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Toni Kroos spricht in einem ausführlichen Interview über sein Leben in Madrid. Auch zu der Krise von Real und dem Lauf des FC Bayern nimmt er Stellung.

Seit sechs Jahren lebt Toni Kroos nun in Madrid und hat in der spanischen Hauptstadt ein neues zu Hause gefunden. 

"Am Anfang war es nicht einfach, weil meine Frau in den ersten Jahren auch die Sprachen nicht gesprochen hat. Mit 24 Jahren sein Heimatland zu verlassen ist eine große Veränderung", verriet er in einem Interview mit der Marca, das der deutsche Nationalspieler virtuell führte, während er beim DFB-Team in Leipzig weilt.

Seit seinem Wechsel im Sommer 2014 hat sich allerdings einiges verändert: "Wir sind sehr glücklich in Madrid. Jetzt sprechen wir besser Spanisch und alles ist einfacher."

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Bei Real haben Kroos anfangs vor allem die Fans beeindruckt. "In Deutschland muss man erst gut spielen, um die Fans glücklich zu machen", sagte der 30-Jährige: "Aber bei Real Madrid hatte ich das Gefühl, dass schon glücklich waren, als ich ankam, ohne gut oder schlecht gespielt zu haben. Das gab mir ein gutes Gefühl und das Vertrauen, das mich von Anfang an gut spielen ließ." 

Kroos ordnet Real-Krise ein

"Es ist schön, weil sie dich lieben", beschrieb Kroos seine Verbindung mit den Madrilenen. Er selbst gilt allerdings als eher zurückhaltender Charakter, der nicht immer die große Bühne braucht. "Manchmal möchte ich in aller Ruhe ausgehen, und das ist etwas komplizierter. Deshalb wohnen wir nicht in der Innenstadt. Ich mag die Ruhe." 

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Sportlich lief es für den Mittelfeldstrategen sowieso von Beginn an rund. Mit den Königlichen gewann er dreimal die Champions League und zweimal die spanische Meisterschaft. Momentan befindet er sich mit Real allerdings in einer Krise, die zuletzt durch eine 1:4-Pleite in Valencia ihren Höhepunkt fand

Dabei fehlt es dem Klub vor allem an Konstanz. Auf ein gutes Spiel folgt fast immer ein schlechtes. "Wir leben in einer für alle sehr seltsamen Situation", meint Kroos: "Wir spielen alle drei Tage, wir hatten wenig Pause, wir haben die letzte Saison sehr spät beendet, wir konnten im Sommer keine Spieler unter Vertrag nehmen. Jetzt haben wir Verletzte, einige müssen wegen des Coronavirus pausieren."

Kroos machte aber auch klar, dass er nicht gerne nach Ausreden sucht: "In jedem Spiel haben wir eine Startelf, die den Gegner schlagen kann. Warum tun wir es nicht?" 

Kroos schwärmt von den Bayern

"Wir müssen akzeptieren, dass es im Moment bessere Teams als uns gibt", meint Kroos. Dass das für die Königlichen nicht leicht ist, ist ihm bewusst.

Trotzdem sieht er sein Ex-Team derzeit als das Maß aller Dinge: "Die Bayern sind in den letzten Monaten definitiv die beste Mannschaft der Welt. Es ist unmöglich, zehn Jahre hintereinander alles zu gewinnen. Real Madrid war zwei oder drei Jahre lang die beste Mannschaft der Welt. Jetzt ist Bayern dran, und das sagt nichts Schlechtes über uns aus." 

Toni Kroos mit Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge (l.)
Toni Kroos mit Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge (l.) © Imago

Bei der derzeitigen Form des FC Bayern kommt Kroos regelrecht ins Schwärmen: "Es gibt kein Spiel, das sie nicht mit vier Toren gewinnen könnten. Sie haben die Champions League gewonnen, und für mich ist derjenige, der sie gewinnt, die beste Mannschaft der Welt, weil es der komplizierteste Wettbewerb ist, den es zu gewinnen gibt. Es stimmt, dass sie besser sind als wir, aber im Moment ist das kein Problem, weil wir nicht in ihrer Liga gegen sie spielen und wir nicht gegen sie in der Champions League antreten, zumindest im Moment."

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In den letzten beiden Ligaspielen stand Kroos nur wenige Minuten auf dem Rasen. Real-Coach Zinedine Zidane setzt sein bekanntes Rotationsprinzip derzeit sehr streng durch. "Letztlich wird es mir nie gefallen, nicht zu spielen", sagte Kroos. "Ich sage das und alle Spieler denken das. Letztendlich verstehe ich den Trainer aber, weil wir alle drei Tage spielen."

Zidane ist nach der heftigen Niederlage in Valencia scharfer Kritik ausgesetzt. Kroos macht sich dabei aber nicht allzu große Sorgen: "Er weiß, dass es bei Real Madrid Diskussionen gibt, wenn man nicht die Ergebnisse liefert und die Erwartungen nicht erfüllt. Deshalb sind wir in diesem Klub. Das ist normal. Mit Zidane haben wir bereits Zeiten wie diese durchlebt, und normalerweise kommen wir aus schlechten Zeiten heraus."

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