vergrößernverkleinern
Manchester United v Swansea City - Premier League
Die Zukunft von Paul Pogba bei Manchester United ist ungewiss © Getty Images
teilenE-MailKommentare

München - Paul Pogba war zu Manchester United gekommen, um den Klub in glorreiche Zeiten zu führen. Doch unter Trainer Jose Mourinho ist seine Zukunft ungewiss.

Jose Mourinho blieb mehrere Sekunden stehen, er dachte nach. Die Pressekonferenz des Trainers von Manchester United war eigentlich schon beendet, als ein Journalist noch eine Frage stellte.

Manchester-United-Legende Paul Scholes hatte die Leistung von Paul Pogba bei der Heimpleite gegen West Bromwich als "respektlos" gegenüber Mourinho bezeichnet. Was er davon halte?

Die Denkpause des Portugiesen endete. Er widersprach der Einschätzung von Scholes, doch Pogbas Leistung sei "überhaupt nicht gut" gewesen. Es war der nächste Akt in einem Stück, das von Mourinhos Beziehung zu seinem Schützling handelt und fast wöchentlich weitergedreht wird.

Preisschild für Pogba

Beide sind angeblich unzufrieden miteinander: Pogba, weil er nicht immer spielt; Mourinho, weil Pogba nicht immer gut spielt. Sogar über einen Verkauf des Franzosen soll der englische Rekordmeister nachdenken. Preisschild: knapp 160 Millionen Euro.

Es wäre das große Scheitern eines Hochgejubelten und Hochbegabten, der der nächste Held sein sollte. Für 105 Millionen Euro - damals Weltrekordablöse - war der Mittelfeldspieler 2016 von Juventus Turin gekommen, er sollte das neue Gesicht der Red Devils werden und wieder glorreiche Tage einläuten.

Die erste Saison endete mit dem Titel in der UEFA Europa League. Pogba erzielte im Finale gegen Ajax Amsterdam das erste Tor, führte seine Mannschaft damit in die Champions League. Es hörte sich nach dem perfekten Einstand für den ersehnten Retter an.

Die UEFA Europa League LIVE im TV auf SPORT1

In dieser Saison im Achtelfinale der Königsklasse angekommen, gehörte er in den beiden Duellen gegen Sevilla dann nicht zur Startelf. Das Verdienst aus dem Vorjahr war kein Pfand, und glücklich sind in Manchester nur wenige mit dem Rekordtransfer des Klubs.

Pogba würdigt Mourinho keines Blickes

Pogbas Leistungen fehlt die Konstanz. Jüngstes Beispiel: Gegen Stadtrivale Manchester City drehte der 25-Jährige mit zwei Toren das Spiel, aus einem 0:2 wurde ein 3:2, und City musste die Meisterfeier um eine Woche verschieben. Im besagten Spiel gegen West Brom nahm ihn Mourinho nach 58. Minuten nach schwacher Leistung vom Feld.

Pogba würdigte seinen Trainer keines Blickes, wollte zunächst nicht auf der Bank Platz nehmen und im Spielertunnel verschwinden. Erst Michael Carrick holte ihn zurück. Die Situation zeigt auch: Pogba hadert und ist unzufrieden mit seinen Leistungen.

Der Druck, der auf ihm lastet, ist aber nicht nur intern. In seiner Zeit in Turin zeigte er, wie er ein Spiel an sich reißen kann. Die Erwartungen an den Franzosen sind entsprechend groß, vielleicht noch größer als seine Ablöse. Aber warum funktioniert Pogba bei ManUnited (noch) nicht?

Pogba muss Sanchez' Rücken freihalten

Das System Mourinho zwängt den bulligen Franzosen ein, beraubt ihn seiner Stärken. Pogba braucht Freiheiten, um sein Spiel aufzuziehen. Im Trikot der Red Devils muss er aber seinen Vorderleuten den Rücken freihalten. Seit der Ankunft von Alexis Sanchez hat sich die Situation noch verkompliziert, weil Pogba sich an den Stil des Chilenen erst gewöhnen muss.

Dabei zeugen die Zahlen, die Pogba produziert, von seiner Stärke. Zehn Tore hat er in dieser Saison in der Premier League schon vorbereitet, das ist der fünftbeste Wert der Liga. Unter den Spielern, die noch besser als er sind, brauchen nur zwei weniger Minuten pro Vorlage.

Leroy Sane bereitet durchschnittlich alle 172 Minuten einen Treffer vor, Kevin De Bruyne alle 185 Minuten. Dann kommt schon Pogba mit einem Assist alle 188 Minuten. Seinen offensiven Drang spiegeln auch seine Torabschlüsse wider. In der United-Truppe führt er diese Statistik an (2,7/Spiel)! Sogar vor Stürmer Romelu Lukaku (2,6). Fünf Tore erzielt Pogba so in der Liga.

Pogbas Zukunft fraglich

Würde Mourinho den Freigeist von seinen defensiven Fesseln befreien, erschienen noch mehr Torbeteiligungen möglich. Aber Mourinhos Mannschaften sind perfekt aufeinander abgestimmte Maschinen, da ist kaum Platz für Exzentriker wie Pogba.

Dessen Mannschaftsgeist zieht inzwischen nicht nur sein Coach in Zweifel. "Er ist mehr Showpony als Spielmacher", sagte der frühere englische Nationalspieler Martin Keown in seinem Beitrag der Daily Mail. "Er spielt zu viel für die Galerie, ich kann Mourinhos Frustration komplett nachvollziehen." 

Andeutungen, dass er gehen will, machte Pogba selbst aber noch nicht. Anfang April beteuerte er, er habe "kein Problem" mit dem Trainer. Zu einem Wechsel sagte er: "Es ist zu früh, das zu sagen. Die Situation kann sich ändern."

Ob sich etwas ändert, wird auch von Mourinho abhängen und davon, ob der Manchester-Trainer seine Ideen auf seinen teuersten und wohl auch begabtesten Spieler zuschneidet. Doch davon ist nach Lage der Dinge nicht auszugehen. Laut ESPN hat Pogbas Berater Mino Raiola bereits Kontakte zu Paris Saint-Germain geknüpft.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image