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Manchester und München - Klublegende Vincent Kompany macht sich mit seinem Traumtor unsterblich und ManCity schon fast zum Meister. Der Aufstieg des einstigen HSV-Flops ist einmalig.

Von solchen Momenten träumt jeder Sportler.

Bastian Schweinsteiger opfert sich für den WM-Titel komplett auf, Michael Jordan versenkt den entscheidenden Wurf zum sechsten NBA-Titel.

Der perfekte Abschied von der ganz großen Bühne gelingt nur wenigen Stars. Welche Chance hatte da Vincent Kompany auf dem Rasen des Etihad Stadiums? Dort, wo er zum Weltklassespieler, Anführer, Kapitän und zur Teamlegende von Manchester City geworden war.

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Kompany - ein Mann für große Momente 

Natürlich würde er 25 Meter vor dem Tor von Leicester City beim Stand von 0:0 und einem dringend benötigten Tor, um im Meisterduell mit dem FC Liverpool die Spitze zurückzuerobern, nicht treffen.

Die Mitspieler riefen "Schieß nicht!", Trainer Pep Guardiola rief "Schieß nicht!", die Leicester-Spieler wähnten sich in Sicherheit, hielten Abstand und stellten mögliche Anspielstationen zu. Nur Kompany glaubte daran.

"Ich habe noch kein Tor gemacht in dieser Saison. Aber ich habe immer das Gefühl, dass ich in großen Momenten etwas machen kann - auf welche Art und Weise auch immer", sagte Kompany bei SkySports.

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Falls City am Wochenende den Titel gegen Brighton perfekt macht, wird Kompanys Traumtor in den Winkel wahrscheinlich als der Schlüsselmoment in die Geschichte eingehen.

Damit hat sich der Belgier bei den Citizens endgültig unsterblich gemacht - es dürfte für ihn der perfekte Abgang sein.

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Denn sein Vertrag läuft am Ende der Saison aus, Kompany ist mittlerweile 33 Jahre alt und kein Stammspieler mehr. Nach elf Jahren und mehr als 350 Pflichtspielen wird er das hellblaue Trikot im Sommer wohl ausziehen müssen.

Guardiola - wie man ihn kennt - ließ die anstehende Trennung durchblicken: "Er ist ein unglaublicher Mensch, er hat mir so viel geholfen. Dieser Klub ist wegen Vincent, was er heute ist. Nach dem Ende der Saison entscheiden wir bei einem Bier, was für ihn und den Klub am besten ist."

Abschied aus Manchester? Aber kein Rücktritt

Kompany selbst schloss nach seinem Glanzstück ein Karriere-Ende aus. "Ich weiß noch nicht, wie es weitergeht. Aber ich werde auf keinen Fall aufhören. Ich werde weiter jedes Spiel so bestreiten, als wäre es das letzte meiner Karriere", sagte der Held von Manchester.

Es ist schon ein unglaublicher Weg, den Kompany bestritten hat. Als belgisches Jahrhunderttalent gefeiert, kam er 2006 zum Hamburger SV. Bis 2012 war er noch der teuerste Zugang der Vereinsgeschichte, verkam aber zum dauerverletzten Flop. Nicht wenige beim HSV waren froh, als er nach dem Bundesliga-Auftakt 2008 zu City verkauft wurde.

FC Schalke 04 v Hamburger SV - Bundesliga: Vincent Kompany
Vincent Kompany spielt von 2006 bis 2008 beim HSV © Getty Images

Nur ein Jahr später war er unumstrittener Abwehrchef in der Premier League, verlängerte seinen Vertrag langfristig und wurde zur Säule der Renaissance des Traditionsklubs - nicht zuletzt dank der Millionen aus Abu Dhabi.

Auch persönlich reifte er über die Jahre. So engagiert er sich im Heimatland seines Vaters (DR Kongo) mit humanitären Projekten und machte 2018 seinen Abschluss an der Manchester Business School. Seit 2013 gehört ihm auch ein Drittligaverein in seiner Heimatstadt Brüssel.

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Verletzungsprobleme begleiten den Anführer

Zwar blieben ihm in den vergangenen Jahren die Verletzungsprobleme treu – seit 2015/16 hat er keine Saison mit 20 Ligaspielen mehr bestritten und bei City insgesamt mehr als 40 Verletzungen erlitten -, aber in den wichtigen Momenten war er immer da.

Ob als Torschütze beim entscheidenden Spiel zum Meistertitel 2014 gegen West Ham, dem Kopfballtreffer im Derby 2012 oder als Man of the Match im Ligapokal-Finale gegen Liverpool 2016 – seine Präsenz verlieh City immer Stärke. Die Fans liebten ihn dafür, auch für Guardiola wurde er zur Stütze. Er heiratete sogar einen lebenslangen City-Fan und hat mit ihr eine Tochter.

Kompany zeichnete immer ein Glaube an die eigene Stärke aus, den er als Leader auf sein Team übertrug. So auch ein letztes Mal an diesem Abend in seinem Wohnzimmer.

"Seit 15 Jahren sage ich den Leuten, dass ich einmal so ein Tor erzielen werde", zitierte ihn die Teamwebsite. Außerdem sagte er: "Jeder hat gerufen: 'Schieß nicht, schieß nicht!' Ich dachte mir: 'Ich bin nicht in meiner Karriere so weit gekommen, damit mir junge Spieler befehlen können, dass ich nicht schieße.' Also habe ich abgezogen."

Diese beiden Zitate beschreiben den Profi Vincent Kompany am treffendsten. Und sollte er wirklich mit dem Titel gehen, es wäre in der Tat das perfekte Finish für einen außergewöhnlichen Sportler und Menschen.

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