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Louis van Gaal hält Ole Gunnar Solskjaer nicht für den Messias von Manchester
Louis van Gaal hält Ole Gunnar Solskjaer nicht für den Messias von Manchester © Getty Images
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Van Gaal hat seine Entlassung bei Manchester United noch nicht verdaut und kann die Euphorie um Interimscoach Ole Gunnar Solskjaer kaum nachvollziehen.

BBC-Journalist Simon Stone war der erste Engländer, der Louis van Gaal nach drei Jahren zu einem exklusiven Print-Interview in Portugal treffen durfte.

Der Niederländer verriet dabei, dass er zur Premier-League-Saison 2014/15 fast Trainer von Tottenham Hotspur geworden wäre, sich dann aber für ManUnited entschied.

Zudem kann der 67-Jährige den ganzen Hype um Ole Gunnar Solskjaer nicht verstehen. Ein Rückblick.

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Van Gaal: "Tottenham wäre bessere Wahl gewesen"

Nach der WM 2014 lief van Gaals Vertrag bei der Elftal aus, sodass sich damals einige Top-Klubs um den scheidenden niederländischen Bondscoach bemühten.

"Tottenham wäre eine bessere Wahl gewesen, da United ein altes Team war. Ich wusste, dass ich es verändern muss", sagte van Gaal. "War es die falsche Wahl? Vielleicht, aber ich folgte meinem Herzen. Ich trainierte die beste Mannschaft in den Niederlanden (Anm. der Red.: Ajax Amsterdam), Deutschland (FC Bayern), Spanien (FC Barcelona) und dann also in England."

Damals wollte das "Feierbiest" nur einen Zwei-Jahres-Vertrag bei den Red Devils unterschreiben. Mit 65 Jahren sollte Schluss sein mit dem Trainerdasein. Doch die Glazer-Familie, der ManUnited gehört, sowie Vize-Präsident Ed Woodward überredeten ihn zu drei Jahren, was er im Nachhinein bereute.

"Manchester United hatte sieben Spieler über 30", erklärte der Erfolgscoach. "Wir haben beim Vorstellungsgespräch darüber gesprochen. In meinem ersten Jahr haben wir uns für die Champions League qualifiziert. Im zweiten haben wir den FA-Cup gewonnen." Trotzdem musste sich van Gaal in der Rückrunde 2015/16 stets zu den Spekulationen um seine Entlassung und zur möglichen Ablösung durch Jose Mourinho äußern.

Ex-United-Coach kritisiert Klubführung und Medien

Die Medien hatten sich voll auf Mourinho eingeschossen, was viel Unruhe in seine Mannschaft und das Umfeld brachte. Was dem Ex-Bayern-Coach dabei am meisten aufstieß, war nicht das Mourinho-Gerücht, sondern dass Verhalten der Klubverantwortlichen.

"Was ich nicht mochte, war, dass Woodward meinen Nachfolger kontaktierte und sechs Monate lang den Mund hielt, obwohl er wusste, dass er (Anm. der Red.: Mourinho) mich ersetzen sollte. Jeden Freitag musste ich in PKs gehen und mich den Fragen stellen, was ich von den Gerüchten halte. Was bedeutet das für die Autorität des Coaches…?"

Den FA-Cup zu gewinnen, als ihm "die Medien sechs Monate lang eine Schlinge um den Hals gelegt hatten, war meine größte Leistung", erklärte van Gaal, der sich diesen Seitenhieb gegen die englischen Medien nicht verkneifen konnte - und legte gleich nach.

"Die Leute denken, dass wir Fake-News erst haben, seitdem Donald Trump US-Präsident ist. Im Fußball haben wir sie seit 50 Jahren", redete er sich in Rage. "Die Medien analysieren das Spiel nicht. Vielmehr analysieren sie nur das Ergebnis." Und das sei falsch.

ManUnited erfolgreich wegen Mourinho, nicht Solskjaer

Um diese Aussagen zu verstärken, zog van Gaal einen Vergleich zwischen der Taktik und Spielweise von Mourinho sowie Solskjaer: "Der Trainer nach mir wechselte zur Park-den-Bus-vor-dem-Tor-Taktik und spielte auf Konter. Jetzt gibt es einen anderen Trainer, der den Bus parkt und auf Konter spielt. Der Hauptunterschied zwischen den beiden besteht darin, dass Solskjaer gewinnt." Mehr nicht.

Der Niederländer sieht zwar durch die Erfolge eine Verbesserung der Atmosphäre in Uniteds Umfeld sowie die Positionsveränderung von Paul Pogba, der unter Solskjaer nun vor zwei absichernden Sechsern glänzen kann, stichelt aber trotzdem gegen die Spielweise des Norwegers:

"Die Art und Weise, wie Manchester jetzt spielt, ist nicht die Art und Weise, wie Alex Ferguson gespielt hat. Es handelt sich um defensiven, auf Konter ausgelegten Fußball. Wenn es dir gefällt, dann gefällt es dir", erklärte der 67-Jährige. "Wenn du denkst, dass es aufregender ist als mein langweiliger Angriffsfußball, okay. Aber es ist nicht meine Wahrheit!"

Und die Euphorie, den ganzen Hype um Solskjaer kann und will van Gaal nicht verstehen:

"Es ist sehr wichtig, dass sich ManUnited für die Champions League qualifiziert, so wie damals mit mir. Sie können sogar die Champions League gewinnen, weil sie defensiv gut stehen und es sehr schwierig ist, sie zu schlagen. Aber: Ob man will oder nicht. Das ist das Ergebnis von Mourinhos Arbeit." Und eben nicht der von Solskjaer.

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