Lesedauer: 3 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - Thomas Tuchel klagt der Öffentlichkeit zum wiederholten Male sein Leid. Der ehemalige BVB-Coach zettelt einen Machtkampf bei PSG an. Riskiert er damit seinen Job?

Tuchel, der Rebell!

Die Titelseite des französischen Sportmagazins L’Equipe zierte am Dienstag ein Bild des Trainers von PSG mit eben jener prägnanten Schlagzeile.

Die Hände in den Taschen seiner Jacke, weit aufgerissener Mund, brüllend. Offensichtlich verärgert.

Anzeige

Ein Symbolbild für die vergangenen Wochen, in denen Tuchel mit zunehmender Regelmäßigkeit die Nerven verliert.

"Am Sonntagabend wurde Tuchel wieder der Tuchel aus Dortmund", schrieb die französische Fachzeitschrift. Jener Tuchel also, der die Konfrontation mit Entscheidungsträgern sucht.

Tuchel motzt: "Unmöglich, so zu arbeiten"

Nach der bitteren 1:5-Pleite gegen den OSC Lille kritisierte er zum wiederholten Male öffentlich die Kaderplanung seines Klubs.

"Ich hatte zum zehnten Mal in dieser Saison nur 15 Spieler auf dem Spielbericht. Es ist unmöglich, so zu arbeiten", schimpfte er.

"Ich vermisse Rabiot und Lassana Diarra, das werde ich dem Präsidenten sagen", erklärte Tuchel und kündigte eine "ehrliche Analyse" mit seinem Sportdirektor Antero Henrique an.

Tuchel im Clinch mit seinem Sportdirektor

Der ist allerdings bekanntermaßen kein großer Freund des Trainers, auch weil Tuchel immer wieder seine Arbeit hinterfragt.

Der ehemalige BVB-Coach macht unter anderem Henrique für den personellen Engpass verantwortlich, weil er bei Verhandlungen mit potenziellen Neuzugängen versagt habe.

Jetzt das aktuelle Trikot von Paris Saint-Germain bestellen - hier geht's zum Shop! | ANZEIGE

"Wir müssen alles reflektieren, weil so ist es viel zu viel. Wir müssen ehrlich zueinander sein und die wahren Gründe dafür herausbekommen", sagte Tuchel.

Frankreichs Presse ruft bereits einen Machtkampf wie zu Dortmunder Zeiten aus.

Tuchel gewinnt Machtkampf mit Mislintat beim BVB

Beim BVB gab es Zwist mit Kaderplaner Sven Mislintat. Der neue Sportdirektor des VfB Stuttgart flüchtete, Tuchel blieb, später erklärte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke es sei ein Fehler gewesen, Mislintat eineinhalb Jahre wie einen Aussätzigen zu behandeln.

Was also passiert mit Henrique?

Tuchel macht mehr oder weniger offen deutlich, dass er sich in Sachen Transfers mehr Mitspracherecht, beziehungsweise die Entscheidungsgewalt wünscht. "Tuchel will die Macht", bringt es die L’Equipe auf den Punkt.

Meistgelesene Artikel

Tuchels Außendarstellung fragwürdig

Allerdings wird Henrique nach aktuellem Stand auch in der kommenden Saison beim französischen Hauptstadtklub unter Vertrag stehen.

Schwächt man nun dennoch dessen Position? Oder geht Tuchel am Ende gar als Verlierer aus dem Machtkampf hervor?

Die aktuelle Außendarstellung und äußerst negative Kommunikation des 45-Jährigen werde laut L’Equipe teilweise als zu provokant aufgefasst und intern durchaus kritisch betrachtet. Man befürchtet eine Isolation.

Erstmals wird in Frankreich die Vertragsverlängerung mit dem deutschen Trainer, die zwar noch nicht offiziell verkündet wurde, aber ab dem 01.07.2019 greifen wird, in Zweifel gezogen.

PSG-Boss steht hinter Tuchel

Zwar habe Tuchel nach wie vor die Rückendeckung von Vereinspräsident Nasser Al-Khelaifi, die finale Entscheidung über dessen Zukunft werde aber nicht in Pariser Büros getroffen, sondern im Emirat Katar.

Dieses wird von Scheich Tamim bin Hamad Al Thani regiert. Ein Jugendfreund Al-Khelaifis, der nun sein engster Vertrauter und Bevollmächtigter in der Sache Sport ist. Aber eben auch sein Weisungsempfänger.

Als Laurent Blanc im Juni 2016 nach drei Meistertiteln in Serie seinen Platz räumen musste, soll es - so erzählt man es sich in Frankreich - Scheich bin Hamad Al Thani gewesen sein, der den Daumen senkte.

Nur vier Monate nachdem Blancs Vertrag verlängert worden war.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image