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München - Der Neymar-Verbleib und der Luxuskader versprechen viel bei Paris Saint-Germain. Doch Trainer Thomas Tuchel stehen zig hausgemachte Konflikte ins Haus.

Nicht nur die Fans von Paris Saint-Germain dürften angesichts der vielen klangvollen Namen und Offensiv-Optionen für den nächsten Anlauf auf den Champions-League-Titel mit der Zunge schnalzen.

Allen voran wegen Superstar Neymar (der bekanntlich doch bei PSG bleibt), dazu Kylian Mbappé, Edinson Cavani, Ángel Di María und Top-Torjäger Mauro Icardi (ausgeliehen von Inter Mailand). Dann noch Julian Draxler, Eric Maxim Choupo-Moting, der in dieser Spielzeit bereits dreimal traf, sowie 18-Millionen-Neuzugang Pablo Sarabia.

Gleichzeitig mag man angesichts der daraus wahrscheinlich entflammenden Konflikte allerdings nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. 

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Besonders mit Blick auf Trainer Thomas Tuchel. Denn dem Trainer stehen spannende bis turbulente Wochen ins Haus. Pulverfass Paris statt Traumjob für Tuchel: Sein neues Star-Ensemble könnte den Deutschen unfreiwillig zum Krisenmanager mutieren lassen. SPORT1 erklärt, wo die Lunte sich am schnellsten entzünden dürfte. 

PULVERFASS NEYMAR:

Der Megastar muss wieder in ein Mannschaftsgefüge integriert werden, dessen Teil er eigentlich nicht mehr sein möchte. Im Zuge der Spekulationen um eine Rückkehr zum FC Barcelona war der Brasilianer außen vor, stand in dieser Saison noch gar nicht auf dem Platz.

Auch unabhängig davon ist Neymar immer für eine Eskapade gut und hat wegen seiner nicht vorhandener Bindung zu Verein und Team mittlerweile viele gegen sich aufgebracht. Unlängst hatte Draxler zugegeben, die Zusammenarbeit mit Neymar und manch anderem Top-Star sei "manchmal nicht einfach".

Die Arbeitsbedingungen für Tuchel scheinen durch den Verbleib des Ausnahmespielers keineswegs entspannter geworden zu sein.

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Zumal sich im Luxus-Kader noch zig andere Hochveranlagte tummeln, die ihre Ambitionen im Kampf um die Startelf durch ihr übersteigertes Ego überlagern. Während Neymar und der bald genesene Mbappé (Muskelfaserriss) wohl gesetzt sind, ist von den für den Dreiersturm noch infrage kommenden Cavani (noch an der Hüfte verletzt) und Icardi nicht zu erwarten, sich langfristig mit einer Reservistenrolle abzufinden.

Bereits vor knapp einem Jahr hatte L'Équipe erfahren, dass sich Cavani wegen Neymar und Mbappé nicht mehr als Superstar fühle, außerdem sauer sei, weil die beiden so gut wie keine Defensiv-Aufgaben übernähmen. Icardi wiederum ist mit Wanda Nara verheiratet, die als seine Managerin dafür gefürchtet ist, die Konfrontation mit den Arbeitgebern ihres Mannes zu suchen. Schon jetzt maulte die 32-Jährige im argentinischen TV: Wäre es es nach ihr gegangen, hätte es den Transfer nicht gegeben. "Unter den Optionen, die wir hatten, war PSG für mich die schlechteste. Aber ich habe an ihn gedacht."

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Auch di María und Mittelfeld-Mann Marco Verratti gelten keineswegs als Leisetreter, so dass Willy Sagnol bei RMC Sport die berechtigte Frage aufwirft: "Wie also wird Thomas Tuchel das managen? Von den fünf großen Stars kann er höchstens vier pro Spiel aufstellen. Er kann nicht alle fünf gemeinsam bringen, das ist unmöglich. Also, wer wird sich auf die Bank setzen?"

Der frühere Bayern-Akteur ist sich sicher: "Wenn du morgen zuhause gegen Brest oder Saint-Étienne spielst und Neymar steht bei 21 Toren, Mbappé bei 22 - dann kann ich dir sagen, dass sich Mbappé ganz sicher nicht auf der Bank sitzen will. Seit der Übernahme von PSG durch die Kataris gibt es eine Konstante in Paris - und zwar, dass die Spieler machen, was sie wollen."

PULVERFASS ANSPRUCHSHALTUNG:

Neben den Stammelf-Ansprüchen üben auch die Untertanen des Emirs um Präsident Nasser Al-Khelaifi, die inzwischen fast eine Milliarde Euro in den Klub investiert haben, immensen Druck aus: Die Meisterschaft wird ohnehin vorausgesetzt. Doch wurmt es jedes Jahr mehr, dass PSG trotz der Mega-Investitionen nie über das Viertelfinale in der Champions League hinauskam. Das Timing für den Gewinn des Henkelpotts ist aber auch in dieser Saison eher schlecht: Gleich nach der Länderspiel-Pause geht es gegen Real Madrid.

Tuchel, seit gut einem Jahr im Amt, ist sich durchaus im Klaren darüber, dass es für ihn keine Rücksichtnahme und auch keine Entschuldigungen gibt - und sagte deshalb unlängst: "Nicht der Trainer entscheidet alles in einer solchen Situation – in einem großen Klub mit einem sehr, sehr großen Spieler."

"Zwei Saisons pro Person lautet das übliche Muster in Paris: eine zum Aufbau, die andere, um dem Schwert der Ungeduld zum Opfer zu fallen", schrieb Bild-Kolumnist Rob Hughes kürzlich. Tuchels Vorgänger Carlo Ancelotti, Laurent Blanc und Unai Emery können davon ein Lied singen.

PULVERFASS TAKTIK UND TUCHEL:

Für Zündstoff könnte auch Tuchel selbst sorgen. Der frühere Dortmunder, ein die Offensive liebender Konzepttrainer, kassierte bei Stade Rennes bereits am zweiten Spieltag seine erste Saisonpleite. So einen Saisonstart hatte Paris St. Germain nicht mehr seit der Spielzeit 2011/2012 erlebt.

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Inzwischen rangiert PSG zwar wieder wie gewohnt an der Spitze, doch nach wie vor wirkt PSG anfällig - und manches wie Harakiri-Fußball. "Wir verlieren zu viele Bälle in der eigenen Hälfte. Das gefällt uns überhaupt nicht", resümierte Tuchel. Die Spieler wiederum äußerten zuletzt offenbar immer unverhohlener ihren Unmut über Tuchels Taktik.

Nach der Rennes-Pleite sollen sich Le Parisien zufolge zwei Akteure über die Ausrichtung unterhalten haben. Dabei soll einer gefragt haben: "Weißt du, in welchem System wir heute gespielt haben?" - "Nein, wie immer", soll der andere geantwortet haben.

Spannende Frage, wie Tuchel intern wie öffentlich darauf reagieren wird. Schließlich schreckt der pedantische Taktikfuchs nicht davor zurück, selbst zur Reizfigur zur werden: Geht ihm etwas gegen den Strich, kann der 46-Jährige auch schon mal zur Furie werden, wie seine vorherigen Stationen in Mainz und beim BVB gezeigt haben.   

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