Lesedauer: 3 Minuten
teilenE-MailKommentare

Dass sich Real Madrid auf den spanischen Fußball-Thron zurückgekämpft hat, liegt vor allem an Zinedine Zidane und dessen unvergleichbarer Aura. Ein Kommentar von Martin van de Flierdt.

Mit dieser Mannschaft musst du ja etwas reißen. Das ist leicht dahergesagt, angesichts der edlen Besetzung des Kaders von Real Madrid.

Der 34. spanische Meistertitel, den die Königlichen am Donnerstagabend durch einen 2:1-Erfolg gegen den FC Villarreal einfuhren, widerspricht dieser Einschätzung grundsätzlich auch nicht.

Dennoch ist die Meisterschaft Reals in diesem Jahr alles andere als ein Selbstläufer gewesen, sondern das Werk Zinedine Zidanes. Dass die Madrilenen ohne starke Führung schnell ins Chaotische abdriften können, hat die Zeit gezeigt, in der Zidane eben nicht an der Spitze des Ensembles stand.

Anzeige

Weder Julen Lopetegui zwischen Juli und Ende Oktober 2018 noch Santiago Solari, der sich in der Folge bis zum 11. März 2019 versuchen durfte, haben die Mannschaft in den Griff bekommen.

Ein Team, das vor Alphatieren nur so strotzt, die jedem Trainer das Leben schwer machen können, den sie nicht auf Augenhöhe wähnen. Deswegen konnte Real nichts Besseres passieren als die Rückkehr des Titelgaranten Zidane.

Mit seiner Aura des Erfolgs und seinem Händchen für den Umgang mit Stars "ist er ein Segen" für den Klub, wie Präsident Florentino Perez sagte. Seine erst zweite nationale Meisterschaft als Trainer Madrids nach 2016/17 ist für den Weltmeister von 1998 schon der elfte Titel mit den Königlichen. Zur Vereinsikone wurde er spätestens mit dem Champions-League-Hattrick zwischen 2016 und 2018.

Nur Muñoz liegt noch vor Zidane

Lediglich Miguel Muñoz, der Madrid von 1948 bis 1958 zur unangefochtenen europäischen Großmacht von Gnaden Alfredo di Stefanos machte, hat drei Titel mehr als Zidane in die spanische Hauptstadt geholt. Der Franzose gewann bislang im Schnitt alle 19 Spiele eine Trophäe.

"Zidane ist der Schlüssel", sagte Spielführer Sergio Ramos. "Er ist der Kapitän des Schiffs." Die Mannschaft glaube an ihn, "denn er ist einzigartig. Alles was er anfasst, wird zu Gold." 

Zehn Spiele hat Real seit dem Re-Start bestritten und alle gewonnen. Nicht selten mit Hilfe eines durch den VAR bedingten Strafstoßes. Aber wer fragt danach?

Meistgelesene Artikel

Zidane verzichtete nach der Corona-Pause fast vollständig auf personelle Experimente und setzte auf die Achse, auf die er sich schon in seiner ersten Amtszeit verlassen konnte. Die Ü30-Riege aus Ramos, Modric, Kroos oder Benzema lieferte. Pragmatismus und Menschenführung sind die großen Stärken Zidanes.

Die beleidigten Stars James und Gareth Bale? Randgeschehen, das er wegmoderierte und über das in Madrid bald niemand mehr spricht. Zidane und seine Erfolge aber werden unvergessen bleiben. Denn sie sind eben keine Selbstverständlichkeit.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image