Lesedauer: 4 Minuten
teilenE-MailKommentare

Charlie Lyon kann man wohl als Notnagel einer ganzen Liga bezeichnen - der Torwart ist vereinslos, aber spielt trotzdem. Möglich macht's der MLS-Keeper-Pool.

Charlie Lyon hat den wohl ungewöhnlichsten Job in der Fußball-Welt - in Europa kaum vorstellbar, in den USA aber mittlerweile gang und gäbe, arbeitet der 28-Jährige Torwart als sogenannter "Pool Keeper" in der MLS.

Doch was genau bedeutet diese Bezeichnung? Mit einem Bademeister-Job im Freibad hat es jedenfalls nichts zu tun - viel mehr mit einem Notnagel für die ganze Liga. 

Wie auch die NBA wird die abgebrochene Saison in der MLS in der Disney-World-Bubble ausgetragen. Auf dem abgeschotteten Komplex in Orlando, Florida werden vom 8. Juli bis 11. August die 26 Teams im Turnierformat mit Vorrunde und K.o.-Phase ihren Meister ermitteln.

Anzeige

Und neben den eingereisten 26 Teams gibt es eben auch die sogenannten Pool-Keeper. Diese Keeper reisen mit in die Bubble, aber gehören keinem Team an - sie halten sich als Standby-Torhüter fit und springen im Notfall als Ersatz ein - egal wann und egal bei welchem Team.

Meistgelesene Artikel

Fünf Teams an fünf Spieltagen?

Genau so ein Pool-Keeper ist Charlie Lyon. Im Moment trainiert er noch bei Kansas City. Schon im nächsten Moment könnte er jedoch für drei Tage oder eben für drei Monate bei einem anderen Klub zwischen den Pfosten stehen. Oder er könnte an fünf verschiedenen Spieltagen für fünf verschiedene Teams auflaufen - alles ist möglich.

So krass hat es Lyon noch nicht getroffen, aber blickt man auf seine verschiedenen Arbeitgeber beim aktuellen "MLS is back Turnier", kommt man schon auf eine beträchtliche Anzahl von Klubs.

Anfangs trainierte er bei den Portland Timbers, die er dann kurz nach der Ankunft für den New York City FC verlassen musste - nur um dann wieder bei Kansas City zu landen. Ein weiterer möglicher Einsatz für die Vancouver Whitecaps war ebenfalls von Nöten, kam aber durch internationale Transferbestimmungen nicht zu Stande.

Also drei verschiedene Klubs in drei Wochen - wie bereitet man sich als Torwart auf eine derartige Herausforderung vor?

Lyon jedenfalls wählte im Interview mit ESPN einen pragmatischen Ansatz: "So seltsam es auch ist - die Umstände, unter denen ich für eine andere Mannschaft spielen kann - die Einzelheiten bleiben immer noch dieselben: Halt den Ball und gib immer dein Bestes."

Erfahrung als Notnagel

Das Konzept, als Notnagel der Liga zu fungieren, kennt der 28-Jährige auch schon gut.

Nach seinem erfolgreichen Draft bei den Seattle Sounders in 2015, spielt er immer wieder in Kurzverträgen für mehre MLS-Teams, musste aber auch in der letzten Saison im Keeper-Pool der Liga anheuern.

Eben dieser Keeper-Pool ist ein Überbleibsel aus einer anderen MLS-Zeit, als die Teams noch aus viel kleineren Kadern bestanden. In den letzten Jahren erfuhr die Regel nicht viel Zuspruch, da die Profi-Teams mittlerweile über einen breiteren Kader verfügen und so eventuelle Verletzungsmiseren besser abfangen können.

Unterdessen scheint die alte Regel in der neu geschaffenen MLS-Bubble wieder populärer zu werden. Für Charlie Lyon jedenfalls ist es eine Möglichkeit in seiner Karriere nochmal anzugreifen. Eigentlich hatte der Torwart diese schon an den Nagel gehängt und bereits in einem Holzunternehmen angeheuert.

Doch als der Anruf der Liga kam zögerte Lyon nicht lange: "Da ist dieser Junge in mir, der mich zum Profi gemacht hat und er hört, dass der Traum noch am Leben ist -  und dann bist du voll dabei. Ich musste das einfach machen."

DAZN gratis testen und internationale Fußball-Highlights live & auf Abruf erleben | ANZEIGE 

Wie es aber weitergeht nach der abgeschlossenen Saison ist weiterhin unklar, davon will sich der 28-Jährige aber nicht beirren lassen und sieht es weiterhin pragmatisch: "Vielleicht ist das Wappen auf der Brust jeden Tag ein anderes, aber die Bewegungen bleiben die gleichen: Ich versuche immer noch einen Fußball zu fangen."

Nächste Artikel
previous article imagenext article image