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München - Paul Pogbas Seuchensaison bei Manchester United erreicht ein neues Level. Eine Trennung erscheint als das Beste - doch Spieler und Klub sitzen in der Zwickmühle.

Die Zahlen der Vergangenheit beeindrucken:

Weltmeister 2018 mit Mitte zwanzig, zwei Jahre zuvor mit Frankreich schon Vize-Europameister. Seit August 2016 angesichts einer Ablösesumme von 105 Millionen Euro der bis dato teuerste Transfer in der Vereinsgeschichte von Manchester United, wo er 2017 zum Triumph in der UEFA Europa League beitrug. Davor unter anderem noch viermal italienischer Meister mit Juventus Turin und im Champions-League-Finale.

Paul Pogbas sportliche Entwicklung kannte bisher nur eine Richtung. Steil nach oben.

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Doch sechs Monate vor der EM steht der Starspieler bei United offenbar auf dem Abstellgleis – Zukunft ungewiss.

Die Fakten der Gegenwart ernüchtern: Soeben erst von einer im September erlittenen Knöchelverletzung genesen, die ihm bisher eine Seuchensaison mit 20 verpassten Spielen eingebrockt hat, hatte Pogba kurz vor Weihnachten ein 35-minütiges Comeback in Watford (0:2) gegeben, war auch am Boxing Day weitere 45 Minuten im Duell mit Newcastle (4:1) im Einsatz.

Solskjaer begründet Pogba-Verzicht

Doch gegen den FC Burnley (2:0) stand Pogba unerwartet nicht einmal im Kader. "Es fühlte sich nicht richtig an, ihn spielen zu lassen", erklärte Trainer Ole Gunnar Solskjär die Maßnahme nach dem dritten United-Spiel in nur sechs Tagen. "Er war lange nicht da, also war es nicht der richtige Zeitpunkt."

Der Daily Mail zufolge hatte Pogba darum gebeten, erneute Zeit zur Regeneration zu erhalten. Dass er stattdessen zu seinen Brüdern Florentin und Mathias nach Frankreich reiste, um bei deren Wohltätigkeitsspiel als Teamchef zu fungieren, kam in England nicht gut an. 

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Pogba für United immer mehr zur Belastung wird – und der Klub wiederum für den 26-Jährigen. Neben Englands Medien, die sich für einen Wechsel des Stars aussprechen (Sun), kippt auch bei vielen Fans die Stimmung.

Mega-Gehalt, aber wenig Performance 

Was nur bedingt verwundert: Der torgefährliche, vor allem aber teure Mittelfeld-Mann, hat in dieser Saison nur sechs Auftritte absolviert und dabei umgerechnet mehr als 300.000 Euro pro Woche verdient. Schlecht kam überdies an, dass Pogba kurz nach seiner Knöcheloperation ein Video von sich selbst bei der Hochzeit seines Bruders in Frankreich postete.

Womöglich ist es eine Mischung aus Sozialneid und dem öffentlichen Urteil darüber, welche Performance ein Spieler vom Kaliber eines Pogba seinem Klub denn gefälligst bescheren sollte.

Auf jeden Fall verleiten die durchgesickerten Details seines Vertrags zu weiterem Zahlen-Bashing: So rechnet die Daily Mail auf, Pogbas elfwöchige Rehabilitation mit darin eingeschlossenen Reisen nach Dubai und Florida, habe dem englischen Rekordmeister Kosten von mehr als 3,5 Millionen Euro verursacht – ohne dabei einen Gegenwert vom Spieler bekommen zu haben.

Pogbas Wunschziel Real in weiter Ferne

Der hofft nach seinem verhinderten Wechsel im Sommer weiterhin auf einen baldigen Abschied aus Manchester, am liebsten zu Real Madrid. Doch die Chancen stehen offenbar schlecht: Dem Vernehmen nach wollen die Red Devils jegliche Gesuche des wechselwilligen Franzosen im Januar blockieren.

Warum Pogba wohl unter keinen Umständen während der Saison abgegeben werden soll: United besitzt laut Daily Mail die Option, das noch bis 2021 datierte Arbeitspapier um ein weiteres Jahr zu verlängern – und könnte damit einen Preisnachlass im kommenden Sommer verhindern. Noch während des vergangenen Transferfensters hatte die Forderung um die 200 Millionen Euro betragen.

Was die Situation für Pogba noch verfahrener macht: Reals Coach Zinedine Zidane schätzt ihn zwar sehr. Gleichwohl haben die Königlichen aktuell nicht wirklich Bedarf im Mittelfeld. Die AS verkündete nun das Ende des gegenseitigen Flirts.

Mit dem 21-jährigen Federico Valverde (schon 18 Pflichtspieleinsätze) stehe ohnehin bereits ein Akteur im Aufgebot, der die gleichen Anlagen mitbringe. Und: Real müsste für einen Transfer zunächst auch mehrere Spieler loswerden, um Platz und Geld zu schaffen.

Pogbas Wunsch könnte sich demnach frühestens im Sommer erfüllen. Doch mit Blick auf eine EM-Nominierung und das persönliche Ziel, mit 26 Jahren nicht noch länger auf eine gut eingespielte Spitzenmannschaft zu warten, die um den Champions-League-Titel mitspielt, drängt die Zeit.

"Manchester United würde sogar Maradona, Pele und Paolo Maldini ruinieren", meinte Pogbas Berater Mino Raiola in einem Interview mit La Repubblica. "Das ist ein Klub, der jeglichen Kontakt zur Realität verloren und keinerlei sportliches Konzept hat."

Am Neujahrstag (Premier League: FC Arsenal - Manchester United, ab 21 Uhr im LIVETICKER) tritt United in London beim FC Arsenal steht an. Paul Pogba ist abermals nicht mit dabei. Seine Situation macht das nicht einfacher.

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