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Patrick Bamford ist so etwas wie der Stürmer der Stunde in der Premier League
Patrick Bamford ist so etwas wie der Stürmer der Stunde in der Premier League © Imago
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Patrick Bamford feiert bei Leeds United seinen Durchbruch in der Premier League. Zuvor hat er mit vielen Vorurteilen zu kämpfen - die nicht im Ansatz stimmten.

Der Fußball kann offen sein und jedem Menschen einen Platz bieten. Es kann aber auch das Gegenteil der Fall sein. Letzteres zeigte sich am Beispiel Patrick Bamford - zumindest bis vor Kurzem. 

Mit 27 Jahren lebt der Engländer seinen Traum als Profifußballer. Mit Aufsteiger Leeds United spielt der Stürmer eine überragende Saison. In 23 Spielen in der Premier League hat er 12 Mal getroffen. Er steht mit dem Klub im Mittelfeld der Tabelle und erfüllt die Fans auf der Insel mit erfrischendem Fußball. 

Dass er es tatsächlich zu einem Goalgetter in der vielleicht besten Liga der Welt geschafft hat, das schien lange Zeit unmöglich. Ein Grund: Seine Familie. 

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Bamford passt nicht in das System des englischen Fußballs 

Doch es ist keine der Geschichten, die in einem Londoner Viertel beginnt - nach dem Motto von Zero to Hero. Bamford kommt aus keinem zerrütteten Elternhaus. Er ist wohlgehütet aufgewachsen, sein Vater arbeitet als Architekt in dem kleinen Ort Newark.

Für seinen Sohn war allerdings schnell klar, dass er einen anderen Karriereweg einschlagen wollte. Ihn fasziniert von Grund auf das Spiel mit dem Ball am Fuß. Doch seine Herkunft wurde zum Problem, sie passte irgendwie nicht zu, klassischen englischen Fußball. 

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Wie Bamford sprach, wo er herkam, dass er einen Studienplatz in Harvard abgelehnt hatte und dass er ein Instrument spielte - alles passte nicht in die manchmal raue Welt des englischen Fußballs. 

Überall, wo er hinkam, wurde Bamford mit Misstrauen empfangen. Manchmal mit Neugierde, manchmal mit Abneigung - Misstrauen spielte aber immer mit. Und Bamford lernte viele Orte kennen, den er war Teil der berüchtigten "Loan Army" des FC Chelsea. 

Im Jahr 2012 war Bamford von Nottingham Forest zu den Blues gewechselt. Der Klub aus London verlieh ihn an die Milton Keynes Dons, an Derby County, an den FC Middlesborough, an Norwich City und an den FC Burnley. 

"Mit dem silbernen Löffel im Mund geboren"

Seine letzte Leih-Station zeigt recht gut, warum Bamford nicht in das System des englischen Fußballs zu passen schien. 

In Burnley nahm Bamford einmal seine Eltern mit in das Turf Moor - die Heimspielstätte des Klubs - damit sie sehen, wo ihr Sohne gerade seine Zeit verbrachte. Dem damaligen Trainer von Burnley gefiel das aber nicht sonderlich. 

Anfangs sei das in Burnley kein Thema gewesen, bis Bamford anfing zu fragen, warum er eigentlich ständig auf der Bank saß. Da sprudelte es nur so aus dem Coach heraus, der damit anfing, dass er "mit einem silbernen Löffel im Mund geboren" und "auf zu viele Leute außerhalb des Fußballs" höre. 

Bamford erinnert sich im Interview mit der Sportsmail daran, dass er nach einem Beispiel fragte. Die Antwort war eine Gegenfrage: "Mit wem bist du angekommen, als du an deinem ersten Tag unterschrieben hast?" Bamford sagte: "Mit meiner Mutter und meinem Vater." Und der Coach: "Genau." 

In der Folge rankten sich sogar Mythen um Bamford. Beispielsweise, dass er ein entfernter Verwandter des mächtigen Unternehmers und Politikers Anthony Bamford sei.

Bamford erhält kurioses Lob

Ein weiteres Gespräch mit einem anderen Trainer zeigt ebenfalls, mit welchen Vorurteilen Bamford zu kämpfen hatte - und zwar in einem Augenblick, in dem der Fußballprofi seinen bis dato größten Moment erlebt hatte. 

"Nachdem wir in Leeds den Aufstieg geschafft hatten, trafen sich die Spieler und der Stab", erzählte Bamford mit einem Lächeln: "Da kam einer von Marcelos Assistenten kam zu mir und gratulierte mir." 

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Mit Marcelo meint Bamford Marcelo Bielsa, den Erfolgscoach von Leeds United, dem Klub, zu dem er im Sommer 2018 wechselte. In der Folge erhielt er ein kurioses Lob: 

"Während er sich mit mir unterhielt, sagte er, dass er fasziniert davon sei, wie hart ich arbeite, und dass ihn das beeindrucke, zumal mein Vater ein Milliardär sei. Ich habe es nicht übers Herz gebracht, ihm zu sagen, dass mein Vater ein Architekt aus Newark ist. Er ist ein ganz normaler Kerl. Ich weiß nicht, ob Sie jemals in Newark waren, aber es ist nicht der wohlhabendste Ort im Land." 

Ab diesem Moment änderte sich plötzlich alles. Bamford wird geschätzt, er wird akzeptiert. Zuletzt wurde er von Jamie Carragher und Chris Coleman in der Monday Night Football Show abgefeiert - kurz nachdem Bamford das 100. Tor seiner Karriere erzielt hatte. 

Bamford könnte schon bald für die Three Lions spielen

Carragher scherzte beim Interview mit Bamford ,als wären sie alte Kumpel. Die Liverpool-Legende sagte dem Stürmer sogar, dass er sich freuen würde, wenn er demnächst für die englische Nationalmannschaft einberufen werden würde. 

Plötzlich kennt Bamford das ganze Land - und die Leute mögen ihn. 

"Seit ich in Leeds angekommen bin, habe ich versucht zu zeigen, dass ich einer von ihnen bin", sagte Bamford, "dass ich ein normaler Typ bin, dass ich keine Angst habe, hart zu arbeiten und mir die Hände schmutzig zu machen. Ich habe keine Angst zu versuchen, mich anzupassen und zu zeigen, dass ich sympathisch bin und nicht der Typ, der sich über alle anderen stellt, sondern bereit ist, zu helfen und Teil der Gemeinschaft zu sein, in der ich lebe."

Bamford spendete jüngst 5.000 Pfund an eine Grundschule in Leeds - damit diese sich iPads für den Fernunterricht kaufen konnte. Auf dem Platz glänzt Bamford nicht nur durch Tore, sondern auch durch seine Uneigennützigkeit und seinen Gedanken des Teamplays. 

"Seit ich ein kleines Kind war hat mir mein Vater immer gesagt: Wenn jemand in einer besseren Position als du bist, dann sieht man manchmal besser aus, wenn man den Pass spielt, als wenn man versucht, das Tor zu schießen. Das ist etwas, das mir immer im Gedächtnis geblieben ist", verriet Bamford. 

Er hat es nach Anlaufschwierigkeiten geschafft, Vorurteile zu durchbrechen und das zu tun, was er liebt: Hart arbeiten - und zwar auf dem Fußballplatz. Welche Rolle sollte dabei auch die Herkunft und die Familie spielen?

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