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Manchester City hat in einem packenden Finish den FC Liverpool hinter sich gelassen und die englische Meisterschaft gefeiert. Das ist Pep Guardiolas Erfolgsgeheimnis.

Erstmals seit Sir Alex Ferguson mit Manchester United im Jahr 2009 hat ein Premier-League-Klub seinen Titel wieder verteidigt.

Dieses Kunststück gelang nun Pep Guardiola mit Manchester City nach einem packenden Meisterrennen gegen den FC Liverpool und 14 Liga-Siegen in Serie.

SPORT1 erklärt, mit welchen Tricks der Katalane die Citizens zur Titelverteidigung und zur 6. englischen Meisterschaft geführt hat.

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- Fokus, Konzentration, Siegesserie

Am 24. Februar 2019 besiegte ManCity den FC Chelsea im League-Cup-Finale nach Elfmeterschießen mit 4:3 und feierte nach dem Community Shield zu Saisonbeginn bereits den zweiten Titel.

Doch Guardiola war nach diesem Triumph wenig zum Feiern zumute. Der ehrgeizige Katalane hatte vielmehr anderes im Kopf – die englische Meisterschaft, die Champions League und den FA Cup.

Zwar nahm er alle Glückwünsche höflich entgegen, bedankte sich - richtete aber schon im Hospitality-Bereich von Wembley den vollen Fokus auf den Liga-Betrieb, denn Jürgen Klopps Team (66 Zähler) lag vor dem 28. Spieltag mit vier Punkten vor City (62).

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Drei Tage später konnten die Citizens den Rückstand wieder auf einen Zähler verkürzen, nachdem man West Ham mit 1:0 niedergerungen hatte. Was folgte, war eine beeindruckende Serie. In der Premier League feierten Leroy Sané und Co. 14 Siege in Folge und letztendlich den Titelgewinn.

"Ich hatte nicht erwartet, dass wir so viele Punkte holen, erst recht nicht nach der vergangenen Saison", sagte Guardiola. "Normalerweise neigt der Mensch dazu, sich (Anm. d. Red: nach Erfolgen) ein wenig zu entspannen."

Am Ende entschied ein mickriger Punkt das spannende Titelrennen zwischen City (98) und Liverpool (97). Insgesamt kommt Guardiola in 173 Pflichtspielen mit Manchester auf einen unfassbaren Punkte-Schnitt von 2,37.

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- Kader, Top-Transfers, Konkurrenzkampf

Die Gründe für den Erfolg beruhen unter anderem auf der hohen Qualität des Kaders, auf der Verpflichtung von Riyad Mahrez sowie auf der Leistungsexplosion von Bernardo Silva.

Neun (9!) City-Stars verbuchten in der Saison 2018/19 mehr als zehn Scorer-Punkte: Sergio Agüero (32 Tore/10 Assists), Raheem Sterling (23/17), Gabriel Jesus (19/5), Sané (16/18), B. Silva (13/12), Mahrez (12/12). David Silva (9/14), Ilkay Gündogan (6/8) sowie Kevin De Bruyne (5/10).

Dabei fiel nicht einmal ins Gewicht, dass De Bruyne wegen einer Knieverletzung fast nur die Hälfte aller Spiele absolvieren konnte oder dass Sané seinen Stammplatz sogar an B. Silva verloren hatte. Oder dass mit Fernandinho der einzige Sechser lange ausfiel.

Während Guardiola den Portugiesen Silva nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der WM 2018 in Russland wieder stark redete und zum absoluten Leistungsträger aufbaute, wurde Sané von seinem Coach provozierend gekitzelt, um stets an die Leistungsgrenze zu gehen.

- Team-Chemie, Frühstücksrituale, Kartenspielen

Aus Spieler-Quellen ist zu hören, dass die Team-Chemie "außerordentlich gut" sei, berichtet die Daily Mail. Ein Beispiel dafür sei, dass die Mannschaft vermehrt Karten spiele, anstatt dass jeder allein mit Kopfhörern dasitze und isoliert der Musik lausche.

Die zahlreichen Spieler verschiedener Nationalitäten (12) mischen sich beim obligatorischen Frühstück und Mittagessen auf dem Trainingsgelände frei durch – und eine häufig befürchtete Cliquenbildung gibt es nicht.

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So gratulierte der verletzte und abwesende Benjamin Mendy seinem Kapitän Vincent Kompany nach dessen Hammer-Weitschuss zum Sieg gegen Leicester umgehend auf FaceTime. Geburtstage von Spielern oder Mitarbeitern werden nach den Spielen stets gemeinsam gefeiert.

Kompany verbrachte eine Stunde damit, einen tränenreichen Agüero in der Garderobe nach dem Ausscheiden aus der Champions League zu trösten. Solch eine Atmosphäre ist bei Top-Klubs nicht selbstverständlich und ein Verdienst von Guardiola und Co-Trainer Mikel Arteta, der von den Spielern sehr geschätzt wird.

- Umfeld, Training, Umzüge

Einige Spieler sind sogar extra umgezogen. Mendy zog nach Cheshire, um die Ablenkung vom Stadtzentrum zu vermeiden. So auch Gabriel Jesus. John Stones lebt nun in Guardiolas großzügigem Appartementhaus, nachdem seine Beziehung zerbrochen ist. Einige dieser Umzüge erfolgten auf Anraten von City-Mitarbeitern und -Vorgesetzten.

Entscheidend ist dabei die Ehrfurcht vor ihrem Chef. Man kann "Pep im ganzen Verein und in der Kabine spüren", besagt eine andere Quelle. "Er hat eine gewisse Aura an sich." Die Spieler seien sich zwar nicht sicher, ob seine Methoden instinktiv oder geplant sind, aber sie funktionieren. "Er hat keine Lieblinge", heißt es weiter. Ein Spieler sagte, Pep behandle "mehr oder weniger alle gleich". Das verschaffe ihm sehr viel Respekt.

Da es von November bis April kaum freie Tage für Spieler gab und die Zeit zwischen dem Vormittags- und Nachmittagstraining auf dem Klubgelände verpflichtend ist, werden insbesondere die Nächte bei der Familie vor Spielen sehr geschätzt.

Des Weiteren wurde im Training vorwiegend auf 10-Minuten-Drills gesetzt, damit alle frisch bleiben und sich nicht zu schnell langweilen. Guardiola hat es scheinbar perfekt verstanden, jeden einzelnen Spieler bei Laune zu halten, den Konkurrenzkampf, Konzentration und Motivation hoch zu halten sowie seine Stars stets fokussiert und erfolgshungrig zu halten.

Mit Erfolg. Nach der englischen Meisterschaft kann City am 18. Mai im FA-Cup-Finale gegen den FC Watford eine grandiose Saison mit dem vierten Titel krönen.

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