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London und München - Der jüngste Ausraster von Granit Xhaka steht sinnbildlich für das Chaos beim FC Arsenal. Es brennt im Norden Londons - und das Feuer ist hausgemacht.

Der vierte Offizielle hebt die Anzeigetafel - sie zeigt in roten Lettern die Nummer 34 an.

Arsenal-Coach Unai Emery nimmt beim Stand von 2:2 gegen Crystal Palace in der 61. Spielminute seinen Kapitän vom Feld.

Und Granit Xhaka sieht rot. Von Pfiffen des eigenen Publikums begleitet heizt der Schweizer die ohnehin schon aufgeheizte Stimmung im Emirates-Stadium mit provokanten Gesten weiter an.

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Ein sattes "f*** off" in Richtung der Fans und ein verweigerter Handschlag mit Emery runden Xhakas Ausraster schließlich ab, bevor er wutentbrannt in den Katakomben verschwindet.

Sein Trikot hatte er da schon ausgezogen - sinnbildlich.

Der Eklat um den Arsenal-Captain bildet dabei jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Oder anders gesagt: die Flamme eines massiven Brandherdes, den die Nord-Londoner aktuell eher befeuern anstatt ihn zu löschen.

Vom Management über den Trainer bis hin zu den Spielern - das Chaos im Norden Londons erstreckt sich über alle Bereiche. Und ist größtenteils hausgemacht.

Emery und die Post-Wenger-Ära

Dass die Post-Wenger Ära im Norden Londons nicht reibungslos über die Bühne gehen würde, war abzusehen. Zu sehr prägte der Franzose über zwei Jahrzehnte den Verein – und das nicht nur auf dem Feld.

Sein Nachfolger, der Spanier Unai Emery, gilt als temperamentvoll. Beobachtet man ihn an der Seitenlinie kann man fast schon von einem Hitzkopf sprechen - der absolute Gegenentwurf zum in sich ruhenden Franzosen.

Emery durfte, entgegen der langjährigen Arsenal-Transferpolitik, in diesem Sommer auf große Shopping-Tour gehen. Eigentümer Stan Kroenke öffnete großzügig die Schatulle. 

Über 150 Millionen Euro wurden in neue Beine investiert, davon 80 Millionen allein in Rekord-Transfer Nicolas Pépé.

Der flinke Rechtsaußen überzeugt jedoch bisher noch nicht auf ganzer Linie. Und erscheint aufgrund des vorhandenen Stürmerpersonals um Pierre-Emerick Aubameyang und Alexandre Lacazette fast ein wenig überflüssig.

Zwar wurde auch die Defensive mit dem erfahrenen David Luiz verstärkt, der Kader wirkt trotzdem sowohl in Qualität als auch Quantität nicht ausbalanciert.

Topverdiener Özil auf dem Abstellgleis

Dazu passt der Fall Mesut Özil. Dass Emery kein großer Fan des Deutschen ist, dürfte mittlerweile mehr als nur ein offenes Geheimnis sein.

Seit September stand der Spielmacher nicht mehr im Kader der Gunners, zuletzt stand immer wieder ein Abgang des Top-Verdieners im Raum. Sogar von der MLS ist die Rede.

Emery ließ jüngst durchblicken, dass es die Entscheidung des Vorstands sei, seinen Spielmacher nicht mehr zum Zuge kommen zu lassen, um einen freiwilligen Abgang zu erzwingen.

Özil selbst beteuerte jedoch, seinen Vertrag bis 2021 auf jeden Fall erfüllen zu wollen – bei einem Jahresgehalt von geschätzten 15,6 Millionen Pfund durchaus verständlich. Aber eine finanzielle Belastung für den Klub.

Auch die mediale Kritik des ohnehin schon immer kritisch beäugten Linksfußes hat in den vergangenen Wochen nochmals eine neue Stufe erreicht.

Ian Ladyman, Herausgeber des Daily Mail-Football bezeichnete Özil jüngst als "Versager, seitdem er die Tür betreten hat“, Charlie Wyett von der Sun behauptet, der Weltmeister von 2014 würde bei seinem Gehalt nicht einmal einen Abnehmer finden.

René Adler, einst Teamkamerad von Özil bei der Nationalmannschaft, giftete zuletzt bei Sky: "Er liefert schon seit längerem nichts mehr ab. Das ist natürlich viel zu wenig für jemanden seiner Klasse.“

Mustafi mit Rundumschlag

Berechtigt oder nicht, die Art und Weise der Kritik hat zuletzt auch Özils Teamkollege Shkodran Mustafi im Spiegel angeprangert.

Er sei teilweise zur "Zielscheibe“ geworden, die Kritik sei "eskaliert und irrational“, insgesamt sei der Fußball "unmenschlicher“ geworden.

Auch der zweite Weltmeister von 2014 hat einen schweren Stand unter Emery, sollte eigentlich im Sommer verkauft werden. Ein Wechsel scheiterte an einem Abnehmer.

Ex-Arsenal-Star Emmanuel Petit hatte ihn in den sozialen Netzwerken als "König der Patzer“ betitelt.

Lacazette likt Hass-Post

Feuer aus den eigenen Reihen in den sozialen Medien sind dabei zur Zeit keine Seltenheit bei den Kanonieren.

Alexandre Lacazette likte noch am Sonntagabend einen Instagram-Post eines wütenden Arsenal Fans, der scharf gegen Trainer Emery und Kapitän Xhaka schoss.

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Kurz zuvor verweigerte es eben jener Emery, seinen Kapitän auf der Pressekonferenz für dessen Verhalten in Schutz zu nehmen.

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Xhaka habe "einen Fehler gemacht“, seine Reaktion sei "falsch“ gewesen. Man müsse auch das unzufriedene Publikum respektieren.

Der Arsenal-Coach nimmt die pfeifenden Fans in Schutz und liefert seinen Kapitän öffentlich aus – Brandlöschung innerhalb der Mannschaft betreibt er damit definitiv nicht.

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