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München - Im Sommer 2018 bei Löw in der DFB-Elf außen vor, jetzt lechzt die Bundesliga nach der Rückkehr von Leroy Sané. So entstand der Hype um den Star von Manchester City.

Bis vor wenigen Tagen galt der 4. Juni 2018 als die schwerste Stunde der Karriere von Leroy Sané.

Wie ein Blitzschlag traf Fußballdeutschland damals die Entscheidung von Bundestrainer Joachim Löw, den zu diesem Zeitpunkt laut transfermarkt.de mit 90 Millionen Euro wertvollsten Fußballer der Bundesrepublik aus dem endgültigen Kader für die WM 2018 in Russland zu streichen.

Jenen Sané, für den der FC Bayern München knappe 14 Monate später bereit war oder noch immer ist, jeglichen bisher gekannten finanziellen Rahmen zu sprengen.

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Jenen Sané, der zwei Jahre zuvor für etwas über 50 Millionen Euro von Schalke 04 zu Manchester City gewechselt war. Und der 2017/18 eine überragende Saison für die "Skyblues" hingelegt hatte. Mit seinen 25 Scorerpunkten war er maßgeblich daran beteiligt, dass City die magische 100-Punkte-Marke durchbrach und mit großem Abstand englischer Meister wurde. Zur Belohnung wurde der Flügelstürmer in England zum "Young Player of the Year" gewählt.

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Sané als Gesicht des DFB-Neuanfangs

Wie kann Löw nur so jemanden zuhause lassen? Schnell wurde an den Stammtischen der Nation nach Gründen gesucht. Sportliche könne es ja eigentlich keine geben. Sanés Leistungen im DFB-Trikot waren bis dahin zwar überschaubar, doch in der Premier League bewies er sein Können dauerhaft auf allerhöchstem Niveau. Vielmehr habe Löw dessen Einstellung teilweise nicht gefallen, wurde gemutmaßt.

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Dem Widersprach Löw jedoch. Die Entscheidung für Julian Brandt und gegen Sané sei aus rein sportlicher Sicht gefallen. Im September werde Sané wieder zum DFB-Team stoßen, erklärte der Bundestrainer. Nach dem blamablen Vorrunden-Aus in Russland flog Löw die Personalie dann natürlich um die Ohren.

Ob die DFB-Elf mit dem Star von ManCity ein deutlich besseres Ergebnis erzielt hätte, lässt sich im Nachhinein nicht beantworten. Allerdings hatte die Ausbootung im Nachhinein betrachtet für Sané sogar etwas Gutes. Sein Name wird in Fußballdeutschland nicht mit dem Debakel von Russland verbunden, vielmehr ist der Ex-Schalker ein Gesicht des Neuanfangs der Nationalelf.

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Auf Instagram kündigte er nach Löws Entscheidung an, stärker zurückkommen zu wollen. Und er hielt Wort. In der Nationalmannschaft zogen seine Leistungen spürbar an, in jedem der drei EM-Qualifikationsspiele in diesem Jahr traf Sané, stand in den sechs vergangenen Spielen in der Startelf. Das modifizierte System des Bundestrainers, der neuerdings auf Dreierkette und schnelleres Umschalten setzt, kam dem pfeilschnellen und dribbelstarken Außenstürmer entgegen.

Sané verliert Stammplatz bei Guardiola

Und auch in der Premier League knüpfte er an seine starken Leistungen aus der Vorsaison an. Allerdings mit etwas Verzögerung. In den ersten drei Ligapartien bekam er kaum Spielzeit, am vierten Spieltag stand er nicht einmal im Kader. Erst gegen Fulham beorderte Guardiola Sané in die Startelf, der dankte es ihm mit einem Treffer.

Im restlichen Verlauf der Hinrunde war Sané gesetzt. Das änderte sich jedoch in der Rückrunde. An Raheem Sterling führte kein Weg vorbei, zudem setzte Guardiola immer öfter auf den stark aufspielenden Bernardo Silva, der mit seiner technischen Finesse und seinem überragenden Passspiel ohnehin mehr den Guardiola-Fußball verkörpert. Sané dagegen mache zu viele Fehler und verliere bei einfachen Dingen den Ball, erklärte Guardiola.

