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München - Manchester City verliert die Spitze der Premier League aus den Augen. Trainer Pep Guardiola wirkt ratlos. Die Gründe für die Krise sind vielfältig.

Pep Guardiola wirkte fassungslos. Nur der fehlenden Kaltschnäuzigkeit von Jamie Vardy war es zu verdanken, dass Manchester City bei Leicester City nicht noch höher verlor.

Der englische Nationalstürmer vergab eine riesige Torchance, die ManCitys Offensivstar Bernardo Silva mit einem katastrophalen Fehlpass eingeleitet hatte. Eine Szene, die symptomatisch für die aktuelle Situation des Meisters steht.

Die Skyblues haben den Anschluss an Tabellenführer FC Liverpool nach drei Niederlagen in den letzten vier Spielen verloren. Sieben Punkte beträgt der Rückstand auf die Reds. Sogar Tottenham Hotspur liegt mit einem Zähler Vorsprung nun vor City.

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Doch wieso strauchelt das Team von Star-Trainer Guardiola trotz eines Traumstarts in die neue Saison? SPORT1 analysiert die Gründe der Krise.

Verletzungen und hohe Belastung

Zu behaupten, dass die Citizens am Stock gehen, wäre übertrieben. Doch das Verletzungspech ist dem nächsten Champions-League-Gegner des FC Schalke 04 derzeit treu.

Linksverteidiger Benjamin Mendy fehlt schon länger, zwischenzeitlich mussten Kevin De Bruyne, David Silva und Sergio Agüero passen.

Viel schwerwiegender ist jedoch der Ausfall von Mittelfeldroutinier Fernandinho. Mit ihm hat City in der Premier League bislang noch nicht verloren, ohne ihn kassierte die Mannschaft zuletzt zwei Pleiten in Folge (2:3 gegen Crystal Palace und 1:2 in Leicester).

Insgesamt fehlt der Mannschaft die Spritzigkeit, von der das guardiolasche Spiel lebt. Die immense Belastung in den vergangenen Monaten – ManCity tanzt noch auf vier Hochzeiten – verlangt ihren Tribut.

Probleme in der Defensive

Die wachsende Müdigkeit dürfte auch einen Beitrag zu den ungewohnten Unzulänglichkeiten im Defensivverbund der Skyblues leisten. Manchester hat in den ersten 19 Partien mit 15 Gegentoren bereits mehr als doppelt so viele kassiert wie Primus Liverpool (7).

Seit dem 4:0 gegen West Ham Ende November hat City in neun Partien immer mindestens ein Tor zugelassen.

"Natürlich macht uns das Sorgen", haderte Guardiola. Eine Erklärung hatte der Spanier aber auch nicht parat. "Wir haben es nicht geschafft, so wie immer zu spielen", konstatierte Bernardo Silva.

Insbesondere nach Standardsituationen des Gegners muss Torhüter Ederson auffällig oft hinter sich greifen. Auch konteranfällig präsentiert sich das Starensemble derzeit, Aussetzer wie der von Bernardo Silva in Leicester tragen nicht zur Stabilität bei.

Fluch des Titelverteidigers und Jäger-Problem

Schon rein statistisch dürfte es für den Scheich-Klub schwer werden, sich erneut zum Meister auf der Insel zu krönen. Letztmals gelang es Manchester United vor zehn Jahren, den nationalen Titel zu verteidigen.

Zudem ist Guardiola die Rolle als Jäger nicht gewohnt. Bei fast allen seiner sieben Meisterschaften als Trainer hatte der 47-Jährige zu diesem Zeitpunkt der Saison bereits Vorsprung auf die Konkurrenz.

Stärkere Konkurrenz

Und die ist in dieser Spielzeit noch stärker als in der letzten. Liverpool hat in der Liga bislang noch keine Niederlage kassiert.

Tottenham zog mit einer beeindruckenden Siegesserie an den Citizens vorbei, die Maschinen der Spurs laufen auf Hochtouren. "Zwei Teams sind besser als wir", sagte Guardiola und forderte: "Wenn wir sie wirklich herausfordern wollen, müssen wir wieder gewinnen."

Zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison, als ManCity mit 100 Punkten und 106 geschossenen Toren zur Rekord-Meisterschaft stürmte, wäre der Klub mit den aktuell ergatterten 44 Punkten sogar Herbstmeister geworden. Doch Liverpool (51) und die Spurs (45) sind schlicht und ergreifend besser drauf.

Effektivität der Gegner

Was Guardiola mit am meisten fuchsen dürfte, ist die gnadenlose Chancenverwertung, mit der die gegnerischen Mannschaften seinem Team zuletzt die Punkte klauten. Gegen Crystal Palace und in Leicester war jeweils der erste Torschuss drin.

Und während ManCity wie beispielsweise in Person von Leroy Sane aktuell das Aluminium-Pech verfolgt, erzielen die Gegner ein Traumtor nach dem anderen. "Heute war es wieder ein fantastisches Tor", stellte Guardiola am Abend des Boxing Day gegen Leicester ernüchtert fest.

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