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Die Saison in der französischen Ligue 1 ist bereits zwei Spieltage alt. Bei Paris Saint-Germain herrscht schon ordentlich Unruhe - nicht nur wegen Neymar.

Am 27. April dieses Jahres beendete Stade Rennes die vergangene Saison mit dem Pokalsieg gegen Paris Saint-Germain. Für den Hauptstadtklub und Trainer Thomas Tuchel war die Niederlage der passende Abschluss einer unzufriedenstellenden Spielzeit.

Nun, knapp vier Monate später, ist es abermals der Klub aus der bretonischen Hauptstadt, der die großen Probleme von Paris Saint-Germain aufdeckt. Die 1:2-Niederlage am vergangenen Sonntag steht sinnbildlich für die aktuelle Situation beim Scheichklub.

Verletzungssorgen und Fitnessprobleme

"Wir hatten sowohl in der Offensive als auch in der Defensive noch Probleme", gab sich Tuchel nach der Auswärtsniederlage konsterniert. Probleme, die sich in der französischen Hauptstadt schon längst nicht mehr auf die Geschehnisse auf dem Platz beschränken.

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Mit Thilo Kehrer, Presnel Kimpembe und Layin Kurzawa sind gleich drei wichtige Abwehrakteure verletzt oder krank. Mit Ander Herrera fällt der neue Spielmacher, der von Manchester United gekommen ist, ebenfalls aus. Für Tuchel scheint hier der Grund für das schwache Auftreten seiner Mannschaft gefunden: "Wir haben nicht alle Profis zur Verfügung und sind nicht in der Verfassung, um so ein Spiel zu bestreiten."

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In der Offensive weiten sich die Probleme auf ein Maximum aus. Während Ángel Di María und Edinson Cavani nach Einsätzen bei der Copa América sowie anschließendem Urlaub noch nicht vollständig fit wirken, dreht sich seit Wochen fast alles nur um den dritten Südamerikaner.

Die Zukunft von Neymar in der französischen Hauptstadt ist weiterhin völlig offen. Selbst die Verantwortlichen bei PSG wissen nicht, wie es weitergeht. Eins ist für Tuchel allerdings klar: "Neymar wird den Verein nicht ohne Ersatz verlassen. Das ist nicht möglich." 

Sowohl der FC Barcelona als auch Real Madrid sollen Gespräche mit PSG-Sportdirektor Leonardo führen, zuletzt soll sogar auch Juventus Turin Kontakt aufgenommen haben. Neymar selbst pausiert aktuell aufgrund einer Knöchenverletzung, hat seit Beginn der Vorbereitung nicht mit seinen Mannschaftskollegen trainiert.

PSG-Stars "vermissen Neymar"

Bei allen Diskussionen scheinen die Verantwortlichen durchaus noch auf eine Zukunft von Neymar zu hoffen. "Wenn er spielt, dann haben wir einen Spieler, der Eins-gegen-eins-Situationen gewinnt, was manchmal notwendig ist", beschrieb Tuchel die Stärken des 27-Jährigen. Im Falle eines Abgangs müsste PSG also einen Spieler verpflichten, der ähnliche Qualitäten einbringen kann.

Das Transferfenster in Frankreich schließt, wie das deutsche, am 2. September.

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Der ehemalige BVB-Coach betont immer wieder, dass Neymar zur aktuellen Mannschaft gehöre und er eben jene Spieler "immer beschützen" werde.

Auch die Mitspieler wünschen sich einen Verbleib des Superstars.

Kapitän und Landsmann Thiago Silva erklärte nach der Rennes-Niederlage: "Wie Barcelona Messi vermisst, so vermissen wir auch Neymar. Das sind Spieler, die sich von allen anderen abheben. Er könnte auf nur einem Bein unglaubliche Dinge vollbringen."

Das Risiko für Tuchel, Neymar in den Kader zu reintegrieren, wäre also nicht allzu hoch. Auch, weil die Alternativen in der Offensivabteilung fehlen. Bei allem Respekt gegenüber den Qualitäten von Julian Draxler, Jesé Rodríguez und Pablo Sarabia.

Noch kein Nachfolger für Trapp

Neben den großen Sorgen um die nötige Kreativität in der Offensive, hakt es bei PSG aber auch noch auf der Position zwischen den eigenen Torpfosten. Nachdem Gianluigi Buffon zu Juventus Turin zurückgekehrt ist und der zuvor bereits verliehene Kevin Trapp an Eintracht Frankfurt verkauft wurde, steht Alphonse Aréola seit Anfang August konkurrenzlos im Tor.

Der polnische U20-Nationaltorhüter Marcin Bulka füllte bisweilen den Bankplatz, kann aber noch keine ernsthafte Alternative sein.

Immer wieder wird der italienische Schlussmann Gianluigi Donnarumma mit den Parisern in Verbindung gebracht. Der 20-Jährige ist zwar noch bis 2021 vertraglich an den AC Mailand gebunden, könnte jedoch im Hinblick auf die Financial Fairplay-Bedingungen wichtige 50 Millionen Euro in die Kassen Milans spülen.

Die französische Sportzeitung L‘Équipe berichtete zuletzt auch von Gedankenspielen um Reals Schlussmänner Thibaut Courtois sowie Keylor Navas. Sollte einer der beiden nach Paris wechseln, würde Aréola, der seinen Kontrakt im vergangenen Dezember bis 2023 verlängert hatte, künftig neben dem 19 Jahre alten Torwarttalent Marcin Bulka wohl von der Bank zusehen müssen.

Tuchel bleibt gelassen

Trotz der vielen Baustellen im Kader, versucht sich Tuchel in Besonnenheit: "Wir müssen jetzt Geduld haben und Vertrauen in uns. Wir können nicht alles infrage stellen nach einem schlechten Ergebnis." Auf seine Jobsicherheit angesprochen erklärte der 45-Jährige kurz und knapp: "Ich habe keinen Druck."

Auch wenn PSG den "Fehlstart" in der französischen Liga schnell wieder wettmachen kann, misst sich der Erfolg auch in dieser Saison einmal mehr an der Champions League. Sollten es die Franzosen auch in dieser Saison wieder nicht über das Viertelfinale hinaus schaffen, könnte die größte Prüfung für Thomas Tuchel dann auch schnell zu seiner letzten als Trainer von Paris Saint-Germain werden.

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