfica Lissabon), Adrián Embarba (10 Mio./ Rayo Vallecano) und Leandro Cabrera (9 Mio./ FC Getafe) verpflichten, mit denen der Abstieg doch noch verhindert werden soll. Momentan steht Espanyol auf dem letzten Tabellenplatz, mit drei Punkten Rückstand auf das rettende Ufer. Dank Wu gibt es Hoffnung. (Service: TABELLE von La Liga)

An dem Chinesen liegt es auch sportlich nicht, denn der Linksaußen weiß durchaus zu überzeugen. In 31 Saisonspielen erzielte er sechs Tore, eines davon beim sensationellen 2:2 gegen Stadtrivale Barca am 4. Januar.

Auch durch seine Leistung hat er es geschafft, "in Rekordzeit die Fußballkultur des Landes zu verändern", wie es Daniel Yan ausdrückt, ein chinesischer Korrespondent von Titan Sports. "Wenn Wu anfangs nicht spielte, beleidigten die Fans von Wu Espanyol, den Trainer, oder den Mannschaftskameraden, der stattdessen spielte. Aber jetzt haben sie die Umstände verstanden, ihre eigenen Fähigkeiten und das Niveau von La Liga."

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