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Der OSC Lille ist momentan die Mannschaft der Stunde in der Ligue 1. Der Erfolg ist vor allem aufgrund der Transferaktivitäten des Vereins beeindruckend.

Den Tabellenführer in Frankreich zu benennen, ist keine schwierige Aufgabe für einen Fußball-Fan. In den letzten acht Jahren wurde Paris Saint-Germain sieben Mal Meister und auch vor dieser Saison wäre jeder andere Tipp nur müde belächelt worden.

Doch nach sieben Spieltagen stand plötzlich ein anderer Verein ganz oben: Der OSC Lille. Die Bretonen sind bisher noch ungeschlagen und haben schon 17 Punkte auf dem Konto. (Tabelle der Ligue 1)

Zwar hat PSG am Samstag vorgelegt und die Spitzenposition zurückerobert, aber schon am Sonntagabend könnte Lille durch einen Sieg gegen Nizza wieder an den Parisern vorbeiziehen. (Ligue 1: OGC Nizza - OCS Lille ab 17 Uhr im LIVETICKER)

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OSC Lille: Ausbildungsverein par excellence

Das besondere am LOSC: Kontinuität für den Meister von 2011 ist ein Fremdwort, jedenfalls was den Kader angeht. Lille ist spätestens seit dem Amtsantritt von Luís Campos als Sportdirektor ein Ausbildungsverein, wie er im Buche steht.

Seit der Portugiese im Jahr 2017 die Transfergeschicke übernahm, erwirtschaftete er einen unglaublichen Transfergewinn von 125,2 Mio. Euro. Dafür verkaufte er unter anderem Nicolas Pépé für 80 Mio. Euro an Arsenal und Victor Osimhen für 70 Mio. Euro an Neapel. Doch derart namhafte Abgänge bedeuten keinesfalls einen Leistungsabfall, im Gegenteil.

Der Jugendklub von Eden Hazard hat sich seit zwei Jahren in der Spitzengruppe der Ligue 1 festgesetzt. In den vergangenen beiden Saisons wurde Lille zweiter und vierter. Winkt in diesem Jahr der ganz große Wurf?

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Unmöglich scheint es aufgrund des holprigen Starts der Pariser nicht. Die Mannschaft des LOSC ist trotz der Abgänge des Top-Torjägers Osimhen und des Stamminnenverteidigers Gabriel (Arsenal) wieder richtig gut aufgestellt. Osimhen wurde durch Jonathan David von KAA Gent ersetzt.

Halb Europa jagte den 20-jährigen Kanadier. Unter anderem soll der FC Bayern an ihm dran gewesen sein. Er entschied sich für den guten Ruf der Franzosen und stand in allen bisherigen Saisonspielen in der Startelf. Lille ließ ihn sich stattliche 27 Mio. Euro kosten.

Die Top-Transfers der Zukunft

In der Innenverteidigung sicherte sich der Verein die Dienste des niederländischen Top-Talents Sven Botman. Der 20-Jährige kam für acht Millionen Euro von der zweiten Mannschaft von Ajax und wurde in Lille ebenfalls sofort zum Stammspieler.

Neben diesen Neuzugängen ist ein alter Bekannter aus der Bundesliga einer der Schlüsselspieler beim LOSC. Renato Sanches wurde vergangenen Sommer für 20 Mio. Euro von den Bayern verpflichtet und ist seither in der Mittelfeldzentrale gesetzt.

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Ihm zur Seite stehen einige weitere junge Spieler mit viel Potenzial. Die bisher auffälligsten sind der Türke Yusuf Yazici (23) und die beiden Franzosen Jonathan Bamba (24) und Jonathan Ikoné (22). Letzterer wurde im Sommer mit dem BVB in Verbindung gebracht.

Im Kader finden sich so einige Namen, denen ein ähnlicher Weg wie Osimhen oder Pépé zuzutrauen ist. Auch zu einem ähnlichen Preis.

Fonte und Yilmaz: Die Mischung machts

Doch der aktuelle Erfolg von OSC Lille ist keineswegs nur auf die jungen Wilden zurückzuführen. Zusammengehalten wird das Konstrukt durch einige gestandene Fußballprofis, die teilweise ihren 30. Geburtstag schon lange hinter sich haben.

Die wichtigsten sind der zentrale Mittelfeldspieler Benjamin André (30), der Innenverteidiger und Kapitän José Fonte (36) und der Stürmer Burak Yilmaz (35). Yilmaz wurde erst diesen Sommer verpflichtet und verdeutlicht einmal mehr das enorme Transfergeschick von Luís Campos.

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Der Türke kam ablösefrei von Besiktas Istanbul und schlug voll ein in der Ligue 1. Drei Tore und eine Vorlage stehen nach sieben Spielen zu Buche. Es sind zwar die Top-Talente, die beim LOSC für Aufsehen sorgen, doch Spieler wie Burak Yilmaz oder José Fonte sind für den nachhaltigen Erfolg ebenfalls enorm wichtig.

Nachdem unter der Woche ein souveräner 4:1-Sieg in der Europa League gegen Prag eingefahren wurde, möchte die Mannschaft der Stunde gegen Nizza die Tabellenführung zurückerobern.

Vielleicht sorgt die gute Arbeit beim OSC Lille in Zukunft ja sogar dafür, dass die Frage nach dem französischen Tabellenführer etwas schwieriger zu beantworten ist.

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