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München - In La Liga führt San Sebastian die Tabelle an. Digital ist der Klub der Konkurrenz enteilt und europäischer Vorreiter - dank des Revolutionärs Juan Iraola.

Nach zehn Spieltagen führt Real Sociedad die Tabelle in La Liga an. Die Konkurrenten Real Madrid und FC Barcelona sind bereits etwas distanziert. Sportlich grüßt das Team von Trainer Imanol Alguacil in Spanien von der Spitze. Dabei ist der Klub der Konkurrenz bereits längst enteilt und europäischer Vorreiter im digitalen Bereich. 

Mit Juan Iraola hat ein Revolutionär den Verein an allen anderen Teams vorbeifliegen lassen. Er ist der Digitale Direktor des Klubs und hat seit seinem Dienstantritt 2016 fast alles auf den Kopf gestellt. 

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Der in Donostia geborene "Erfolgsarchitekt", der der Welle des Wandels im Fußball vorausgeeilt ist, ist selbst seit Kindheitstagen Fan von San Sebastian. Ein Sohn von ihm hat die Jugendakademie des Vereins durchlaufen. Die beiden weiteren Kinder sind ebenfalls große Anhänger der Blau-Weißen. "Wenn ich an einem Wochenende ins Stadion gehe, sagen sie immer 'Wow, Aita, was für ein Glück'. Und sie haben Recht. Ich habe nicht das Gefühl, dass mein Job so ist, wie ein Job, es ist eigentlich ein Privileg."

Stadion Anoeta mit moderner Technik ausgestattet

Das Stadion Anoeta ist ein wichtiger Ort der Digitalisierung. 2015, kurz nach der Renovierungserlaubnis, kam Iraola zum Klub. Mittlerweile wurden die alten Tribünen abgerissen, die Tartanbahn entfernt und die Kapazität auf 42.300 Plätze erhöht. Viel wichtiger aber für den Revolutionär: die Arena wurde mit modernster Technik ausgestattet. 

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Fans haben dank Iraola und der von ihm und seinem Team entwickelten App "Realzale" vielfache Möglichkeiten während einer Partie. Sie können durch ihre Handynutzung digital das Feld betreten, durch die Kabine spazieren, exklusive Beiträge und Videos sehen, bekommen auf die Person zugeschnittene Angebote aus dem Online-Shop angezeigt und werden mit Essens- und Getränkeangeboten versorgt. Sie können zudem für Auswechslungen abstimmen und Treffen mit Vereinslegenden gewinnen. W-Lan ist im gesamten Stadion verfügbar. 

Die Digitalisierung des Stadions, das Iraola jeden Tag vor Dienstbeginn zur Besichtigung durch den Spielertunnel betritt, ist jedoch nur ein Teil der großen Erneuerungswelle. Etwa 40 Projekte hat der Macher seit 2016 mit seinen sechs Mitarbeitern angeschoben. "Wir mussten fast alles in Frage stellen, um alle Arbeitsabläufe zu verbessern", erklärte Iraola. Dabei begann der Vorreiter sehr simpel. "Einige Mitarbeiter stellten fest, dass die Computer ein wenig langsam waren", so der Familienvater. 

Iraola macht Klub reich

Hinter den Innovationsplänen steht das Bestreben, die Einnahmen des Klubs zu vervielfachen. In den vier Jahren unter Iraola haben zum Beispiel die Aufstockung und Neugestaltung des Online-Shops zu einem Umsatzwachstum von mehr als 80 Prozent geführt.

Das Stadion von San Sebastian wurde in den vergangenen Jahren komplett saniert
Das Stadion von San Sebastian wurde in den vergangenen Jahren komplett saniert © Imago

Nun rollt die Welle weiter. Der YouTube-Kanal des Vereins soll monetarisiert werden. Mit Firmen und Marken werden Gespräche geführt, damit sie in der Realzale-App werben dürfen. Nutzer der App sollen dann bei diesen Anbietern günstigere Preise erhalten. In naher Zukunft soll auch eine Videoplattform entstehen, bei der dann vereinseigene Inhalte zu sehen sind. 

San Sebastian führt Digitalisierungs-Allianz an

Inzwischen holt San Sebastian in der "Sport Innovation Alliance" weitere Profimannschaften mit ins Boot. Im November 2019 übernahmen die Spanier die Führung in der Gemeinschaft von 22 Teams aus 21 verschiedenen Ländern. Zu den Mitgliedern gehören Cagliari aus Italien oder Feyenoord Rotterdam aus den Niederlanden. 

Sie wollen gemeinsam die Entwicklung von Innovationen zur Verbesserung der wirtschaftlichen und digitalen Struktur der einzelnen Teams in Angriff nehmen. "Wir treffen uns alle zwei Wochen und manchmal sogar jede Woche. Wenn die Pandemie vorbei ist, ist es das Ziel, alle sechs Monate eine Konferenz in einem anderen Land abzuhalten, um Wissen auszutauschen und Synergien zu schaffen", erklärte Iraola.

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Er selbst will jedenfalls mit aller Macht weiter daran arbeiten, dass sein Herzensverein der Konkurrenz weiter enteilt. Immerhin hat Iraola lange für seinen Traumjob gekämpft. 2008 klopfte er erstmals an die Tür des Vereins. Damals hatte er San Sebastian ein internes Kommunikationssystem angeboten und bekam eine Absage. 

Iraola: Revolutionär mit Hartnäckigkeit

Der Revolutionär zeigte aber Durchhaltevermögen und kehrte Jahr für Jahr mit neuen Ideen zum spanischen Erstligisten zurück - und fragte aber auch bei anderen Vereinen an. Als Belohnung für seine Hartnäckigkeit schlug der Vorstand von Real Sociedad 2016 schließlich vor, er solle den Bereich der Digitalisierung leiten und auch alle Abteilungen der Organisation reformieren.

Iraola musste nicht lange überlegen und krempelte den zweimaligen Meister komplett um. Dank ihm erleben die Zuschauer die Spiele des Tabellenführers nun ganz anders als er selbst als Kind. 

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