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Florenz und München - Beim FC Bayern fällt Franck Ribéry dem großen Umbruch zum Opfer. Bei der Fiorentina erlebt der 36 Jahre alte Flügelflitzer einen zweiten Frühling.

Franck Ribéry hat Italien im Sturm erobert.

Galt der Franzose nach dem überraschenden Transfer zum AC Florenz für viele "nur" als Marketing-Gag, widerlegte der 36-Jährige dies nach wenigen Spielen für die Fiorentina eindrucksvoll.

"Phänomen, Phänomen", skandierten die Florenz-Fans frenetisch, als Ribéry in der 68. Minute gegen Juventus Turin das Spielfeld verließ.

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Ex-Bayern-Star neuer König der Toskana

Das Spiel am 3. Spieltag der Serie A endete zwar torlos 0:0. Der Ex-Bayern-Star war aber der gefeierte Held. Der neue König der Toskana.

Eine Szene stand sinnbildlich dafür:

In der 60. Spielminute leitet Ribéry mit einem Fehlpass einen Konter von Juve ungewollt ein. Mit viel Tempo dribbelt niemand Geringeres als Cristiano Ronaldo aufs Tor der Viola. Doch der Franzose bleibt nicht etwa stehen und schaut zu, was passiert, sondern sprintet unnachahmlich hinterher und grätscht genau in dem Moment dazwischen, als der portugiesische Weltfußballer auf den mitgelaufenen Mitspieler Fernando Bernadeschi ablegen will. Der 36-Jährige erobert den Ball zurück und unterbindet einen gefährlichen Konter.

"Er hat besser gespielt als Cristiano Ronaldo!"

Nicht nur wegen dieser Aktion stahl der unermüdliche Ribéry Ronaldo die Show und eroberte die Herzen der Fiorentina-Fans im Sturm. "Phänomen, Phänomen", hallte es auch nach dem Spiel durch das Artemio Franchi, vor der Fankurve wurde er bei seiner Ehrenrunde mit Sprechchören gefeiert und bekam einen Fanschal zugeworfen.

Der neue Eigentümer des AC Florenz, Rocco Commisso, jubelte: "Haben Sie Ribéry mit 36 gesehen? Er hat besser gespielt als Cristiano Ronaldo!" (Tabelle der Serie A)

In der italienischen Presse dominierte der Franzose folgerichtig die Schlagzeilen. "Er gibt der Mannschaft alles, daher vergöttern ihn die Fans im Florentiner Franchi-Stadion. Ribéry genügt eine Stunde auf dem Spielfeld und alle Florenz-Fans sind schon in ihn verliebt. Er ist wertvoll, wenn er die Teamkollegen zum Tor reißt. Ribéry, der Alte, wird mit seinen Leistungen von Spiel zu Spiel immer besser", lobte die Gazzetta dello Sport.

Ribéry kein Marketing-Gag

Zwar erzielte der französische Flügelflitzer in drei Einsätze für die Viola noch kein Tor und verbuchte noch keinen Assist, doch Sportdirektor Daniele Pradè unterstrich nichtsdestotrotz seinen hohen Stellenwert.

"Viele dachten, Ribérys Verpflichtung wäre nur eine Marketing-Operation gewesen, aber es ist nicht so. Ribéry ist ein großartiger Spieler und ein Beispiel für die jüngeren Fußballer", sagte Pradè. Er motiviere stets den Rest der Mannschaft.

Gegen den italienischen Serienmeister war die Fiorentina dem Sieg näher als das favorisierte Juve. In den ersten 60 Minuten hatte Florenz ein deutliches Chancenplus, war aber beim Abschluss glücklos. Federico Chiesa, Dalbert und Ribéry - sie alle hätten die Viola eigentlich in Führung bringen müssen, scheiterten aber bei ihren zahlreichen Versuchen.

Fiorentina-Fans feiern ihr "Phänomen" 

Nach Ribérys Auswechslung ging dagegen in der Offensive der Fiorentina nicht mehr fiel, am Ende waren die Toskaner aber glücklich über den Punktgewinn, den ersten in der Saison überhaupt. Ribéry schrieb danach auf Twitter: "Großartiges Teamwork, großer Enthusiasmus im Franchi-Stadion. Wir haben bis zum Ende gekämpft und wollten die drei Punkte unbedingt. Danke an alle Fans." (Ergebnisse und Spielplan der Serie A)

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Der Franzose fühlt sich in Italien sichtlich wohl, wie er nach dem Remis in der Mixed Zone erklärte: "Ich bin seit drei Wochen hier und sehr glücklich. Ich mag die Menschen und die Mentalität - und insbesondere mag ich diese Atmosphäre. Wenn die Fans glücklich sind, bin ich es auch. Ich bin nur traurig, weil wir kein Tor erzielen konnten."

Die nächste Gelegenheit dazu hat Ribéry bei Atalanta Bergamo. Was werden die Fiorentina-Fans wohl erst skandieren, wenn "Phänomen" Ribéry sein erstes Tor erzielt?

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