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So fand sich der gebürtige Essener Sané in den großen Spielen auf der Bank wieder. Im Titelentscheid der Premier League spielte er nur eine Nebenrolle. In den Viertelfinalspielen der Champions League, in denen City an den Tottenham Hotspur scheiterte, durfte Sané zusammengerechnet nur sieben Minuten spielen. Für diese Entscheidung wurde Guardiola in den englischen Medien hart kritisiert.

Zeitgleich belastete ein weiteres Thema die Beziehung zwischen Sané und Guardiola – die unklare Vertragssituation. Der Katalane wünschte sich von einem Flügelstürmer eine Verlängerung seines bis 2021 laufenden Arbeitspapieres, doch Sané zögerte. "Wir versuchen seit eineinhalb Jahren, seinen Vertrag zu verlängern. Wir wollen ihn behalten!", stellte Guardiola klar.

Bayern wittern Chance bei Sané

Zeitgleich witterte der FC Bayern München seine Chance. Es kamen vermehrt Gerüchte auf, der deutsche Rekordmeister interessiere sich für den 23-Jährigen. Ende Mai berichtete der kicker, Sané sei eine heiße Personalie in München.

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Die Münchner waren händeringend auf der Suche nach Nachfolgern für Franck Ribéry und Arjen Robben. Nachdem sich der anvisierte Wechsel von Callum Hudson-Odoi endgültig zerschlagen hatte, sah man in München die Chancen auf einen Transfer der Marke Extraklasse.

Spätestens die Erklärung von Uli Hoeneß in der Süddeutschen Zeitung, sich mit der Personalie Sané zu beschäftigen, löste einen riesigen Hype aus – zuerst nur bei den Bayern-Fans, später schwappte er auch auf den Rest der Bundesliga über. Schließlich wäre ein Sané-Transfer auch ein Statement für die Bundesliga als Marke.

Immer mehr Leute äußerten sich zu einem möglichen Wechsel an die Säbener Straße. "Wenn der Wechsel zustande käme, wäre das für ihn eine gute Geschichte und für uns auch. Für Deutschland wie auch die Bundesliga wäre es gut", erklärte Bundestrainer Löw in der Bild. Selbst der Rivale würde eine Verpflichtung des Ex-Schalkers begrüßen. "Ich bin der Erste, der ihnen gratuliert", erklärte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke.

Sané-Hype abrupt gestoppt

Auch Guardiola sorgte mit seiner Aussage zur Sané-Zukunft ("Wenn er gehen will, kann er gehen") nicht für eine Eingrenzung des Hypes. Bayern-Spieler wie Serge Gnabry oder Leon Goretzka lockten den Nationalmannschaftskollegen unterdessen öffentlich nach München.

Das finanzielle Paket des Wechsels, das die Bayern wohl in völlig neue Dimensionen vorstießen ließe, schien auf einmal kein Hindernis mehr zu sein. Berichten zufolge forderte City eine Ablöse von weit über 100 Millionen Euro. Es schien, als warte man lediglich auf die Entscheidung des Spielers.

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Trainer Niko Kovac war es dann, der Ende Juli dafür sorgte, dass der Hype seinen Höhepunkt erreichte. Mit seiner Aussage, er sei sehr zuversichtlich bezüglich eines Wechsels, holte er sich zwar einen Rüffel von der Vereinsführung ab, ließ die Bayern-Fans jedoch in Euphorie verfallen. 

Am 8. August dann der Schock. Im Community Shield gegen den FC Liverpool hatte sich Sané einige Tage zuvor am Knie verletzt und war vom Platz gehumpelt. Diagnose: Kreuzbandanriss, Operation, monatelange Pause!

Nach SPORT1-Informationen ist der Wechsel durch die schwere Verletzung akut gefährdet. Aus Vereinskreisen ist zu hören, dass man einen Spieler dieser Preisklasse nur verpflichten will, wenn er sofort helfen kann. So, wie es auch Stürmer Robert Lewandowski mehrfach gefordert hatte.

Der große Sané-Hype ist vorerst abrupt gestoppt. Das zweite große Karrieredrama nach der WM-Ausbootung vor 14 Monaten.

Damals kündigte Sané an, stärker zurückzukommen und hielt Wort. Das Gleiche ist ihm jetzt zu wünschen. Egal, bei welchem Verein er in der Zukunft spielen wird.

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