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United feiert gegen City einen besonderen Erfolg im Derby. Coach Solskjaer spricht von Titel-Ansprüchen. Der Norweger ist dabei, den Verein zu alter Stärke zu führen.

Manchester United gewinnt zum ersten Mal seit zehn Jahren beide Ligaspiele gegen Manchester City - und könnte auf eine glorreiche Zukunft blicken.

Das Hinspiel in der Premier League konnten die Red Devils mit 2:1 gewinnen, im Rückspiel gab es im Old Trafford einen umjubelten 2:0-Erfolg. United rangiert nun auf dem 5. Platz und hat die Champions League wieder fest im Blick. Es scheint etwas zusammenzuwachsen im roten Teil Manchesters. Ole Gunnar Solskjaer schielt nach dem Derbysieg sogar schon wieder auf den Meistertitel. 

Kann der Norweger, der die DNA des Klubs verinnerlicht hat, den Verein wieder in glorreiche Zeiten führen?

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Als Solskjaer noch selbst als Stürmer für United auf Torejagd ging, war der Klub das Maß der Dinge in der Premier League. Unter Sir Alex Ferguson (27 Jahre lang Trainer bei United) gewann der Klub sämtliche Titel, die es zu gewinnen gibt. Allein 13 Meisterschaften holte der legendäre Coach und formte aus United Englands Rekordmeister (20 Meistertitel insgesamt).

United seit Ende der Ferguson-Ära auf der Suche nach Identität

Blickt man auf die jüngere Vergangenheit, ist United eher Chaos-Klub, anstatt gefürchteter Erfolgsverein. Die letzte Meisterschaft konnte der Klub unter Ferguson feiern, der 2012/2013 dann auch seine Karriere als Trainer beendete. In seine überdimensionalen Fußstapfen konnte bislang noch keiner treten. Seitdem probierten sich David Moyes, übergangsweise Ryan Giggs, Louis van Gaal und José Mourinho als Coach - jedoch ohne kontinuierlichen Erfolg.

Moyes gewann den Superpokal, van Gaal den FA-Cup. Mourinho führte United 2016/2017 zwar zu drei Titeln (Superpokal, Ligapokal und Europa League), verpasste es jedoch wie seine Vorgänger, eine homogene Mannschaft zu entwickeln, die ernsthaft ein Wörtchen im Meisterkampf mitreden kann. Uniteds Rekordtorschütze Wayne Rooney sagte vor kurzem, dass man ausgerechnet am Erzrivalen Liverpool sehe, dass man Geduld braucht, um in die Erfolgsspur zurückzufinden.

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"United hat es mit van Gaal versucht, mit Mourinho. Man sieht es an Liverpool - sie haben dieses Team aufgebaut", lobte Rooney den deutschen Trainer Jürgen Klopp. Bis es bei United unter Ole Gunnar Solskjaer soweit sein werde, könne es laut Rooney allerdings noch "zwei, drei Jahre dauern".

Das sieht der Norweger selbst ganz ähnlich. Nach dem Sieg im Manchester Derby spricht der 47-Jährige über die Planungen zur kommenden Saison. "Wir wissen, dass wir noch zwei, drei Spieler und viel Erfahrung brauchen, um ein ernsthafter Titelanwärter zu sein." Das langfristige Ziel des Vereins ist also klar: Es soll wieder um die Meisterschaft gespielt werden.

Solskjaer bringt die United-DNA zurück auf den Platz

Solskjaer ist auf einem guten Weg. Neben der Förderung des Nachwuchses, gelang dem Verein im Winter endlich wieder ein Top-Transfer. Bruno Fernandes kam für rund 55 Millionen Euro von Sporting Lissabon und brauchte quasi keine Eingewöhnungszeit, um schon jetzt als Leader im Mittelfeld zu agieren.

In seinem allerersten Manchester-Derby beeindruckte er neben guter Leistung (leitete die Führung mit einem genialen Lupfer ein) vor allem mit seinem selbstbewussten Auftreten. Als sich City-Coach Pep Guardiola auf ein Wortgefecht mit dem Portugiesen einließ, beendete es dieser, indem er simpel seinen Finger auf die Lippe legte. Eine einfache aber wirkungsvolle Geste. Eben jenen Leader vermisste das Team eine lange Zeit. Solskjaer verglich ihn sogar bereits mit United-Legende Paul Scholes.

Der Coach schafft es aber auch, die eigene Jugend einzusetzen. Hinter Marcus Rashford (22 Jahre) und Scott McTominay (23 Jahre) kommen Brandon Williams (19 Jahre) und Mason Greenwood (18 Jahre) immer öfter zum Einsatz. Solskjaer festigt durch die im Verein ausgebildeten Youngsters die United-DNA.  

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Der Siegeswille ist zurück im Team, der Glaube an die eigene Stärke wieder gefestigt. United ist wettbewerbsübergreifend seit zehn Spielen ungeschlagen, darunter war auch ein überzeugender und wichtiger 2:0-Sieg gegen den FC Chelsea. Die Blues sind wieder in Schlagdistanz, United hat nur noch drei Punkte Rückstand auf den vierten Platz - und damit die Champions League. (Tabelle der Premier League)

Wendet sich die Situation bei den Manchester-Klubs?

Diese könnte sogar über den fünften Platz erreicht werden, wenn City wegen Financial-Fairplay-Verstößen aus der Königsklasse ausgeschlossen wird. Dann würde United auch als fünfter in die Champions League kommen. Die Citizens wehren sich gegen den CL-Ausschluss, das finale Urteil steht aus. Ausgerechnet die zuletzt so dominanten Skyblues sind nun der Verein mit der ungewissen Zukunft. Denn zusätzlich droht City auch noch eine Transfersperre.

Während Solskjaer voller Vorfreude auf die nächste Saison blickt, sind die Planungen bei City deutlich nebulöser. Guardiola vermied nach der Derby-Niederlage ein klares Statement. "Am Ende der Saison werden wir uns als Klub zusammensetzen und darüber reden, wie die Situation ist. Und dann werden wir sehen."

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Falls der Verein tatsächlich nicht in der Champions League antreten darf und City zusätzlich noch die Hände auf dem Transfermarkt gebunden werden, scheint ein Guardiola-Verbleib in Manchester unwahrscheinlich. United könnte die Gunst der Stunde nutzen, um sich wieder in den Titelkampf einzuschalten. Solskjaer bestätigt die Ambitionen: "Wir fühlen, dass wir jeden Tag besser werden. Wir fangen gerade erst an, darüber zu reden, wie wir in der Tabelle weiter nach oben kommen."

Die Red Devils wollen wieder Titel. Der aktuelle Weg scheint bereits die ersten Früchte zu tragen.

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