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Die MLS ist gespickt mit Topstars © Getty Images / Imago
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München - Der Fußball in den USA wird meist belächelt. Doch die Major League Soccer ist auf dem Vormarsch. Top-Stars versprechen eine goldene Zukunft.

Die USA ist eine der größten Sportnationen der Welt. Das beweisen unter anderem die 46 Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro.

Doch im Fußball haben die Amerikaner Nachholbedarf. Soccer hat in Übersee längst nicht die Strahlkraft wie überall anders auf der Welt.

Die amerikanische Profiliga MLS tut indes alles dafür, ihren Stellenwert zu erhöhen. Als vorläufiges Highlihght steht das Playoff-Endspiel zwischen den Seattle Sounders und dem FC Toronto (So., ab 2.00 Uhr) an.

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Eine Chronologie der Fußball-Aufholjagd in der Major League Soccer. 

Beckham wurde zum Trendsetter

Die Übernahme der New York Metro Stars durch einen österreichischen Getränkehersteller vor gut zehn Jahren war Stein des Anstoßes. Die Liga erlangte durch die New York Red Bulls eine ganz andere Wahrnehmung.

Als erster Weltstar heuerte David Beckham bei Los Angeles Galaxy an und löste damit eine Bewegung aus. Bis heute folgen viele namhafte Fußballer seinem Beispiel und lassen ihrer Karriere in den Staaten ausklingen. So wie Kaka in Orlando, Andrea Pirlo in New York, Didier Drogba in Montreal oder Nelson Valdez bei Finalist Seattle.

Stars unterwandern Gehaltsgrenze

Erst eine schlaue Regeländerung in den MLS-Statuten machte die Spielklasse für ältere Elitefußballer lukrativ. Wie jede der großen nordamerikanischen Sportligen ist auch die Major League durch ein sogenanntes Salary Cap bestimmt. Eine Gehaltsobergrenze, durch die Spieler pro Jahr maximal 335.000 Dollar verdienen dürfen.

Die sogenannte "Designated Player Rule" erlaubt jedoch Ausnahmen. Pro Team dürfen drei Spieler mehr einnehmen. Seitdem Beckham in den USA kickt, wird diese Regel auch die Beckham-Regel genannt.

Dabei macht die Regel durchaus Sinn: Auf diese Weise kann das Niveau der MLS langfristig gesteigert werden - auch ohne einheimische Talente. Denn die wandern meist ins sportlich attraktivere Ausland ab. Ein Beispiel ist der Dortmunder Christian Pulisic. Der 18-Jährige wechselte von der Pennsylvania Classics, einer Fußballakademie, in die Bundesliga.

Bei der Jugend ist die MLS kult

Zwar kicken kaum eigene Talente in der MLS, dafür ist das Interesse beim Nachwuchs umso größer. Die Ballungsräume um viele Metropolen beheimaten mindestens ein MLS-Team. Immer mehr junge sportbegeisterte Menschen können sich mit der Mannschaft ihrer Region identifizieren.

Laut Forbes sind 55 Prozent der MLS-Zuschauer zwischen 18 bis 49 Jahre alt. Einen derart jungen Altersschnitt weist keine andere nordamerikanische Profi-Ligen auf. Zudem geht diese Generation Fans in die Stadien, anstatt sich das Spiel vor dem TV anzusehen. Der durchschnittliche Zuschauerschnitt liegt bei 21.558. Damit liegt die MLS im weltweiten Vergleich aller Fußball-Ligen auf dem siebten Platz.

Das wachsende Interesse wollen Teams und Verband nutzen und die Liga kontinuierlich vergrößern. So planen die Portland Timbers eine Zuschauer-Aufstockung in ihrer Heimspielstätte, da die derzeitige Kapazität nicht mehr ausreicht. In Washington und St. Louis sind gar Neubauten geplant.

Fußball in allen Himmelsrichtungen

Atlanta, Minneapolis, Los Angeles und Miami sollen neue Mannschaften bekommen. Wobei in Florida wieder David Beckham als Teamleiter seine Finger im Spiel hat. Für den Engländer ist "Soccer" in den USA auf dem aufsteigenden Ast: "Ich sah, was für ein unglaubliches Potential im amerikanischen Fußball steckt, aber man muss es richtig machen", sagte er jüngst in einem Interview.

Ein Stadion mit moderner Technik, einem Schiebedach und nachhaltiger Energieversorgung soll das Prunkstück seiner Idee werden. "Fußball ist der aufregendste Sport der Welt. Viele Amerikaner sehen das inzwischen so. Es fehlen ihnen aber die Stars und die Strahlkraft in Europa", so der 41-Jährige.

Beckham war bereits als Spieler Botschafter für den amerikanischen Fußball. Wenn er diese Rolle als Teamleiter ähnlich erfolgreich meistert, könnte er den Fußball in den USA auf ein noch höheres Level hieven.

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