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Tottenham Hotspur wird derzeit von Hiobsbotschaften gebeutelt, jetzt hat sich auch noch Alli verletzt. SPORT1 blickt auf die Misere beim Champions-League-Gegner des BVB.

Mauricio Pochettino kann einem richtig leid tun. In der entscheidenden Phase der laufenden Saison muss der Coach der Tottenham Hotspur womöglich auf zwei Schlüsselspieler verzichten.

Am Sonntag gegen Fulham verletzte sich Flügelflitzer Dele Alli ohne Fremdeinwirkung an der Achillessehne und musste kurz vor Ende der Partie ausgewechselt werden. Wie schwer die Verletzung ist, war nach dem Spiel nicht abzusehen. "Es ist eine Verletzung an der linken Achillessehne. Wir hoffen, es ist nichts Schwerwiegendes, müssen aber noch die Untersuchungen abwarten", erklärte Pochettino, dessen Sorgen sich durch einen Alli-Ausfall noch vergrößern würden.

Kane fehlt lange - Son beim Asien-Cup

Bereits am Dienstagnachmittag hatte den Trainer die erste Hiobsbotschaft erreicht. Mit Toptorschütze Harry Kane wird ihm sein wichtigster Mann in der entscheidenden Phase der Saison fehlen. Der Stürmer hatte sich bei der Niederlage gegen Manchester United eine Bänderverletzung in seinem schon häufig lädierten Knöchel zugezogen und fällt laut offiziellen Klubangaben bis Anfang März aus.

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Damit fehlt Kane und unter Umständen auch Alli den Spurs im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund am 13. Februar. Mindestens.

Auch Kanes Einsatz im entscheidenden Rückspiel am 5. März im Signal-Iduna-Park ist in Gefahr. Der Ausfall wiegt schwer, denn der 25-Jährige hat in bisher 217 Partien für Tottenham unglaubliche 155 Tore erzielt.

Die Verletzungen kommen ohnehin zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. Heung-min Son, ehemaliger Bundesligaprofi und Kanes kongenialer Partner in der Spurs-Offensive, weilt mit der südkoreanischen Nationalmannschaft beim Asien-Cup in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Sollte Südkorea unter Sons Mithilfe das Endspiel am 1. Februar erreichen, fehlt auch der zweitbeste Torschütze der Spurs noch in mindestens vier Partien. Dies stellt Trainer Pochettino vor die schwere Aufgabe, für Ersatz im Sturmzentrum zu sorgen.

Keine überzeugende Alternativen

Im Kader der Spurs befindet sich noch der brasilianische Flügelstürmer Lucas Moura, der die Rolle in vorderster Front übernehmen könnte. Diese Option erscheint am wahrscheinlichsten, birgt jedoch auch Risiken. Zu Anfang der Saison zeigte er zwar gute Auftritte als zweiter Angreifer neben Kane, als Alleinunterhalter trat er noch nicht auf. Zu allem Überfluss verpasste er zuletzt zwei Partien wegen einer Knieverletzung.

Der erfahrene Fernando Llorente, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, kommt in dieser Saison nicht über 36 gespielte Minuten in der Premier League hinaus. Immerhin traf der 33-jährige Spanier zuletzt im FA-Cup gegen den Viertligisten Tranmere Rovers dreifach.

Der Niederländer Vincent Janssen, den Tottenham im Sommer 2016 für über 20 Millionen Euro aus Alkmaar verpflichtete, spielt unter Pochettino keine Rolle und kam in nur einer Partie für die U23 der Nord-Londoner zum Einsatz. Wird Tottenham also noch einmal auf dem Wintertransfermarkt aktiv?

Selke als möglicher Ersatz?

Nach dem bestätigten Abgang von Mousa Dembele nach China wird zwar ein Kaderplatz frei, jedoch sprach Pochettino im Dezember noch davon, dass er kein Geld für Neuverpflichtungen zur Verfügung habe. Der Daily Star berichtete zuletzt von einem Interesse an Liverpools Stürmer Divock Origi. Pochettino würde den ehemaligen Wolfsburger demnach gerne bis zum Ende der Saison ausleihen.

Fraglich ist jedoch, ob Liverpool-Coach Jürgen Klopp ohne Not einem direkten Konkurrenten unter die Arme greifen würde. Laut dem deutschen Portal FussballTransfers schielt Pochettino auch auf den Bundesliga-Stürmer Davie Selke von Hertha BSC.

Eriksen und Pochettino heiß umworben

Neben den Personalsorgen in der Offensive kochen auch Wechselgerüchte um einen wichtigen Stammspieler immer wieder auf. Der umworbene Däne Christian Eriksen liebäugelt laut der spanischen Sportzeitung AS mit einem Wechsel zu Real Madrid.

Auch die direkten Konkurrenten Manchester City und Chelsea sollen Interesse an einer Eriksen-Verpflichtung zeigen. Eine Verlängerung seines noch bis 2020 laufenden Vertrags bei Tottenham sei unwahrscheinlich, berichtet das Blatt weiter. Somit wären die Spurs im kommenden Sommer gezwungen, den Kreativkopf zu verkaufen, wenn sie ihn nicht ablösefrei verlieren wollen.

Nicht nur einige Spieler sind umworben, auch Pochettino selbst scheint für andere Klubs attraktiv. Seit der Entlassung von Jose Mourinho bei Manchester United wird der Argentinier immer wieder als Nachfolger des Portugiesen gehandelt.

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Erst im Mai 2018 hatte Pochettino seinen Vertrag im Norden Londons bis 2023 verlängert. Die Times berichtet, dass er bei einem vorzeitigen Abschied 37 Millionen Euro Ablöse kosten würde. Pochettino selbst dementierte die Gerüchte zuletzt gegenüber Sky: "Es wird hier nicht noch eine Pressekonferenz geben, die vom Gerede über Manchester United bestimmt wird." Trotz des Dementis bringen die Spekulationen Unruhe in den Verein.

Unruhe an der White Hart Lane

Auch das Verhalten von Serge Aurier trägt nicht unbedingt zu mehr Ruhe bei. Der ivorische Nationalspieler wurde laut übereinstimmenden Medienberichten vor der Partie gegen Manchester United verhaftet. Der 26-jährige soll eine handfeste Auseinandersetzung mit seiner Partnerin gehabt haben, sei nach dem Vorfall aber wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Das Spiel gegen Manchester United verpasste er jedoch. Aurier war auch bei seinem Ex-Klub Paris Saint-Germain schon negativ aufgefallen, als er seinen damaligen Trainer Laurent Blanc in einem Video beschimpft hatte. Ein Tottenham-Sprecher bestätigte den Vorfall unlängst.

Nicht nur in der Mannschaft kriselt es, auch die Führungsetage des Klubs hat mit ihren Problemen zu kämpfen. Der Bau des neuen Stadions kommt nicht wie geplant voran. Eigentlich hätte die "New White Hart Lane" längst eröffnet werden sollen. Alle Heimspiele bis mindestens Mitte Februar werden in das vor allem bei den Fans unbeliebte Ausweichstadion in Wembley verlegt.

Der Verein verzichtete auf die Beauftragung eines Generalunternehmens und vergab jeden Auftrag an eine andere Firma. Die Folge: ein großes Chaos und ein mehrmals verschobener Eröffnungstermin. Die Begegnung mit Borussia Dortmund findet also im Wembley-Stadion statt.

Noch ein Nachteil für die derzeit so gebeutelten Spurs.

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