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München - Jürgen Klopp will um Titel spielen, auch deshalb wurde der Transfer von Philippe Coutinho gestoppt. SPORT1 erklärt Liverpools Säbelrasseln.

Mit Borussia Dortmund hat Jürgen Klopp vieles gemein. Alles dann aber doch nicht. Am Wochenende war Liverpools Trainer auffällig bemüht, sich von seinem Ex-Verein abzugrenzen. 

Es ging um Ousmane Dembele und Philippe Coutinho, die streikenden Stars dieses Transfersommers.

Dem einen, Dembele, hat die Arbeitsniederlegung beim BVB einen Wechsel zu seinem Lieblingsklub FC Barcelona beschert. Dem anderen, Coutinho, wurde genau dieser Wunsch verwehrt. Obwohl sich der Brasilianer nicht minder bemüht hatte, seinen Abgang zu provozieren.

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Warum war der FC Liverpool nicht so nachgiebig wie Dortmund, wollte ein SPORT1-Reporter von Klopp wissen.  

Klopp verstand die Frage als Herausforderung, die eigene Position zu bestärken. "Wie es Dortmund geregelt hat, bleibt ihnen überlassen", sagte er. "Wir haben unsere Situation."

Unsere Situation. Damit meinte Klopp die Ziele, die Liverpool in dieser Saison anstrebt. Ziele, die es in sich haben. In der Meisterschaft. Im Pokal. In der Champions League. Klopp selbst nennt sie "die aller höchsten". Und Coutinho soll mithelfen, sie zu erreichen. 

Champions League "von unermesslicher Bedeutung"

Liverpool will sich endlich wieder mit Europas Topklubs messen, Titel gewinnen. Jahrelang haben alle an der Anfield Road auf diese Gelegenheit gewartet. Jetzt ist sie gekommen. 

Die Qualifikation für die Königsklasse, die Liverpool gegen 1899 Hoffenheim klar gemacht hat, ist für Klopp "von unermesslicher Bedeutung. Wir haben 14 Monate hart dafür gearbeitet".

Nun, da es um die Lorbeeren geht, kommt diesem Philippe Coutinho entscheidende Bedeutung zu. In Liverpool betrachten sie den Techniker und Zauberfuß als eine Art sportliche Lebensversicherung. Zumindest in Duellen mit den Granden Europas. 

Barcelona hatte in dieser Wechselfrist mehrfach versucht, den 25-Jährigen zu verpflichten. Vergeblich. Freitag Abend, kurz vor Schließen des Transferfensters, erhöhten die Katalanen ihr Angebot noch mal deutlich. Liverpool blieb standhaft. Der Deal platzte endgültig.

Barca-Manager Albert Soler beklagte später, die Engländer hätten den Preis für Coutinho auf 200 Millionen Euro getrieben. Aus Liverpool-Kreisen wird das zwar dementiert. Und doch hat der Klub einem Großen der Branche erfolgreich die Stirn geboten. 

Klopp zum Transfer-Poker: "Wollten genau diese Situation"

Der Transferpoker mit Barca war Klopps Gegenentwurf zu Dortmunds Dembele-Verkauf. Mit verschmitztem Lächeln sagte er bei SPORT1: "Wir wollten genau diese Situation und keine andere. Wir haben weiter einen richtig guten Fußballspieler im Kader." So klingt Liverpools Säbelrasseln gegen die internationale Konkurrenz. 

Europas Topklubs werden sich in Zukunft darauf einstellen müssen, dass bei den Reds wenig zu holen sein wird. Im Transfersommer 2017 ist der Traditionsklub endgültig zu einem Verein geworden, der Stars einkauft oder hält, anstatt sie abzugeben. 

Ein Stück weit ist Liverpool zu diesem Strategiewechsel gedrängt worden. Bei den Transferausgaben in dieser Saison liegen die nationalen Konkurrenten Manchester City (244 Millionen Euro), FC Chelsea (203 Millionen) und Manchester United (164 Millionen) weit voraus. Sogar der FC Everton (158 Millionen) ist in diesem Ranking vorbeigezogen. 

In Sachen Transfers liegt Liverpool (89 Millionen) im Hintertreffen, trotz der Verpflichtungen von Mohamed Salah (42 Millionen) und Alex Oxlade-Chamberlain (38 Millionen). Um so wichtiger, dass es den Verantwortlichen gelungen ist, Coutinho zu halten.

Coutinho erlebt "Moment der Qual"

Der Spieler selbst soll darüber zwar gar nicht erfreut sein. Landsmann Neymar ließ am Samstag ausrichten, sein Kollege aus der Nationalmannschaft erlebe derzeit einen "Moment der Qual, Enttäuschung und Trauer". Aber auch das wird Klopp hinbekommen mit seiner charmanten Art.

Als man ihn neulich nach seiner Meinung zu Transferverhandlungen fragte, antwortete Liverpools Trainer: "Spieler, mit denen man verlängern will, sagen: 'Ich will in der Champions League spielen.' Ich denke da immer: Was soll der Scheiß? Es ist doch euer Job, dafür zu sorgen."

Nicht auszuschließen, dass dieses Argument am Ende auch bei Philippe Coutinho zieht.

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