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Carlo Ancelotti gefällt der Transfersommer bisher. Die Verpflichtungen von James Rodríguez und Allan sind quasi in trockenen Tüchern. © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/Imago/iStock Arndt, Carsten
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Schluss mit dem Mittelmaß! Der FC Everton will an die Spitze der Premier League und greift diesen Sommer für neue Stars ganz tief in die Tasche.

Das ist ein Angriff auf die Spitzengruppe! Während sich die Konkurrenz in der Premier League auf dem Transfermarkt noch zurückhält, greift neben dem FC Chelsea ein weiteres Team bereits tief in die Tasche: der FC Everton.

Der Klub von Trainer Carlo Ancelotti gibt - wenn alles klappt - in den kommenden Tagen rund 70 Millionen Euro für die neuen Stars James (29, für rund 15 Millionen Euro von Real Madrid), Abdoulaye Doucouré (27, für 28 Millionen Euro vom FC Watford) und Allan (29, für 25 Millionen Euro vom SSC Neapel) aus. Den Transfer von Allan meldeten die "Toffees" am Samstagvormittag bereist als perfekt.

Damit aber noch nicht genug. Auch die beiden Barca-Spieler Rafinha (27, zentrales Mittelfeld) und Emerson (21, Rechtsverteidiger) befinden sich laut der spanischen Tageszeitung Sport in Verhandlungen mit den Engländern. 

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Damit will Everton nach Jahren im grauen Mittelfeld mit aller Macht wieder nach ganz oben. 

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Bei den Liverpoolern soll eine neue Ära geprägt werden mit und durch Ancelotti, der seine Erfahrung nutzen soll. "Mein Traum ist es, Everton so schnell wie möglich in die Spitzenplätze zu führen", hatte der Trainer bereits bei seiner Vorstellung im Dezember 2019 gesagt.

Immerhin gehört Everton zu den großen Traditionsklubs in England und ist mit neun Ligatiteln immer noch die Nummer vier hinter Manchester United, dem Stadtrivalen FC Liverpool und dem FC Arsenal.

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Mit dem italienischen Coach könnte der Erfolg tatsächlich wieder zurückkommen, schließlich gilt Ancelotti als Spezialist für schwere Charaktere. Der Telegraph bezeichnet ihn als "Schmeichler, Verführer und Pferdeflüsterer der empfindlichen Egos an der Spitze des Spiels". Auch von den Spielern gibt es ein großes Lob. "Ich lerne jeden Tag auf dem Trainingsplatz vom Trainer und seinem Stab. Der Coach ist einer der besten, die es je gab", erklärte Abwehrspieler Michael Keane.

370 Millionen Euro Transferminus seit 2014

Die letzte Meisterschaft datiert allerdings aus dem Jahr 1987, entsprechend groß ist die Sehnsucht nach einem Titel.

Zuletzt gab es mehrfach Versuche, mit viel Geld den Erfolg zurückzuholen. Allerdings ist Everton inzwischen dafür berüchtigt, für hohen finanziellen Aufwand vergleichsweise wenig Ertrag zu erhalten. Seit Sommer 2014 hat es der Verein laut transfermarkt.de auf ein Defizit von rund 370 Millionen Euro auf dem Spielerbasar gebracht.

Heraus sticht die Saison 2017/2018 mit Transferausgaben von rund 220 Millionen Euro für neue Stars. Es reichte seitdem aber nicht einmal für die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb. 

Angetrieben wird der Verein vom Erfolg des großen Rivalen FC Liverpool um Trainer Jürgen Klopp. Die Vereinsführung will unbedingt an die Leistungen des großen Nachbarn herankommen, dessen Stadion nur etwas mehr als einen Kilometer entfernt ist. Bislang waren alle Mühen vergeblich.

Die Realität für Everton lautete: Niemandsland statt Champions League. In den vergangenen sieben Spielzeiten dümpelte der Klub trotz der riesigen Ausgaben zwischen Platz fünf und zwölf herum. Mit Ancelotti soll diesmal endlich alles anders werden. 

Ancelotti vertraut alten Bekannten

Um die Durststrecke zu beenden, bläst der erfahrene Italiener, der drei Champions-League-Titel in seiner Vita stehen hat, also zum Angriff auf dem Transfermarkt und holt sich für seine großen Pläne alte Bekannte dazu. 

Mit dem kolumbianischen Spielmacher James arbeitete der Italiener bereits bei Real Madrid (Juli 2014 bis Mai 2015) und dem FC Bayern (Juli 2017 bis September 2017) zusammen. Auch der Brasilianer Allan ist Ancelotti vertraut. Beim SSC Neapel agierten beide schon einmal von Juli 2018 bis Dezember 2019. Sowohl James als auch Allan werden noch in dieser Woche zum Medizincheck erwartet. 

Lediglich Abdoulaye Doucouré ist dem ehemaligen Bayern-Coach noch recht unbekannt. 

Auffällig: Damit rüstet der Trainer vor allem im zentralen Mittelfeld auf. Alle drei Neuzugänge finden sich am liebsten in der Schaltzentrale wieder, sind jedoch komplett unterschiedliche Spielertypen. 

Allan ist ein typischer Abräumer vor der Abwehr, Doucouré ein laufstarker Lückenfüller mit Offensivdrang und James ein klassischer Zehner.

Das Mittelfeld ist die Schwachstelle

Damit wird die größte Schwachstelle der vergangenen Saison angepackt. Mit André Gomes, Tom Davies, Gylfi Sigurdsson und Jean-Philippe Gbamin gab es dort zwar ein breites Angebot. Jedoch ist das Quartett sehr verletzungsanfällig und offenbarte Probleme in der Defensivarbeit. Die Folge: Everton war vor allem durch die Mitte offen. Die Problemlöser hierfür sind Doucouré und Allan.  

Der Plan von Ancelotti, das Mittelfeld neu aufzustellen, ergibt auch auf den zweiten Blick Sinn. Im Sturm verfügt das Team mit dem äußerst umworbenen Richarlison (23), Moise Kean (20) und Dominic Calvert-Lewin (23) über drei talentierte Angreifer. Sie gilt es in Szene zu setzen und zu füttern. Vor allem die Kreativität von James ist gefragt. "Ich mag ihn als Spieler sehr", macht Ancelotti noch einmal deutlich.

Keine Zukunft für Tosun, Ramirez und Co. 

Während Ancelotti auf neue Stars setzt, haben Spieler wie Cenk Tosun, Muhamed Besic, Sandro Ramirez und Yannick Bolasie ziemlich sicher keine Zukunft mehr beim Traditionsverein. Sie alle verdienen mehr als 250.000 Pfund in der Woche und haben dennoch sportlich kaum für Aufsehen gesorgt. 

Das gilt jedoch für die meisten Akteure im Kader. Viel Durchschnitt und wenig internationale Klasse tummeln sich im Goodison Park. Einziger echter Star ist der Brasilianer Richarlison. 

Es darf also bezweifelt werden, dass die drei Neuzugänge den FC Everton sofort auf das Level der Topteams bringen. Ancelotti wird noch mehr Millionen in die Hand nehmen müssen, um den Großangriff fortzuführen. 

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