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München - Julian Draxler findet im zentralen Mittelfeld ein neues Zuhause, das er durch gute Leistungen zementiert. Dennoch droht neue Konkurrenz - aus Deutschland.

Im Herbst stand Julian Draxler vor einer ungewissen Zukunft.

Beim Neuaufbau der Nationalmannschaft zogen Leroy Sane und Serge Gnabry im Vollsprint am ehemaligen Schalker vorbei, bei Paris Saint-Germain war die Konkurrenz um Neymar, Kylian Mbappe und Angel di Maria übermächtig.

Draxler stand am Wendepunkt seiner Karriere, als einziger Ausweg aus der Misere erschien ein Wechsel. Dazu kam es bekanntlich nicht, stattdessen nutzte der 25-Jährige eine Lücke im hochwertig besetzten PSG-Kader: Lassana Diarra meldete sich wegen einer Knieverletzung auf unbestimmte Zeit ab, Adrien Rabiot beförderte sich mit seinem Transferwunsch selbst ins Abseits.

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Draxler auf den Spuren von Kroos und Schweinsteiger

Plötzlich stand mit Marco Verratti nur noch eine hochkarätige Kraft für das zentrale Mittelfeld zur Verfügung. PSG-Trainer Thomas Tuchel reagierte und beorderte Draxler vom offensiven Flügel nach hinten. Damit ging der Nationalspieler den gleichen Weg wie einst Bastian Schweinsteiger oder Toni Kroos, die ebenfalls - äußerst erfolgreich - vom Flügelspieler zum Strategen im zentralen Mittelfeld umgeschult wurden.

Seit November ist Draxler ein wichtiger Teil der Startformation, in den nationalen Wettbewerben hat er seinen Platz im Starensemble sicher. Achtmal in Serie stand Draxler in der Liga in der Startelf. Am Samstag zeigte er auch wieder seine offensiven Qualitäten und bereitete beim 3:0 gegen Amiens die Tore von Mbappe (70.) und Marquinhos (79.) vor. Wahlweise als Teil der Doppelsechs oder - bei einem Dreier-Mittelfeld - auf der Acht - nimmt Draxler die Rolle als Aufbauspieler ein und setzt seine Mitspieler mit öffnenden Pässen stark in Szene.

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Tuchel sucht Neuzugang für die Doppelsechs

"Wir sind Paris St. Germain. Und wir mögen es nicht zu verlieren, vor allem nicht zwei Spiele in Folge", meinte Draxler nach der Partie in Bezug auf das peinliche Aus im Ligapokal gegen EA Guingamp unter der Woche. "Deshalb war es wichtig, dass wir gewinnen. Ich glaube nicht, dass wir schon bei 100 Prozent sind. Das hat man auf dem Platz gesehen", gab der Weltmeister in perfektem Französisch zu Protokoll.

Allerdings saß Draxler in den immens wichtigen Champions-League-Partien gegen den FC Liverpool (2:1) und Roter Stern Belgrad (4:1) zu Beginn auf der Bank. Tuchel setzte dabei in der Doppel-Sechs neben Verratti auf Marquinhos, der aus der Innenverteidigung vorgezogen wurde und größere defensive Qualitäten als Draxler hat. Außerdem sucht Tuchel noch im Winter dringend eine Fachkraft im defensiven Mittelfeld.

Weigl als neuer Konkurrent?

Diese soll eine Mischung aus einem "zweiten Verratti und einem zweiten Marquinhos" sein, betonte Tuchel vor einigen Wochen. Als Favorit hat sich dabei offenbar Tuchels Ex-Schützling Julian Weigl herauskristallisiert. Der Dortmunder wird seit Wochen mit PSG in Verbindung gebracht, bislang führten die Verhandlungen aber zu keinem Durchbruch.

Draxler wird darauf hoffen, dass die Suche im Januar erfolglos bleibt, um seine neue Rolle weiter zementieren zu können. Im zentralen Mittelfeld könnte auch seine Perspektive in der Nationalmannschaft liegen.

Im neuen 4-3-3-System von Bundestrainer Joachim Löw sind lediglich Joshua Kimmich (zentral) und Toni Kroos (halblinks) im Mittelfeld gesetzt, die halbrechte Position könnte Draxler übernehmen.

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