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München - Fabian Herbers erlebte das Karriereende von Bastian Schweinsteiger bei Chicago Fire als Teamkollege. Bei SPORT1 schildert der MLS-Profi den emotionalen Moment.

Vergangene Woche erfuhr es Fabian Herbers als einer der ersten - wenig später schoss die Nachricht über die sozialen Netzwerke um den Globus.

Bastian Schweinsteiger verkündete sein Karriereende als aktiver Fußballprofi, nachdem er zuletzt seit März 2017 für Chicago Fire in der Major League Soccer (MLS) gespielt hatte.

Einer der Teamkollegen des 121-maligen deutschen Nationalspielers in seiner letzten Saison war Landsmann Fabian Herbers. Seit Sommer 2013 lebt der gebürtige Ahauser in Amerika und debütierte im Frühjahr 2016 in der MLS für Philadelphia Union.

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Nach seinem Wechsel an den Lake Michigan Ende 2018 spielte der heute 26-Jährige regelmäßig Seite an Seite mit Bastian Schweinsteiger für Chicago Fire - und sprach nun bei Split It!, dem interaktiven SPORT1-Format auf Instagram, über dessen emotionalen Abschied und den Fußball in den USA.

Chicago Fire verpasst Playoffs

Drei Zähler fehlten dem Team aus der drittgrößten amerikanischen Stadt zum Erreichen der Playoffs in der MLS. Mit einem 5:2-Auswärtssieg am letzten Spieltag beim Orlando City SC schloss Chicago am 6. Oktober eine enttäuschende Spielzeit 2019/20 ab.

"Leider konnten wir nur punktuell, wie beim 5:1-Sieg gegen Meister Atlanta United, unser volles Potenzial abrufen", resümiert Herbers die Saison, in die Chicago mit dem dritthöchsten Liga-Etat Anfang März gestartet war.

Die Ernüchterung war folglich groß, dennoch blickt der Rechtsaußen bereits zuversichtlich auf die nächste Saison: "Wir ziehen in das aktuelle Football Stadion der Chicago Bears um. Das liegt zentraler, da wird mehr los sein. Unsere Fans und der Verein freuen sich sehr darauf."

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Herbers geht dann in seine bereits fünfte MLS-Spielzeit, nachdem er zuvor in Deutschland nicht über die Oberliga Niederrhein hinausgekommen war.

"Der Sprung zum Profi schien mir zu groß"

"Talent hatte ich schon immer, der Sprung zum Profi schien mir aber zu groß und ich wollte nicht nur in der Regionalliga spielen", erinnert sich der gebürtige Ahauser an seine Zeit beim VfL Rhede (2012/13) zurück. 

Zuvor hatte er in der Jugend unter anderem für Twente Enschede in den Niederlanden sowie Preußen Münster in der U19-Bundesliga West gespielt. "Ich wollte unbedingt studieren, was mit der dritten oder vierten Liga in Deutschland schwer vereinbar ist", sagt Herbers, der sich 2013 schließlich für die College-Option in Amerika entschied, bei der die Trainingspläne auf das Studium abgestimmt sind.

Bis 2016 spielte er für die Creighton Bluejays, dann folgte im Alter von 23 Jahren der Draft zu Philadelphia Union - und seine MLS-Karriere nahm Fahrt auf.

Oft wird er gefragt, wie das Leistungsniveau in der MLS im Vergleich zur Bundesliga in Deutschland sei. "Einige der besseren Vereine könnten vielleicht in der 1. Bundesliga mithalten, schwächere Teams dürften auch in der 3. Liga ihre Probleme haben", schätzt Herbers ein, der die MLS "allgemein mit der 2. Bundesliga" gleichsetzt.

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Der 26-Jährige kann sich durchaus vorstellen, irgendwann nach Deutschland zurückzukehren. Der durch den Podcast "Gemischtes Hack" entfachte Hype um seine Person hätte ihm zumindest schon mal viele Fans verschafft. 

