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Brentford feiert gegen Swansea ein letztes Mal im Griffin Park
Brentford feiert gegen Swansea ein letztes Mal im Griffin Park © Getty Images
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Der FC Brentford steht mit ungewöhnlichen Methoden vor dem erstmaligen Aufstieg in die Premier League. Gegner im Playoff-Finale ist der FC Fulham.

Der FC Brentford oder der FC Fulham?

Einer dieser beiden Klubs wird an diesem Dienstag im Londoner Wembley-Stadion den großen Jackpot knacken und im 200-Millionen-Euro-Endspiel nach den beiden Direktaufsteigern Leeds United und West Bromwich Albion den Sprung in die Premier League schaffen (Playoff-Finale: FC Brentford - FC Fulham ab 20.45 Uhr im LIVETICKER).

Während Fulham im Westlondon-Derby den direkten Wiederaufstieg meistern kann, schnuppert Brentford am größten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte.

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Mit schnellem Offensivfußball sorgte Brentford in der regulären Saison für Furore und war mit 80 Treffern die Tormaschine der Championship. Das Offensivtrio Ollie Watkins (26 Tore), Said Benrahma (17 Tore) und Bryan Mbeumo (15 Tore) ist nicht umsonst das Prunkstück des Klubs.

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Beinahe wäre sogar der direkte Aufstieg drin gewesen, doch im Saisonendspurt ging Brentford ein wenig die Puste aus, und West Brom rettete mit Ach und Krach den zweiten Platz ins Ziel.

Brentford schaltet Swansea aus

So mussten die Londoner in den Playoffs ran und setzten sich im Halbfinale gegen Swansea City durch. Zu anderen Zeiten wäre im Anschluss das Guinness in den Pubs des Griffin Park in Strömen geflossen. Schließlich ist das Stadion des englischen Zweitligisten FC Brentford auf der ganzen Insel wegen seiner vier Kneipen in jeder Ecke der Arena bekannt.

Doch in den Tagen der Corona-Pandemie fiel die Feier nach dem Einzug ins Finale um den Aufstieg in die Premier League mehr oder weniger aus. Klub-Besitzer Matthew Benham kickte nach dem Abpfiff ein paar Bälle auf dem Rasen umher, ein paar Fans grölten außerhalb der Arena seinen Namen. Das war's.

Noch ist ja auch nichts gewonnen für den ungewöhnlichen Klub aus dem Westen Londons.

Das 3:1 im Halbfinal-Rückspiel gegen Swansea, das nach dem 0:1 im Hinspiel reichte, war erst die Eintrittskarte für den Dritten der abgelaufenen Zweitliga-Saison ins große Endspiel im Wembley-Stadion. Dann geht es für The Bees (die Bienen) um 200 Millionen Euro Mehreinnahmen, die ein Platz in der Eliteklasse aufgrund des üppig dotierten TV-Vertrags garantiert.

Mit solchen Summen kennt sich Benham bestens aus. Schließlich ist der Eigentümer des Vereins, der zwischen 2011 und 2013 von Uwe Rösler (heute Fortuna Düsseldorf) trainiert wurde, ein Multimillionär mit einer ziemlich außergewöhnlichen Vita. Der Oxford-Absolvent mit einem Abschluss in Physik begann seine berufliche Laufbahn im Finanzgeschäft, wo er gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts sogar zum Vize-Präsident der Bank of America aufstieg.

Klub-Besitzer macht Millionen im Wettgeschäft

Doch damit war Benham nicht zufrieden. Er wechselte zu Beginn des Jahrhunderts in das Wettgeschäft und machte dort seine Millionen mit einem ausgeklügelten analytisch-mathematischen System.

Genau diesen Ansatz führte Benham auch bei Brentford ein, als er den damals hochverschuldeten Klub im Jahr 2012 übernahm. Seitdem wird die Personalpolitik nach detaillierten statistischen und mathematischen Gesichtspunkten betrieben. Zwei Co-Direktoren - der dänische Bestsellerautor und frühere Profi Rasmus Ankersen sowie Phil Giles - wachen darüber, um so die im Vergleich zu den wohlhabenderen Klubs knappen Ressourcen optimal zu nutzen.

"Ich bin überzeugt, dass dies der Beginn einer Reise zu etwas ganz Besonderem bei Brentford ist", sagte Ankersen bei seiner Vorstellung im Sommer 2015. Und er sollte Recht behalten.

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Die genauen Statistiken, die Ankersen und Co. bei der Ermittlung des sportlichen Werts eines Spielers zurate ziehen, sind natürlich Geheimsache. Sicher ist nur, dass sich die Zahlen von den gängigen Analysewerten unterscheiden. Einen ähnlichen Ansatz verfolgte bereits der Baseball-Manager Billy Beane vor rund 30 Jahren bei den Oakland Athletics - was im Hollywood-Streifen "Moneyball" seinen Niederschlag fand.

Bei Brentford basieren so gut wie alle Parameter, darunter auch Scouting und Mannschaftsaufstellungen, auf erhobenen Daten, um größtmögliche sportliche sowie finanzielle Erfolge zu feiern - nicht umsonst verzeichnete der Zweitligist in den jüngsten vier Transferperioden ein Plus von über 50 Millionen Euro.

Die Gleichung Benhams könnte gegen Fulham aufgehen, wenn sein 130 Jahre alter Verein tatsächlich zum 50. Klub in der Geschichte der Premier League aufsteigen würde.

Benham auch Boss von Midtjylland

Vorbereitet wären Brentford und seine dänische Connection, bestehend aus Ankersen, Trainer Thomas Frank und einer Handvoll dänischer Spieler. 

Schließlich hat der 52 Jahre alte Benham, der auch seit 2014 den zuvor erfolglosen dänischen Klub FC Midtjylland in seiner unorthodoxen Weise zu drei Meisterschaften führte, weit über 100 Millionen Euro in die Infrastruktur der Londoner investiert.

Der Verein, der zuletzt 1947 in der ersten Liga spielte, darf nun eine Akademie und ein neues Stadion sein Eigen nennen. In das rund 17.000 Zuschauer fassende Brentford Community Stadium wird der Klub zur kommenden Saison umziehen - nach 116 Jahren im Griffin Park. Die vier Ecken werden fehlen.

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Mit Material vom Sportinformationsdienst (SID)

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