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Howard Webb und Cristiano Ronaldo im Jahr 2009
Howard Webb und Cristiano Ronaldo im Jahr 2009 © Getty Images
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München - Der ehemalige Top-Schiedsrichter Howard Webb sagt, welche Fehlentscheidung er für seine schlimmste hält - und trifft eine etwas überraschende Auswahl.

Auch den besten Schiedsrichtern passieren kapitale Fehlentscheidungen.

Howard Webb, der einstige Top-Unparteiische aus England, hat in einem Interview mit The Athletic erzählt, welche er gern rückgängig machen würde, wenn er es könnte - und dabei eine etwas überraschende Wahl getroffen.

Der Lebensgefährte von Bibiana Steinhaus pickte nicht seinen berühmtesten falschen Pfiff heraus, die nicht gegebene Rote Karte gegen Nigel de Jong nach seinem Kung-Fu-Tritt gegen Xabi Alonso im WM-Finale Niederlande - Spanien 2010.

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Der 48-Jährige wählte stattdessen eine Szene aus der Premier-League-Saison 2009 aus. Und gab nebenbei offenherzig zu, dass er damals auf einen Elfmeter-Fehlschuss von Cristiano Ronaldo hoffte, als ausgleichende Gerechtigkeit für seinen Patzer.

Howard Webb gab Manchester United unberechtigten Elfmeter

Passiert ist Webb der folgenschwere Fehler am 25. April 2009 beim Heimspiel von Manchester United gegen Tottenham Hotspur - einem Schlüsselspiel im Meisterrennen, in dem ManUnited mit dem FC Liverpool konkurrierte.

Der Mannschaft von Sir Alex Ferguson drohte damals ein schwerer Rückschlag, sie lag zur Pause mit 0:2 zurück, nach Toren von Darren Bent und Luka Modric. Ein Elfmeter-Pfiff von Webb in der 57. Minute aber brachte United wieder ins Spiel. Tottenhams Torhüter Heurelho Gomes hatte Michael Carrick im Strafraum zu Fall gebracht - dachte der Schiedsrichter.

Tatsächlich war die Rettungsaktion des brasilianischen Keepers fair und regulär, was Webb nach eigenen Angaben auch schnell ahnte.

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Cristiano Ronaldo verwandelte

"Ich hatte mit den üblichen Reklamationen der Spieler gerechnet, nicht mit der totalen Verwunderung, dem Schrecken und Schock im Blick von Gomes", berichtet Webb: "Mir war innerhalb von Sekunden klar, dass ich etwas falsch gemacht hatte."

Den Videobeweis gab es damals allerdings noch nicht, auch Webbs Assistenten konnten die Situation nicht aufklären, der Pfiff hatte Bestand. Allein aufgrund seines Bauchgefühls hätte Webb sich nicht korrigieren wollen: "Ich hoffte einfach, dass Ronaldo verschießen würde. Tat er aber nicht."

Nach Ronaldos Anschlusstreffer wendete ManUnited die Partie komplett, gewann am Ende mit 5:2 - Ronaldo traf noch einmal, Wayne Rooney schnürte noch einen Doppelpack, den Endstand stellte der frühere Leverkusener Dimitar Berbatov her.

Dimitar Berbatov und Cristiano Ronaldo jubeln über den Sieg gegen Tottenham
Dimitar Berbatov und Cristiano Ronaldo jubeln über den Sieg gegen Tottenham © Getty Images

Tottenham Hotspur verlor entscheidende Punkte

Weil Webb einem so wichtigen Spiel eine entscheidende Wendung gab, bereut er den Fehler mehr als den 2010 - der letztlich nichts am Titelgewinn Spaniens änderte.

2009 wurde Manchester United mit vier Punkten Vorsprung vor Liverpool Meister, defintiv entscheidend war Webbs Fehler also nicht. Es bleibt Spekulation, ob eine Niederlage der "Red Devils" gegen Tottenham das Momentum des Titelkampfs verändert hätte.

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Tottenham verpasste am Ende der Saison als Tabellen-Achter den Einzug ins internationale Geschäft um zwei Punkte, der damalige Trainer Harry Redknapp nimmt Webb seinen Fehler von damals dennoch nicht mehr übel.

Webb bat einige Jahre später, als die beiden nach einem gemeinsamen Auftritt als TV-Experten ein Bier tranken, um Entschuldigung.

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