Der Fußball in den Vereinigten Staten werde laut Herbers grundsätzlich mehr als Entertainment und weniger als reine Leidenschaft definiert. "Ein Klub wird einfach als Business angesehen, als Geschäft, das Geld machen will", schildert er seine Erfahrungen und Wahrnehmungen aus nunmehr über sechs Jahren in Amerika.

Gemeinsame Zeit mit Schweinsteiger 

In Deutschland werde das "fast verurteilt", da dort der grundsätzliche Gedanke anders sei. "Die Leute hängen wirklich an dem Klub. In Deutschland gibt es viele passionierte Fußballfans, deren Leben quasi der Verein ist. In Amerika wird das generell mehr akzeptiert, dass es ein Business ist, das Geld machen und den Fans auch eine Show darbieten will."

Persönlich gefalle dem BVB-Fan die deutsche Sichtweise "ein bisschen besser", da ein Fußballklub dort "Tradition und leidenschaftliche Fans" habe. In den USA wollen die Leute "einfach entertaint" werden. 

Als sein Wechsel zu Chicago Fire Ende 2017 immer mehr Formen annahm, war der Verbleib von Bastian Schweinsteiger am Lake Michigan noch unklar. "Als raus kam, dass er um ein weiteres Jahr verlängert, habe ich natürlich Freudensprünge zuhause gemacht", erinnert sich Herbers zurück. 

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Er sei "der Held von Rio gewesen" und habe das WM-Finale 2014 als bester Spieler auf dem Platz "quasi im Alleingang" gewonnen: "Hätte mir an jenem Abend jemand gesagt, dass ich in fünf Jahren gemeinsam mit ihm auf dem Platz stehe und sogar sein Teammate bin, ich hätte jeden für verrückt erklärt", sagt der 26-Jährige, der damals noch im College war und für den Jahre später ein "Traum in Erfüllung" ging.

Schweinsteigers emotionaler Abschied

Am Morgen des abschließenden Saisonspieltags teilte Schweinsteiger zunächst Herbers und dem Ex-Kieler Kenneth Kronholm seine Entscheidung vor dem Frühstück mit. 

"Weil er gedacht hat: Jungs, mit euch bin ich ein bisschen enger. Ich will euch das jetzt schon sagen, dass ich nach dem Spiel aufhören werde, dass das mein letztes Spiel ist", habe Schweinsteiger erklärt und Herbers mit der Nachricht "schon ein bisschen traurig" gemacht.

Das Highlight sei später nach dem Spiel gefolgt, als Schweinsteiger beginnend mit den Worten "Jungs, ich wollte auch noch was sagen", das Wort ergriff.

"Er ist vor der ganzen Mannschaft aufgestanden, hat sich bei allen bedankt und hatte auch Tränen in den Augen. Das war schon sehr emotional", berichtet Herbers im Gespräch bei Split It!. Danach sei "Totenstille in der Kabine" gewesen, nur Schweinsteiger habe geredet und sich bei allen bedankt.

Deutsche Schlager in Chicago

Neben seiner fußballerischen und menschlichen Klasse behält Herbers vor allem Schweinsteigers Lieder in den Katakomben in Erinnerung.

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"Er hat deutsche Schlager wie Helene Fischer in der Kabine gespielt. Die Amis haben sich dann alle umgeschaut und sich gefragt, was der denn da jetzt spielt. Er hat halt getanzt und mitgesungen und immer für gute Stimmung gesorgt. Das war schon relativ witzig."

Seinen Mitspielern bei Chicago Fire habe Schweinsteiger vor allem mitgegeben, dass sie "die Dankbarkeit und den Spaß" am Fußball nie verlieren und gleichzeitig "hart dafür arbeiten" sollten.

"Man muss glücklich sein und dankbar für seinen Job", seien mit die letzten Worte Schweinsteigers an seine Mannschaftskollegen gewesen, bevor kurz darauf die Nachricht von seinem Rücktritt weltweit im Eiltempo die Runde machte.

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