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München - Vor ein paar Monaten kannten wohl nur eingefleischte Spanienkenner den FC Cádiz. Spätestens seit dem vergangenen Wochenende sollte der Name den meisten ein Begriff sein.

Wie man den FC Barcelona in 44 Sekunden auf die Verliererstraße bringt, zeigte Álvaro Negredo am vergangenen Wochenende in beeindruckender Manier.

Der 35-jährige Angreifer von Aufsteiger FC Cádiz nutzte einen kapitalen Abwehrfehler von Clément Lenglet gnadenlos aus, spitzelte den Ball an Marc-André ter Stegen vorbei und ließ Frenkie de Jong ins Leere grätschen, bevor er den Ball ins leere Tor einschob. (SERVICE: Tabelle La Liga)

Es war der Siegtreffer zum 2:1. Was danach folgte waren pure Emotionen. Spieler, Trainer, Verantwortliche – alle lagen sie sich in den Armen, als würden sie es selbst gar nicht so richtig glauben können, was sich da gerade abspielte.

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Cádiz gelingt Historisches

Der Aufsteiger aus der andalusischen Hafenstadt hatte soeben nach 1991 wieder das große Barca bewzungen. Doch nicht nur die Katalanen wurden von Cádiz in dieser Saison schon böse überrascht - nein, auch Real Madrid blamierte sich im Oktober beim 0:1 im heimischen Estadio Alfredo DiStéfano.

Erstmals seit in Spaniens höchster Spielkasse 20 Mannschaften vertreten sind, gewann ein Aufsteiger in der Hinrunde gegen Real Madrid und Barcelona. Das alles führt dazu, dass Cádiz nach zwölf Spielen in La Liga sensationell auf Platz fünf liegt und mit 18 Punkten vier Zähler mehr als der FC Barcelona auf dem Konto hat. Unglaublich.

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Cádiz 2016 noch in der 3. Liga

Das südspanische Märchen ist auch ein Verdienst von Álvaro Cervera.

Am 18. April 2016 übernahm er das Traineramt. Damals spielte Cádiz noch in der Segunda División B - Grupo IV. Das ist die 3. Liga in Spanien. Dem 55-jährigen Übungsleiter gelang nur wenige Wochen nach seinem Amtsantritt der Aufstieg.

In Spaniens zweithöchster Spielklasse formte Cervera ein Team, dass stets um die vorderen Plätze mitspielte und vor vier Monaten nach 14 Jahren die Rückkehr in die erste spanische Liga feierte.

In dieser Saison stellte Cervera das Spiel seiner Mannschaft ein wenig um. Er legt großen Wert auf die Defensive. Das zahlt sich aus. Erst 13 Gegentreffer kassierte Cádiz. Die Mannschaft besticht durch Leidenschaft und Aggressivität - und ist eingespielt. Nur Schlussmann Ledesma und Jens Jönsson standen als Neuzugänge gegen Barcelona in der ersten Elf.

Das Team profitiert zudem von seiner Erfahrung. (SERVICE: Ergebnisse und Spielplan La Liga)

Lediglich Osasuna hat ein höheres Durchschnittsalter.

Cádiz spielt Real Madrid schwindelig

Ballbesitz hat für Cervera nicht die oberste Priorität. Gegen Barcas Starensemble um Lionel Messi kam Cádiz nur auf 18 Prozent Ballbesitz. Überhaupt hat kein anderes Team in Spaniens Beletage so selten den Ball in den eigenen Reihen.

Mit 32 Prozent ist man in dieser Statistik Letzter. Wie wichtig ein gutes und schnelles Umschaltspiel ist, zeigt Cádiz. Mit überfallartigen Kontern spielten die Gelb-Blauen Real Madrid phasenweise schwindelig. Vor dem Tor zeigte sich die Cervera-Elf äußerst kaltschnäuzig.

Einen großen Anteil am Aufstieg hatte Álex Fernández. 13 Tore und sechs Vorlagen steuerte der zentrale Mittelfeldspieler in der Vorsaison bei, damit war er der Top-Scorer der Andalusier. Mit seinen Leistungen machte der 28-Jährige auch in der Bundesliga auf sich aufmerksam.

Werder Bremen nahm Fernández im Sommer ins Visier. Auch der AC Florenz soll seine Fühler nach ihm ausgestreckt haben.

Doch Fernández blieb in Cádiz. In dieser Saison ist er allerdings noch nicht in Fahrt gekommen, steht bei null Scorerpunkten.

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In dieser Saison geht Routinier Negredo voran. Nicht nur wegen seines Treffers gegen Barcelona überzeugt der Torjäger, der für Spaniens Nationalelf insgesamt 21 Mal auflief und dabei zehn Treffer erzielte.

Mit seiner Erfahrung, seiner Ausstrahlung und seinem Torinstinkt wird Negredo in den Strafräumen des Gegner nach wie vor gefürchtet. Seine Bilanz mit 114 Toren in 273 La Liga-Spielen spricht schließlich für sich.

Negredo ist ein absoluter Gewinn für Cádiz. Dabei war er schon ein wenig auf dem Abstellgleis geraten, als er fast zwei Jahre für Al-Nasr Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten spielte.

Topscorer Negredo

Er hätte seine Karriere weiter dort ausklingen lassen und gutes Geld verdienen können, doch Cádiz überzeugte Negredo von einer Rückkehr nach Spanien. Ein Glücksfall! Drei Tore und drei Assists stehen für ihn nach neun Spielen zu Buche.

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Auch wenn er in dieser Spielzeit bislang nur ein einziges Mal durchspielte und auch schon aufgrund einer Beinverletzung zwei Spiele aussetzen musste, dürfen sich die Verantwortlichen um Präsident Manuel Vizcaíno für diesen ablösefreien Transfer auf die Schultern klopfen.

Dennoch ist Negredo nur ein Teilchen des Erfolgspuzzles. Am Montag gegen Celta Vigo kann Cádiz weiter für Furore sorgen.

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